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TV-Kritik: Die Fahnderin

Wer regelmäßig Fernsehen schaut, weiß, dass neben Polizei-Kommissaren auch Privatdetektive, Journalisten, Anwälte, Psychologen und sogar Pfarrer den Helden in TV-Krimis spielen können. Aber Finanzbeamte? Das ist zumindest im deutschen Fernsehen mal was Neues, passt aber gerade bestens in unsere Zeit. Schließlich hat sich dank öffentlich platt getretener Steuerskandale inzwischen herumgesprochen, dass es unter anderem diesen Männern und Frauen vom Amt zu verdanken ist, dass unser Staat genügend Mittel zusammenbekommt, um Dinge zu finanzieren, von denen wir alle letzten Endes profitieren. Dass dabei auch ziemlich viel Geld in planerisch verzockte Großprojekte wie dem Berliner Flughafen fließt: Schwamm drüber!

Mit dem ARD-Krimi „Die Fahnderin“ wird jedenfalls den wackeren Finanzbeamten, denen ja leider immer noch oft etwas Miefig-Penibles anhaftet, ein filmisches Denkmal gesetzt. Und was für eins! Im Mittelpunkt steht die Steuerfahnderin Karola Kahane, die im Finanzamt Neuss arbeitet. Gespielt wird sie von unserer ewigen Diva-Hoffnung Katja Riemann, die für ihre Rolle aber optisch durch Retro-Klamotten und dunkler Perücke so verfremdet wurde, dass sie ausschaut wie eine Psycho-Killerin in einem obercoolen Film aus den 80er Jahren. Dass man sie so ausstaffiert überhaupt ernst nimmt, liegt allein an der guten darstellerischen Leistung Riemanns.

Denn trotz dieser komischen Verkleidung ist Fahnderin Kahane eine ungemein taffe Frau. Oder, wie es im Film heißt: „kompromisslos, penibel, stur und ohne jedes diplomatische Gespür“. Vor allem kennt sie in ihrem Beruf keine Tabus oder heiligen Kühe, die von Amts wegen klammheimlich geschont werden sollen. Und sie ist gerade wegen ihrer konsequenten Haltung auch in ihrem Amt eine Außenseiterin, die dann tatsächlich erst auf den zweiten Blick sympathisch erscheint. Nun ist ihr gerade eine vom Land aufgekaufte Schweizer Steuer-CD zugespielt wurden, die die Namen von Hunderten von Steuer-Hinterziehern enthält. Da ihre Mittel nicht ausreichen, um alle Fälle zu bearbeiten, pickt sich Kahane den prominentesten Namen auf der Liste heraus. In der Absicht dadurch andere Steuersünder aufzuschrecken und sie so zu einer Selbstanzeigen zu bewegen.

Ihr „Opfer“ ist Benedikt Sämann (Alexander Held). Ein einflussreicher Neusser Unternehmer, der in seiner Heimat nicht ganz zu Unrecht einen sehr guten Ruf genießt, aber seit Jahren mehrere Millionen Euro Schwarzgeld in der Schweiz besitzt. Eine erste Hausdurchsuchung bei ihm sorgt zwar für entsprechende mediale Aufmerksamkeit, führt aber nicht zu dem erhofften Erfolg. Offenbar ist Sämann zuvor gewarnt wurden. Und der Industrielle weiß sich zu wehren – auch mit illegalen Mitteln. In der Folge entwickelt sich eine verbissene Auseinandersetzung zwischen ihm und Kahane, die dabei von drei aufrechten Mitarbeitern (Albrecht Abraham Schuch, Heiko Pinkowski, Maxim Mehmet) unterstützt wird. Ein Zweikampf zwischen Goliath und vier Davids, der es wirklich in sich hat und der zudem hoffentlich nachhaltig beweist, dass ein TV-Krimi auch ohne Mord und Totschlag spannend sein kann.

Was allerdings auch daran liegt, dass Regisseur Züli Aladag und sein Drehbuchautor Stefan Dähnert den geschilderten und wohl gar nicht so unüblichen Steuerfall geschickt mit kleinen Randepisoden verknüpft und dadurch aufgelockert haben. In ihnen erfährt der Zuschauer dann vor allem viel über die Fahnderin, über ihre Beziehung zu ihrer aufmüpfigen Tochter und über ihre schwierige heimliche Liebesaffäre mit einem verheirateten Oberstaatsanwalt (Götz Schubert). Und so gibt es in diesem sehenswerten Fernsehfilm tatsächlich noch etwas Neues zu bestaunen: eine Bettszene zwischen einer deutschen Finanzbeamtin und einem deutschen Staatsanwalt. Wenn das kein Grund zum Einschalten ist …

ARD, 26.03.2014, 20:15 Uhr
ARD, 27.03.2014, 01:05 Uhr / Eins Festival, 29.03.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 30.03.2014, 01:15 Uhr / Eins Festival, 30.03.2014, 12:30 Uhr

 

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , ,
  1. Jenny
    März 26, 2014 um 6:13 pm

    Da bin ich aber mal gespannt auf den Film, denn Ihr Kollege Jungen von der FAZ ist gänzlich anderer Meinung als Sie! http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/paedagogikfernsehen-die-fahnderin-im-ersten-12863585.html

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