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Lesebefehl: John Niven – Straight White Male

Manchmal hängt das Leben an einem einzigen Schnürsenkel. Diese ungewöhnliche Erfahrung macht in John Nivens’ „Straight White Male“ kurz vor Schluss der irische Bestsellerautor Kennedy Marr, der das Schreiben von quälend geistreichen Romanen an den Nagel gehängt hat, um lieber mit Drehbüchern in Hollywood das schnelle Geld zu machen. Was er bei seinem ausschweifenden Leben auch wirklich nötig hat. Zwar ist er mittlerweile schon 44 Jahre alt, säuft aber weiterhin exzessiv, nimmt Drogen, liebt teures Essen und Frauen sowieso. Und eigentlich ist er ein ziemliches A….loch, den man dennoch als Leser wegen seiner unglaublichen Ehrlichkeit und seines herrlich unkorrekten Witzes einfach mögen muss.

Im ersten Teil des Romans steckt der fast immer berauschte Held gerade in einem dummen, weil nüchternen Dilemma. Weil er sich wieder einmal mit einem unangenehmen Zeitgenossen geprügelt hat, hat ihn ein Richter zu einer stinklangweiligen Psychotherapie verurteilt. Außerdem muss er sich womöglich stark finanziell einschränken, weil das amerikanische Finanzamt eine Nachforderung von mehr als eine Million Dollar hat. Und zu allem Überfluss ist er auch mit dem Überarbeiten mehrerer Drehbücher in Verzug. Doch dann geschieht ein Wunder: In England winkt ihm ein hochdotierter Literaturpreis, der seine Geldprobleme auf einen Schlag lösen würde. Allerdings muss er im Gegenzug dafür an einer britischen Universität, an der auch seine ehemalige Frau Dozentin ist, ein Jahr lang Kreatives Schreiben unterrichten. Und was Schrecklicheres kann sich Freigeist Marr kaum vorstellen

Nach langem Zögern nimmt er dann doch notgedrungen den Preis an. Und wie er dann im zweiten Teil des Buchs das Leben an der ehrwürdigen Lehranstalt aufmischt, wie er sich mit vermeintlich kritischen Geistern des Instituts für Literatur anlegt, auch mit Fäusten, und wie er gleichzeitig versucht, sein lang vernachlässigtes Familienleben zu regeln, ist so komisch und so temporeich geschrieben, dass man gern mehr von diesem Kennedy Marr lesen möchte. Und natürlich von seinem fast gleichaltrigen schottischen Autor, der lange Zeit bei einer Plattenfirma gearbeitet und 2005 seinen ersten Roman „Kill Your Friends“ veröffentlich hat.

John Niven: Straight White Male, Heyne Verlag, 384 Seiten,16,99 Euro.

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