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Archive for April 2014

Muppets Most Wanted

Die Puppen tanzen wieder. Dabei war ihre hohe Zeit bereits vor mehr als 30 Jahren, als die Muppets zu den Stars des ZDF-Nachmittagsprogramms gehörten. Doch so richtig verschwunden waren sie seitdem nie. Ihre witzigen Shows werden regelmäßig im Fernsehen wiederholt, laufen derzeit gerade im Disney Channel. Und auch im Kino geben sie international erfolgreich gern Gastspiele. Ihr neuster Streich ist „Muppets Most Wanted“, den James Bobin inszeniert hat, der bereits für den Vorgänger „Die Muppets“ (2011) als Regisseur verantwortlich war. Und gleich in der ersten Szene machen sich Kermit & Co. wunderbar selbstironisch lustig über den Fortsetzungsirrsinn Hollywoods.

Lustig geht’s trotz ein paar Längen gut 100 Minuten weiter. Und vor allem wirken die altbekannten Figuren so frisch und locker wie am ersten Tag. Natürlich wird auch eine Geschichte erzählt, die als Rahmenhandlung für diese ausgelassene Nummernrevue dient: Ihr neuer Manager heißt nicht nur Badguy (Ricky Gervais), sondern entpuppt sich auch schnell als schlimmer Finger. Er schickt die Muppets auf Europa-Tournee, um dann heimlich in den Museen der besuchten Metropolen einzubrechen. Ausgeheckt hat diesen Plan der gefürchtete und meist gesuchte Verbrecher der Welt: Constantine, der bis auf einen Leberfleck genauso ausschaut wie Kermit. Und mit einem perfiden Trick wird der gute grüne Frosch ausgeschaltet, festgesetzt und durch Constantine ersetzt.

Dann geht’s ab ins alte Europa. Und so alt sah unser Kontinent lange nicht in einem Kinofilm aus. Besonders Berlin, dem vermeintlichen Vorhof zum russischen Gulag, wo der arme Kermit landet, die tolle Tina Fey Lageraufseherin ist und Danny Trejo im Gefangenenchor singt. Eine richtig lustige Nummer! Aber auch weitere Stars treten in dem Film auf. So tanzt in dieser musikalischen Revue Christoph Waltz seinen Namen. Ein hübscher Kalauer, der allerdings ein wenig Englisch-Kenntnisse voraussetzt. Til Schweiger gibt einen tumben Berliner Polizisten. Ty Burrell einen Interpol-Agenten. Lady Gaga ist mit von der Partie. Und so weiter. Und so fort. Und natürlich sorgen auch die populären Muppet-Charaktere für herrlich nostalgische Kinounterhaltung.

 

Muppets Most Wanted, Regie: James Bobin, USA 2014, 108 Min., FSK: 0

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Ein Festmahl

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Nutella-Bombe

April 30, 2014 2 Kommentare
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Eifersuchtsdrama

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Mausefallenreaktion

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Möpse und Schnäpse

April 28, 2014 1 Kommentar

Dass Möpse Schnäpse trinken, ist natürlich Unfug. Dafür sind Möpse viel zu kluge, ja weise Tiere. Das zeigt schon ein kurzer Blick in den Alltag unseres Oskars, der inzwischen vier Jahre alt ist. Morgens steht er gemächlich auf, frühstückt dann ausführlich – allerdings plötzlich in einem rekordverdächtigen Tempo. Und anschließend geht er Gassi durch sein erstaunlich großes Revier. Dazu zählt nicht nur unsere Oststädter Wohnung, sondern auch das Viertel rund um die Friesenstraße und ein großer Teil der nahen Eilenriede.

