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TV-Kritik: The Fear

Ein älterer Mann steht nachts am Meer. Er wirkt völlig verängstigt, ja verzweifelt. Und schaut auf die offenbar ausgebrannte Ruine eines typisch englischen Piers. Dann wird ein Messer gezückt. Ein Schuss fällt. Und die Kugel trifft den älteren Mann. – Mit diesem tatsächlich auch für den Zuschauer gruseligen Vorspann beginnt der britische Vierteiler „The Fear“, den ZDFneo an den kommenden Montagen leider zu arg später Stunde zeigt. Und der, das ist jedenfalls der Eindruck nach der ersten Folge, einen wesentlich populäreren Sendeplatz verdient hätte.

Die Story handelt von dem verängstigten Mann aus dem Vorspann: dem ehemaligen Gangsterboss Richie Beckett (Peter Mullan), der sich mittlerweile ganz legal als ehrenwerter Geschäftsmann in dem Seebad Brighton etabliert hat. Schon seit Jahren trinkt er keinen Tropfen Alkohol mehr und kümmert sich, auch finanziell, um die Restaurierung des West Piers, einer Touristenattraktion von Brighton. Gerade hat er für dieses Projekt feierlich einen Scheck übergeben, da geschieht etwas Seltsames. Auf der Rückfahrt springt er plötzlich aus seinem Auto, schlägt einen jungen Mann zusammen, weil er sich von ihm irgendwie genervt fühlt. Und kann nur mühsam von seinem Chauffeur beruhigt werden. Doch schon kurz danach kann er sich nicht mehr an diesen Vorfall erinnern.

Ein schlimmer Aussetzer, der offenbar kein Einzelfall ist. Und der sich bald auf ganz ähnliche Weise wiederholen wird. Inzwischen hat der Zuschauer Richies Familie ein wenig kennengelernt, vor allem seine zwei erwachsenen Söhne, die mittlerweile die Familiengeschäfte führen. Sie haben sich mit einer albanischen Bande von Frauen- und Drogenhändler eingelassen. Dabei ist jedoch einiges bös und grausam blutig schief gelaufen, worauf hin sie ihren Vater um Hilfe gebeten haben. Nun soll ein Gespräch mit dem alten Patriarchen dieser Bande die Konflikte schlichten. Doch dabei dreht Richie plötzlich erneut völlig durch, geht dem Alten an den Kragen. Und muss daraufhin mit seinen Söhnen die Flucht ergreifen.

Ein Zwischenfall, der – wie der Schluss der ersten Folge zeigt – nicht ohne Folgen bleibt. Der aber auch Richie endgültig klarmacht, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt. Ja, er vermutet, dass er unter einer beginnenden Demenz oder Alzheimer leidet, dass sein Verstand dabei ist, sich aufzulösen. Und all das verursacht bei ihm natürlich große existentielle Ängste, die dann auch im eigentlichen Zentrum dieses Krimi-Vierteilers stehen. Erzählt wird hier eindrucksvoll von einem menschlichen Drama, das geschickt in eine Krimi-Handlung eingebettet ist, das sich bisweilen im Kopf der Hauptfigur abzuspielen scheint. Und das dabei erstaunlich schonungslos daherkommt, besonders in Richies Beziehung zu seiner Frau (Anastasia Hille). Beide leben schon seit langem nebeneinanderher, gönnen sich Affären und ihr Umgang miteinander ist alles andere als liebevoll. Doch nun steht plötzlich Richie eines Nachts verängstigt an ihrem Bett, will unter die Decke schlüpfen, bei ihr Trost suchen und muss sich dann von seiner Frau anhören, dass er stinke. Eine Abweisung, eine Demütigung der schlimmsten Art.

Exzellent gespielt wird die schwierige Rolle des Richie von dem bekannten schottischen Schauspieler Peter Mullan, den deutsche Zuschauer vielleicht aus den Kinofilmen „Trainspotting“ oder „Gefährten“ kennen. Und der dabei von überzeugend agierenden Darstellern unterstützt wird, sieht man mal von den ziemlich klischeehaft auftretenden „Albanern“ ab. Regie führt Michael Samuels und die Geschichte stammt von Richard Cottan, der auch das Drehbuch zu der TV-Serie „Kommissar Wallander“ (mit Kenneth Branagh) geschrieben hat.

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