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TV-Kritik: Jeder Tag zählt

Ungewöhnlich harte Kost serviert das ZDF am heutigen Montagabend auf einem Sendeplatz, auf dem der Sender ansonsten gern Fernsehkrimis ausstrahlt. Thema des von Gabriela Zerhau inszenierten Films ist die Krebserkrankung einer 14-Jährigen. Und im Mittelpunkt steht der fast unmenschlich erscheinende Therapieverlauf dieser Krankheit. Dabei bleibt dem Zuschauer in „Jeder Tag zählt“ fast nichts erspart, selbst die ständigen Brechanfälle der jungen Patientin werden gezeigt, genau wie ihr Leiden unter den anderen schlimmen Folgen der eingesetzten Chemotherapie. Und natürlich wird auch ihre Angst vor dem stets drohenden Tod behandelt.

All das wird ungemein spannend, glaubhaft und anrührend erzählt, und wirkt zudem erstaunlich authentisch, ja fast dokumentarisch – wohl nicht zuletzt, weil der Film auf einer wahren Geschichte beruht: auf dem Roman „Am seidenen Faden“, in dem die Verfasserin Jutta Mehler die Leukämieerkrankung ihrer eigenen Tochter verarbeitet hat. Und der dann von ihrer Schwester Ruth Toma zu einem Drehbuch umgeschrieben worden ist. Aber auch das gute Schauspielerensemble macht den Film sehenswert, allen voran die erst 17-jährige Hauptdarstellerin Lilian Prent, die hier ihre erste große Rolle gespielt hat. Im kommenden Oktober ist die Gymnastin dann auch an der Seite von Jan-Josef Liefers, Christoph Maria Herbst und Esther Schweins auf der Kinoleinwand in dem Fantasy-Abenteuer „Mara und der Feuerbringer“ zu sehen.

Hier verkörpert Lilian Prent die 14-jährige Lili, die mit ihrer Mutter und deren zweiten Mann in einem kleinen Ort in Bayern lebt. Anfangs sieht man den Teenager, wie er mal wieder lustlos in seinem Essen herumstochert. Da Lili seit Wochen keinen Appetit mehr und sichtbar abgenommen hat, befürchtet ihre Mutter Emma (Katharina Böhm), dass ihre Tochter unter Magersucht leidet. Doch es kommt schlimmer: In einer Münchner Kinderklinik diagnostizieren die Ärzte bei ihr Leukämie. Überlebenschance: 40 Prozent. Eine erste Therapie schlägt bei Lili nicht an. Was bleibt, sind Chemo und Knochenmarktransplantation. Und der Ausgang ist ungewiss.

Da der Eingriff in München erfolgt, möchte Lili in den wenigen Behandlungspausen bei ihrem Vater Gerd (Bernhard Schir) wohnen. Er hat Emma kurz nach der Geburt ihrer Tochter verlassen wegen einer Frau (Bettina Mittendorfer), mit der er nun zusammen mit zwei Söhnen in München lebt. Widerwillig lässt sich Emma auf Lilis Wunsch ein, kann aber ihrer Apathie gegen Gerds Neue kaum verhehlen. Aber ihre durchaus verständlichen Animositäten sind nichts gegen das, was ihre Tochter nun durchmacht.

Doch trotz dieser enormen privaten Spannungen ist es erstaunlich, wie selbstverständlich und pragmatisch Lilis gesamte Patchwork-Familie letzten Endes mit der schweren und seelisch so belastenden Krankheit umgeht. Wie sie selbst dramatische Rückschläge wegsteckt. Bei alldem nie die Hoffnung auf Heilung verliert. Und wie sie schließlich gestärkt aus dieser existenziellen Krise hervorgeht. Auch Lili verändert die Krankheit nicht nur äußerlich. Durch ihr Ringen um Leben und Tod wirkt sie am Schluss tatsächlich erwachsener. Und hat dann sogar eine Ahnung, was der Sinn des Lebens sein könnte. Kurzum: ein informativer, emotionaler und gleichzeitig angenehm unpathetischer Film, den man sich trotz des schweren Themas nicht entgehen lassen sollte.

ZDF, 17.03.2014, 20:15 Uhr

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