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Kino: Im August in Osage County

Wer seine Ruhe haben möchte, der schlägt um Familienfeste lieber einen großen Bogen. Denn wohl leider nicht nur im Kino kommt es bei solchen Anlässen oft zu verbitterten Auseinandersetzungen, bei denen plötzlich alte offene Rechnungen präsentiert werden und daraufhin jahrelang gepflegte Beziehungen krachend zu Bruch gehen. Das neuste Beispiel einer solchen Familienschlacht liefert nun John Wells’ bitterböses Drama „Im August in Osage County“, das nach dem gleichnamigen Theaterstück von Tracy Letts entstand. Und das bei aller Tragik dank seiner pointierten bisweilen schwarzhumorigen Dialoge auch höchst unterhaltsam ist.

Die Geschichte kreist um Beverly (Sam Shepard) und Violet (Meryl Streep). Ein älteres Ehepaar, das sich irgendwie arrangiert hat. Beide leben mitten auf dem flachen Land in Oklahoma. Er ist Schriftsteller und schwerer Alkoholiker, sie schluckt nach einer Krebserkrankung Unmengen an Beruhigungspillen und ist meist so benebelt wie ihr Mann. Und um den Alltag der zwei kümmert sich in ihrem weitläufigen Farmhaus die indianische Haushälterin mit erstaunlich stoischer Ruhe. Eines Tages jedoch ist Beverly plötzlich verschwunden, und als er auch nach Tagen nicht mehr auftaucht, reisen seine Töchter an, um sich um ihre Mutter zu kümmern.

Zuerst erscheint die in der Nähe lebende und alleinstehende Tochter Ivy (Julianne Nicholson). Dann kommt ihre Tante Mattie Fae (Margo Martindale) mit Ehemann Charles (Chris Cooper). Und als Ivys Schwester Barbara (Julia Roberts) mit ihrem Mann Bill (Ewan McGregor) und der 14-jährigen Tochter Jean (Abigail Breslin) eintrifft, wird kurz darauf Beverlys Leichnam in einem nahen Gewässer gefunden. Er hat offenbar Selbstmord gemacht. Zu seiner Beerdigung reist schließlich auch die dritte Tochter Karen (Juliette Lewis) mit ihrem neuen Geliebten Steve (Dermot Mulroney) an sowie Mattie Faes Sohn Little Charles (Benedict Cumberbatch).

Schon vor Beverlys Beisetzung ist die Atmosphäre seltsam gespannt, und bei dem anschließenden Leichenschmaus eskalieren offenbar zuvor sorgsam verdrängte Konflikte zu einer furios inszenierten und genauso beeindruckend gespielten Generalabrechnung. Zu einem gnadenlosen Streit, bei dem fast schon diabolisch und zunehmend enthemmt Violet die Fäden zieht. Sie sitzt dabei kettenrauchend und mit ihrer leicht verrutschten Chemotherapie-Perücke am Kopfende, schießt ihre Giftpfeile so zielsicher ab, dass es bei den Getroffenen dann auch richtig weh tut. Und vor allem weiß sie über jeden Anwesenden bestens Bescheid. Als schließlich Barbara der Kragen platzt und sie daraufhin die Pillen ihrer Mutter in der Toilette entsorgt, eskaliert die Situation.

Wie Julia Roberts und Meryl Streep, die hier zum ersten Mal gemeinsam in einem Film zu sehen sind, besonders in diesem Mutter-Tochter-Streit agieren, ist beängstigend gut. Beide sind daher auch für jeweils einen Oscar nominiert wurden. Aber auch die anderen Darstellen sind durchweg überzeugend. Schade nur, dass der großartige Sam Shepard nur einen kurzen Auftritt hat.

Im August in Osage County, Regie: John Wells, USA 2014, 121 Min. FSK: 12

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