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Sotschi 2014: Definitiv

Puuh! Was sind das gerade für anstrengende Tage! Morgens in aller Herrgottsfrühe geht’s auf einem Brett die Buckelpiste herunter, danach wird auf Schlittschuhen Runde für Runde im Kreis gelaufen, später auf Skiern mehr oder weniger gezielt geschossen, später folgen noch Männer und Frauen, die von Schanzen springen oder mit Besen das Eis polieren und zum Schluss tanzen komisch grell kostümierte junge Menschen über eine Eisfläche und verheddern sich dabei zuweilen bei der Todesspirale oder beim dreifachen Rittberger. Und immer wenn ich diesem olympischen TV-Marathon zuschaue, läuft es bei unseren Sportlern definitiv schief, wird um Millimeter daneben geschossen, eingefädelt oder vergeblich nach der eigenen Form gesucht.

Das ist definitiv so. Und damit sind wir definitiv beim Thema: dem Wörtchen „definitiv“. Das taucht wirklich in fast jedem Sportlerinterview so selbstverständlich und so häufig auf, dass ich schon gar nicht mehr hinhören möchte. Und da sich selbst die Moderatoren dieses sündhaft teuren Sportspektakels mittlerweile davon haben anstecken lassen, bekomme ich langsam definitiv eine Krise. Vor allem weil Sotschi keine Ausnahme ist, sondern mittlerweile längst der Regelfall. Besonders unter Fußballern vergeht halt kein Bundesligaspieltag, an dem nicht ein Kicker definitiv fürs nächste Spiel ausfällt, ein Team definitiv gegen den Abstieg kämpft oder Bayern wohl definitiv nicht mehr in der Tabelle einzuholen ist. Und natürlich – so steht es im Internet – bleibt „Diouf definitiv bis zum Saisonende bei 96“.

Aber auch andere Bereiche außerhalb des Sports haben sich von dieser Sprachseuche längst anstecken lassen. Das zeigt allein schon die Suchmaschine Google, die rund 9570000 Treffer bei der Suche nach „definitiv“ kennt. Beim wesentlich schönen Wort „verliebt“ sind das nur 5220000 Treffer, „einsam“ sind nur schlappe 2190000 Leute und „pleite“ immerhin noch 3390000. Glaubt man also Google, dann sind wir offenbar ein Volk, das definitiv nach definitiven Antworten und Lösungen sucht oder verlangt. Und das daher Dinge, die in der Schwebe oder womöglich ungewiss sind, nur schwer aushält. Da kann man zwar wohl definitiv nichts machen, aber man könnte es ja mal mit einem anderen alternativen Wort versuchen. Beispielsweise mit endgültig, für immer, ganz genau, ganz sicher, unabänderlich, unumstößlich, unwiderruflich, verbindlich oder verpflichtend. Und damit ist hier jetzt definitiv Schluss.

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter:
  1. Februar 13, 2014 um 1:23 pm

    Definitiv gab es keinen Sieg der US-NATO
    Freunde am Hindukusch.
    Nicht Definitiv sonder unabdingbar ist der
    neue Einsatz in Afrika.🙂

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