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Tatort – Großer schwarzer Vogel

In Berlin sind zwei Stellen frei. Wer die beiden langjährigen „Tatort“-Kommissare Till Ritter (Dominic Raake) und Felix Stark (Boris Aljinovic) von 2015 an ersetzen soll, hat der zuständige Sender, der RBB, jedenfalls noch nicht bekannt gegeben. Eines ist jedoch sicher: Während Aljinovic noch einmal Solo in einem Berliner-„Tatort“ ermittelt, der vermutlich im November ausgestrahlt wird, ist der am morgigen Sonntag gezeigte Beitrag „Großer schwarzer Vogel“ bereits Raakes letzter Fall. Der 55-Jährige verlässt, wie es heißt, auf eigenen Wunsch vorzeitig die Reihe, die er seit 1999 als Kommissar mitgeprägt hat. Und offensichtlich ist er mit der Entwicklung seiner Rolle in den letzten Jahren nicht ganz zufrieden gewesen.

In einem Interview mit seinem Sender sagt dazu Raake: „Ich erinnere mich, dass Ritter in seinen Anfangsjahren kaputter war. Er rauchte und trank und die Figur war insgesamt einsamer und melancholischer angelegt. Diese Eigenschaften verschwanden mit der Zeit. Er wurde vernünftiger und angepasster. Das war für manche Fälle sicher zuträglich, aber insgesamt ging dabei Charakter verloren.“ Was man als Zuschauer allerdings so nicht bestätigen möchte, hat sich Raake doch in seinen ersten Fällen zu sehr in der oft arg bemüht wirkenden Rolle des einsamen Großstadt-Cowboys gefallen und später erst als „Normalo“ das notwendige Profil gewonnen.

Überraschend unspektakulär fällt jedenfalls Till Ritters Abschied aus. Ja, es gibt noch nicht einmal einen Mord, dafür eine tieftraurige Geschichte, die richtig gut zu Felix Starks melancholischen Gesichtsdauerausdruck passt. Und die dennoch über weite Strecken spannend anzuschauen ist. Im Mittelpunkt steht der Radiomoderator Nico Lohmann (Florian Panzner), der als seelentröstender Night-Talker bei seinem Sender arbeitet. Und dabei schon einmal Anruferinnen rät, ihren Mann zu verlassen. So macht man sich natürlich Feinde. Eines Tages explodiert dann auch vor Lohmanns Wohnungstür ein dilettantisch zusammen gebastelter und eigentlich recht harmloser Sprengsatz  – mit allerdings schlimmen Folgen. Ein im Hausflur spielender kleiner Junge fällt wegen des Knalls vor Schreck die Treppe hinunter und stirbt kurz darauf im Krankenhaus.

Dass der verhängnisvolle Anschlag dem Moderator oder womöglich seiner schwangeren Freundin galt, scheint zwar sicher, dennoch kommen Ritter und Stark bei ihren Ermittlungen nicht so recht weiter. Erst als sie in der Vergangenheit des Radiomoderators nach einem möglichen Tatmotiv suchen, stoßen sie auf erste Spuren. So war Lohmann vor seinem Job beim Rundfunk ein hoffungsvoller Leistungsschwimmer, der seine Karriere nach einem fatalen Autounfall an den Nagel gehängt hat. Bei dem Crash starben eine Frau und ihr kleines Mädchen, und obwohl die Schuldfrage zugunsten Lohmanns schnell geklärt war, gibt es merkwürdige Ungereimtheiten. Und den Ehemann der Toten, der trotz allem Lohmann immer noch beschuldigt. Außerdem verhält sich der Radiomann der Polizei gegenüber seltsam unkooperativ.

Dies alles wird im Film erstaunlich ruhig und sachlich erzählt. Und ist von Regisseur Alexander Dierbach (Drehbuch: Jochen Greve) zudem überaus stimmig inszeniert. Neben dem insgesamt gut aufspielenden Ensemble überzeugt dabei wie schon in seinen letzten Fällen das Duo Raake und Aljinovic, das so angenehm unaufgeregt und schnörkellos ermittelt, dass man sein Ausscheiden aus der immer größer werdenden „Tatort“-Familie schon ein wenig bedauert.

ARD, 09.02.2014, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 09.02.2014, 21:45 Uhr / Eins Festival, 09.02.2014, 23:45 Uhr
ARD, 11.02.2014, 00:45 Uhr

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