Für einen recht kleinen Hund ist das schon ein ziemlich großes Gebiet, über das er als stolzer Rüde selbstverständlich bestens informiert sein muss. Zu diesem Zweck liest er ausführlich Zeitung. So nannte der nette Küster unserer Dreifaltigkeitskirche einmal Oskars ausgiebiges Herumschnüffeln an den Hinterlassenschaften anderer Hunde. Dabei erfährt er, wer sich gerade in seinem Revier herumgetrieben hat, ob eine Hündin womöglich läufig ist und andere für ihn wichtige Dinge. Und da unterscheidet er sich ja kaum von uns Menschen, die morgens auch gern zur Zeitung greifen, dabei beispielsweise in den Klatschspalten über das Paarungsverhalten prominenter Zeitgenossen unterrichtet werden und im Politikteil, ob eine fremde Macht den Frieden in unserem Land, unserem Revier, zu stören droht.

Nach seiner Rückkehr tritt schlagartig Ruhe ein. Während wir Menschen uns der Hektik des Alltags hingeben, ignoriert klugerweise unser Oskar dieses nervöse Treiben. Er begibt sich stattdessen gelassen aufs Sofa, in den Sessel oder in sein Körbchen, um die zuvor gesammelten Informationen bei einem ausgiebigen Schlaf zu verarbeiten. Bis es wieder Zeit ist, zu fressen. Anschließend folgt dann wie auch gegen Abend ein erneuter informativer Rundgang durch sein Revier mit jeweils folgendem ausführlichen Verarbeitungs-Schlaf, der schließlich abgelöst wird durch eine stundenlange Nachtruhe.

Dieser meditative Ablauf wiederholt sich täglich, und da bekanntlich in der Ruhe die Kraft liegt, genießt ihn unser Oskar sichtbar, was allein schon sein stets guter Appetit beweist. Kein Wunder, da ihm ein nervöser Magen samt Verdauungsschnaps natürlich fremd sind. Und dem bekannten Kinderbuchautor James Krüss („Timm Thaler“) kann man nur abschließend zustimmen, wenn er schreibt: „Wenn die Möpse Schnäpse trinken,
 wenn vorm Spiegel Igel stehn,
 wenn vor Föhren Bären winken, (…) dann entsteht zwar ein Gedicht,
 aber sinnvoll ist es nicht!“

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Süß

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Kino: The Invisible Woman

Auch 15 Jahre nach seinem Tod ist er für Nelly allgegenwärtig. Dabei führt die Lehrerin inzwischen ein scheinbar wohlgeordnetes Leben mit Mann und Kindern, und kaum einer weiß, dass sie 13 Jahre lang bis zu seinem Ableben 1870 die heimliche Geliebte des gefeierten englischen Dichters Charles Dickens gewesen ist. Als junge Frau hat sie den fast 20 Jahre älteren Schriftsteller kennen- und schnell liebengelernt, doch die Beziehung zwischen dem verheirateten Dickens und seiner Muse musste im damaligen prüden England geheim bleiben, und so wurde Nelly die unsichtbare Frau an seiner Seite.

Von dieser vermeintlich skandalösen Verbindung erzählt in Rückblenden Ralph Fiennes Liebesdrama „The Invisible Woman“, die zweite Regiearbeit des bekannten Schauspielers. Als Vorlage diente das gleichnamige Sachbuch der preisgekrönten Dickens-Biographin Claire Tomalin, das allerdings vorwiegend auf Vermutungen beruht, weil über die darin geschilderte Liebesaffäre kaum etwas bekannt geworden ist. Was ein wenig überrascht, da der Dichter wie ein heutiger Popstar ein öffentliches Leben führte und sogar die Trennung von seiner ungeliebten Frau (Joanna Scanlan) und Mutter seiner zehn Kinder über einen Zeitungsartikel bekannt machte. Aber seine Beziehung zu Nelly war und blieb für die Öffentlichkeit dennoch ein Tabu.

