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Tatort – Schwindelfrei

Die gute Nachricht gleich vorweg: Felix Murot (Ulrich Tukor) ist in „Schwindelfrei“ wieder gesund. Der Gehirntumor, der den Wiesbadener LKA-Beamten in seinen ersten beiden „Tatort“-Fällen gequält hat, ist erfolgreich wegoperiert worden. Auch die damit verbundenen Wahnvorstellungen sind verschwunden. Und die Nachricht seiner Genesung erhält unser Ermittler am Ende seiner Reha in Fulda. Aus Feier des Tages lädt er seine treue Mitarbeiterin Magda Wächter (Barbara Philipp) spontan nach Fulda ein.

Abends besuchen die beiden eine Vorstellung eines drittklassigen Zirkus, dessen Hauptattraktion eine Pudeldressur ist. Und der dennoch – zumindest in Fulda – eine solche Attraktion darstellt, dass er offenbar gleich an mehreren Tagen hintereinander vor Hunderten von Zuschauern gastiert. In diesem Zirkus gerät Murot nun mitten hinein in einen Kriminalfall. Während der von ihm besuchten Vorstellung springt plötzlich eine Zuschauerin auf und ruft erregt: „Da ist er, lasst ihn nicht entkommen!“ Dann folgt ein Stromausfall. Und als das Licht wieder angeht, ist die aufgeregte Dame spurlos verschwunden.

Als Murot am kommenden Tag im Hotel erfährt, dass die Fuldaer Polizei nach der verschwundenen Frau sucht, wittert er gleich ein Verbrechen. Und da gerade – welch ein Zufall! – der Pianist der Zirkusband wegen einer gebrochenen Hand ausgefallen ist, übernimmt er vertretungsweise dessen Job. In der Hoffnung, so mehr über die Hintergründe des vermeintlichen Verbrechens zu erfahren. Der Zuschauer ist jedoch schon längst weiter als Murot. Einer der Verdächtigen aus der Zirkustruppe trägt auf seiner Stirn so überdeutlich den Stempelaufdruck „Mörder“, dass Spannung in diesem Kriminalfall erst gar nicht aufkommt.

Zudem leidet der Film darunter, dass zum x-ten Mal als Hintergrund eines Verbrechens die kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien herhalten müssen. Das kann man zwar machen, aber besonders originell ist das leider nicht. Doch immerhin bleiben den Zuschauern zukünftig ja die mehr als merkwürdigen Dialoge zwischen Murot und seinem Tumor „Lilly“ erspart. Nicht erspart bleiben einem jedoch der Anspruch des Hessischen Rundfunks mit Tukur ungewöhnliche „Tatorte“ zudrehen, die vermeintlich die Konventionen des Krimi-Genres kunstsinnig sprengen oder mit ihnen zumindest ironisch spielen.

Ein nettes Unterfangen, das dann aber ziemlich schief läuft, wenn – wie in diesem von Justus von Dohnànyi geschriebenen und inszenierten Fall – das Gebälk der erzählten Geschichte so unüberhörbar und unübersehbar ächzt. Und zudem auf arg ausgelutschte Klischees zurückgegriffen wird. Sehenswert dagegen sind die nostalgischen Bilder aus dem heruntergekommenen Zirkus, dazu gibt es ein paar nette kleine Gags. Und einen launig aufspielenden Tukor, der seiner großen Leidenschaft, der Musik, nachgehen darf. Begleitet wird er dabei auch im Film von seinen „Rhythmus Boys “, mit denen er oft auf Tournee ist. So werden zumindest seine Fans auf ihre Kosten kommen. Alle anderen können sich ja vom Weihnachtsmann spannendere Tukur-„Tatorte“ wünschen.

ARD, 08.12.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 08.12.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 08.12.2013, 23:45 Uhr
Eins Festival, 10.12.2013, 00:35 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , ,
  1. Dezember 25, 2013 um 11:47 pm

    Vollkommende Zustimmung! Doch bei soviel Ziellosigkeit vermisse ich die kleine abgedrehte Lilly…

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