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Archive for Februar 2014

Tatort – Brüder

Private Plänkeleien und private Macken der Ermittler bleiben dem Zuschauer in „Brüder“ zum Glück erspart. Stattdessen konzentrieren sich die Bremer „Tatort“-Hauptkommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) ausschließlich auf ihren Fall, und der hat es wirklich in sich. Behandelt er doch eine ganz besondere Form von Kriminalität, über die man öffentlich nicht so gerne spricht – aus Furcht vor Beifall aus der ausländerfeindlichen Ecke. Es geht hier um einen aus der Türkei stammenden arabischen Familienclan, der mit extremer Brutalität seine kriminellen Geschäfte betreibt. Und leider gibt es genau dafür genügend reale Vorbilder in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit, von denen sich die Drehbuchautoren Wilfried Huismann und Dagmar Gabler offenbar auch haben inspirieren lassen.

Los geht’s mit einer scheinbar ganz normalen Szene aus dem Polizeialltag. Bei ihrer nächtlichen Streife erhalten die Beamten David Förster (Christoph Letkowski) und Anne Peters einen Notruf von einem Mann, der sich bedroht fühlt. Am Einsatzort eingetroffen, hören sie seltsame Geräusche, die aus einem Lieferwagen kommen. Dann tauchen plötzlich drei finstere Gestalten auf und gehen drohend auf die Polizisten zu. Bei ihnen handelt es sich um Mitglieder des in der Stadt gefürchteten sogenannten Nidal-Clans. Sie machen den Beamten aggressiv klar, dass sie verschwinden sollen. Schließlich eskaliert die Situation, und die Polizistin Anne wird durch Tritte und Schläge lebensgefährlich verletzt. Ihr Kollege David ist dagegen spurlos verschwunden, als kurze Zeit später Lürsen und Stedefreund am Tatort erscheinen.

Erst am nächsten Tag taucht er wieder auf, kann sich aber angeblich an nichts erinnern. Auch nicht an die Täter. Doch bei ihren weiteren Ermittlungen finden die beiden Kommissare heraus, dass David seine Kollegin panisch im Stich gelassen hat. Außerdem ist offenbar kurz zuvor am Tatort ein Mann ermordet wurden. Seine Leiche ist jedoch nicht auffindbar. Und ein Zeuge des Geschehens verweigert aus Angst jede Aussage. – Und diese Angst vor gut organisierten Kriminellen, die sich um Recht und Gesetz überhaupt nicht scheren, ist leider völlig verständlich. Das zeigt dieser facettenreiche „Tatort“ eindrucksvoll, der dabei recht genau beschreibt, wie Clan-Kriminalität funktioniert. Und dass sie auch vor Richtern und Polizisten nicht mehr halt macht

Gleichzeitig wirft der von Florian Baxmeyer inszenierte Film die Frage auf: Wie gehen wir, wie gehen die Strafbehörden mit solchen gesetzlosen Gewalttätern um? Eine eindeutige Antwort wird jedoch nicht präsentiert, das wäre wohl auch zu simpel. Dennoch hat der gezeigte Polizeiausbilder im Film womöglich recht, der zu seinen Kursteilnehmern sagt, dass solchen Kriminellen klar gemacht werden müsste, dass auf den Straßen die „Bullen-Gang“ das Sagen hat.

ARD, 23.02.2014, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 23.02.2014, 21:45 Uhr / Eins Festival, 23.02.2014, 23:45 Uhr
Eins Festival, 25.02.2014, 00:50 Uhr

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TV-Kritik: Immer wieder anders

Am Freitagabend tut sich etwas in der ARD. Liefen dort zur besten Sendezeit bisher meist Filme auf Groschenroman-Niveau, so findet man inzwischen immer häufiger durchaus sehenswerte Produktionen. Das neuste Beispiel ist Matthias Steurers romantische Tragikomödie „Immer wieder anders“ (Drehbuch: Sophia Krapoth). In ihr geht es um eine Ehescheidung, von der so locker und leicht erzählt wird, dass der Film trotz aller Dramatik einfach Spaß beim Zuschauen macht. Dabei werden nervige Alltagsprobleme durchaus realistisch behandelt. Und das Happyend ist sogar arg vorhersehbar. Was allerdings überhaupt nicht stört, weil der Zuschauer den beiden sympathischen Protagonisten des Films ein schönes Ende von Herzen gönnt.

Die im Stil von bekannten US-Vorbildern inszenierte Geschichte handelt von Katja und Jan, die erst ein paar Jahre verheiratet sind. Die beiden haben zwei kleine Kinder und sich gerade ein schmuckes Haus gebaut. Und schon kommt es zu einer dramatischen Krise. Als Katja zufällig erfährt, dass Jan fremdgeht, wirft sie ihn knallhart hinaus und reicht gleich die Scheidung ein. Doch die danach, auch rechtlich, vollzogene Trennung bewirkt wahre Wunder. Zwischen den beiden entwickelt sich eine innige Freundschaft, die nicht mehr durch den vorher üblichen Alltagsstress belastet ist. Und obwohl sie im Lauf der Zeit neue Partnerschaften eingehen, ist beim Zuschauen wohl jedem schnell klar, dass Katja und Jan irgendwann wieder zueinander finden werden.