Dass beide darunter litten, zeigt eindrucksvoll der Film, der gleichzeitig ein lebendiges Bild einer in Konventionen erstarrten Gesellschaft zeichnet. Auch Dickens dunkle Seiten bleiben nicht ausgespart, beispielsweise seine kalte, fast schon frauenverachtende Beziehung zu seiner Ehefrau. Die größte Stärke dieses opulent inszenierten Dramas sind jedoch seine Hauptdarsteller: Fiennes, der überraschend zurückhaltend, gleichwohl emotional anrührend den Dickens spielt. Und die wunderbar ausdrucksstarke Felicity Jones als seine Nelly, deren Blicke mehr verraten als tausend Worte.

The Invisible Woman, Regie: Ralph Fiennes, Großbritannien 2013, 111 Min.

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Sascha Arango: „Die Wahrheit und andere Lügen“

Da sie in der Presse meist nur beiläufig erwähnt werden, sind sie die großen Unbekannten im Fernsehgeschäft. Dabei verdanken wir TV-Konsumenten ihnen, den Drehbuchautoren, oft interessante und spannende Abende. Zu ihnen zählt Sascha Arango, der seit zwei Jahrzehnten einer der renommiertesten Drehbuchautoren des Landes, unter anderem zweimal mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist und dessen Borowski-„Tatorte“ zu den besten dieser Reihe gehören. Nun im Alter von 54 Jahren hat er mit „Die Wahrheit und andere Lügen“ seinen ersten Roman veröffentlicht. Einen bis zur letzten Seite unterhaltsamen Krimi mit einem Helden, der ein wenig an Patricia Highsmith’ „talentierten Mr. Ripley“ erinnert.

Talent hat auch dieser Henry, der das Unmögliche versucht: den perfekten Mord. Dabei ist die Welt für ihn eigentlich in schönster Ordnung. Nach einer schweren Kindheit ist er inzwischen ein gemachter Mann, verheiratet mit einer Frau, für die er immer noch Zuneigung empfindet. Beide leben in einem schmucken Haus direkt an der Nordseeküste. Und die Romane, die er schreibt, sind internationale Bestseller – obwohl oder gerade weil Henry kein einziges Wort selbst verfasst hat. Autorin ist nämlich in Wirklichkeit seine Frau Martha, die unter einer fast schon pathologischen Schreibwut leidet, die Öffentlichkeit jedoch scheut und froh ist, dass ihre Werke unter den Namen ihres Mannes erscheinen. Der wiederum genießt im Stil eines klassischen Lebemannes den damit verdienten Ruhm und natürlich die lukrativen Tantiemen.

Doch plötzlich gerät Henrys sicher geglaubte Existenz in Gefahr: Die Lektorin seines Verlags, mit der er schon seit längerem eine Affäre hat, erwartet von ihm ein Kind. Doch nicht nur das. Sie möchte, dass er seine Frau verlässt und sich für sie entscheidet. Das jedoch würde nicht nur seine Beziehung zu Martha zerstören, auch seine Autorenkarriere und damit sein bequemes Leben wären auf einen Schlag vorbei. Henry muss also reagieren und entwickelt einen perfiden Plan mit mörderischen Konsequenzen. Obwohl er dann tatsächlich äußerst heimtückisch vorgeht, fiebert der Leser bis zum Schluss mit ihm mit. Und hofft sogar, dass ihm die schlimmen Dinge, zu denen er scheinbar gezwungen ist, gelingen. So interessant ist dieser Typ, der sein Tun zudem stets witzig reflektiert. Und da er dabei der gegen ihn alsbald ermittelnden Polizei immer einen Schritt voraus scheint, traut man ihm tatsächlich den perfektenMord zu.

Sascha Arango: „Die Wahrheit und andere Lügen“, C. Bertelsmann, 304 Seiten. 19,99 Euro.

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Tatort – Kaltstart

Raue Schale, weicher Kern – so gibt sich Wotan Wilke Möhring alias Thorsten Falke auch in seinem dritten „Tatort“-Fall, der zugleich eine Premiere ganz anderer Art ist. Zum ersten Mal steht in dieser Reihe die Bundespolizei im Mittelpunkt, über deren Arbeit man als Krimi-Zuschauer kaum etwas weiß. Und über die man übrigens auch in diesem Film nicht allzu viel erfährt, außer dass sie irgendwas mit illegalen Einwanderern zu tun hat. Zu dieser Truppe lässt sich der Hamburger Ermittler Falke mit seiner Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) versetzen, weil sie, wie er ironisch sagt, die schnelleren Autos und besseren Waffen habe. Ihren Dienst müssen die beiden überstürzt – mitten in der Nacht! – antreten, weil es bei einem Einsatz im Wilhelmshavener JadeWeserPort zu einem tödlichen Zwischenfall kommt.

Durch eine mittels Zeitzünder ausgelöste Gasexplosion werden zwei Polizeibeamte getötet und der Einsatzleiter schwer verletzt. Der Anschlag galt jedoch ganz offensichtlich einem korrupten Hafenmeister, der an der Einschleusung afrikanischer Flüchtlinge beteiligt war. Auch er ist tot. „Ein echter Scheiß-Kaltstart“, schimpft Falke, als er am Ort des Desasters eintrifft. Und er ist besonders von der Rolle, weil eines der Opfer seine Kollegin Rita ist, mit der er eine lockere Liebesbeziehung gehabt hat. Seinen Frust, sein Leid und vor allem seine Wut bestimmen von nun an sein Handeln. Und wie aggressiv er dabei auch mit seinen neuen Kollegen umspringt, ist alles andere als kollegial und grenzt schon fast an Mobbing. Dennoch kniet er sich voll in die Arbeit rein. Verdächtige gibt es genug. Deckt immer schlimmere Dinge auf. Und steht am Ende doch mit völlig leeren Händen da – ohnmächtig, ratlos und verzweifelt! Aber immerhin kann er sich damit trösten, dass er zumindest eine gute Tat vollbracht hat. Ein bisschen Pfadfindermoral steckt halt in jedem von uns. – Mehr wird an dieser Stelle allerdings nicht verraten. Dafür ist der Film viel zu spannend, obwohl man als Zuschauer am Ende Falkes Kollegin Katharina aufrichtig zustimmt, wenn sie resümiert: „Die Geschichte glaubt uns kein Mensch.“

Und tatsächlich, die Geschichte wird am Schluss immer unglaubwürdiger. Sie grenzt sogar an Science-Fiction. Berichtet von Dingen, die zwar theoretisch möglich, jedoch zum Glück nicht machbar sind. Entwickelt einen Verschwörungskomplott, der so wohl noch nie zuvor in einem „Tatort“ zu sehen gewesen ist. Und bisweilen hat man das Gefühl, dass den Drehbuchautoren Volker Krappen und Raimund Maessen beim Schreiben des Plots gewaltig die Gäule durchgegangen sind, und sie selbst dann irgendwann die Übersicht verloren haben.

Gleichwohl schaut man diesem von Marvin Kren temporeich inszenierten Film 90 Minuten lang gebannt zu. Was nicht zuletzt an dem sanften, hier jedoch erstaunlich raubeinigen Rebellen Falke liegt, der wunderbar ergänzt wird durch weitere interessante Figuren. Die Musik wird zudem perfekt eingesetzt, sorgt daher für zusätzliche Spannung. Und die Optik, der abgefilmte Schauplatz, ist einfach toll. Auch wenn es dem niedersächsischen Wirtschaftsminister wohl kaum gefallen wird, wie das einstige Vorzeigeprojekt des Landes hier gezeigt wird. Allein die Luftaufnahmen dieses wegen fehlender Auslastung tief in der Krise steckenden Containerhafens sind sehenswert. Und beweisen, dass es wohl kaum etwas Sinnloseres gibt als einen riesigen Hafen ohne Schiffe. Aber immerhin: Als attraktiver Drehort ist der JadeWeserPort ja bestens geeignet.

ARD, 27.04.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 27.04.2014, 21:45 Uhr / Eins Festival, 27.04.2014, 23:45 Uhr
ARD, 29.04.2014, 00:35 Uhr

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