Das verraten allein schon die schmachtenden Blicke, die sich Barnaby Metschurat und Katharina Wackernagel ständig zuwerfen. Die Chemie zwischen den zwei Hauptdarstellern scheint also mehr als gestimmt zu haben. Zudem ziehen sich ja Gegensätze bekanntlich an. So ist Wackernagels Katja eine sinnliche, gleichwohl resolute Frau, während Metschurats Jan den ewigen Jungen spielt, der einfach nicht erwachsen werden möchte. Warum auch bei dieser Frau?

ARD, 21.02.2014, 21:15 Uhr 
Eins Festival, 25.02.2014, 18:30 Uhr / Eins Festival, 26.02.2014, 07:00 Uhr
Eins Festival, 26.02.2014, 12:30 Uhr

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Mein Hobby

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Die Pizza ist da

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Minnie the Moocher

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TV-Kritik: The Fear

Ein älterer Mann steht nachts am Meer. Er wirkt völlig verängstigt, ja verzweifelt. Und schaut auf die offenbar ausgebrannte Ruine eines typisch englischen Piers. Dann wird ein Messer gezückt. Ein Schuss fällt. Und die Kugel trifft den älteren Mann. – Mit diesem tatsächlich auch für den Zuschauer gruseligen Vorspann beginnt der britische Vierteiler „The Fear“, den ZDFneo an den kommenden Montagen leider zu arg später Stunde zeigt. Und der, das ist jedenfalls der Eindruck nach der ersten Folge, einen wesentlich populäreren Sendeplatz verdient hätte.

Die Story handelt von dem verängstigten Mann aus dem Vorspann: dem ehemaligen Gangsterboss Richie Beckett (Peter Mullan), der sich mittlerweile ganz legal als ehrenwerter Geschäftsmann in dem Seebad Brighton etabliert hat. Schon seit Jahren trinkt er keinen Tropfen Alkohol mehr und kümmert sich, auch finanziell, um die Restaurierung des West Piers, einer Touristenattraktion von Brighton. Gerade hat er für dieses Projekt feierlich einen Scheck übergeben, da geschieht etwas Seltsames. Auf der Rückfahrt springt er plötzlich aus seinem Auto, schlägt einen jungen Mann zusammen, weil er sich von ihm irgendwie genervt fühlt. Und kann nur mühsam von seinem Chauffeur beruhigt werden. Doch schon kurz danach kann er sich nicht mehr an diesen Vorfall erinnern.

Ein schlimmer Aussetzer, der offenbar kein Einzelfall ist. Und der sich bald auf ganz ähnliche Weise wiederholen wird. Inzwischen hat der Zuschauer Richies Familie ein wenig kennengelernt, vor allem seine zwei erwachsenen Söhne, die mittlerweile die Familiengeschäfte führen. Sie haben sich mit einer albanischen Bande von Frauen- und Drogenhändler eingelassen. Dabei ist jedoch einiges bös und grausam blutig schief gelaufen, worauf hin sie ihren Vater um Hilfe gebeten haben. Nun soll ein Gespräch mit dem alten Patriarchen dieser Bande die Konflikte schlichten. Doch dabei dreht Richie plötzlich erneut völlig durch, geht dem Alten an den Kragen. Und muss daraufhin mit seinen Söhnen die Flucht ergreifen.

Ein Zwischenfall, der – wie der Schluss der ersten Folge zeigt – nicht ohne Folgen bleibt. Der aber auch Richie endgültig klarmacht, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt. Ja, er vermutet, dass er unter einer beginnenden Demenz oder Alzheimer leidet, dass sein Verstand dabei ist, sich aufzulösen. Und all das verursacht bei ihm natürlich große existentielle Ängste, die dann auch im eigentlichen Zentrum dieses Krimi-Vierteilers stehen. Erzählt wird hier eindrucksvoll von einem menschlichen Drama, das geschickt in eine Krimi-Handlung eingebettet ist, das sich bisweilen im Kopf der Hauptfigur abzuspielen scheint. Und das dabei erstaunlich schonungslos daherkommt, besonders in Richies Beziehung zu seiner Frau (Anastasia Hille). Beide leben schon seit langem nebeneinanderher, gönnen sich Affären und ihr Umgang miteinander ist alles andere als liebevoll. Doch nun steht plötzlich Richie eines Nachts verängstigt an ihrem Bett, will unter die Decke schlüpfen, bei ihr Trost suchen und muss sich dann von seiner Frau anhören, dass er stinke. Eine Abweisung, eine Demütigung der schlimmsten Art.

Exzellent gespielt wird die schwierige Rolle des Richie von dem bekannten schottischen Schauspieler Peter Mullan, den deutsche Zuschauer vielleicht aus den Kinofilmen „Trainspotting“ oder „Gefährten“ kennen. Und der dabei von überzeugend agierenden Darstellern unterstützt wird, sieht man mal von den ziemlich klischeehaft auftretenden „Albanern“ ab. Regie führt Michael Samuels und die Geschichte stammt von Richard Cottan, der auch das Drehbuch zu der TV-Serie „Kommissar Wallander“ (mit Kenneth Branagh) geschrieben hat.

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