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Sascha Arango: „Die Wahrheit und andere Lügen“

Da sie in der Presse meist nur beiläufig erwähnt werden, sind sie die großen Unbekannten im Fernsehgeschäft. Dabei verdanken wir TV-Konsumenten ihnen, den Drehbuchautoren, oft interessante und spannende Abende. Zu ihnen zählt Sascha Arango, der seit zwei Jahrzehnten einer der renommiertesten Drehbuchautoren des Landes, unter anderem zweimal mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist und dessen Borowski-„Tatorte“ zu den besten dieser Reihe gehören. Nun im Alter von 54 Jahren hat er mit „Die Wahrheit und andere Lügen“ seinen ersten Roman veröffentlicht. Einen bis zur letzten Seite unterhaltsamen Krimi mit einem Helden, der ein wenig an Patricia Highsmith’ „talentierten Mr. Ripley“ erinnert.

Talent hat auch dieser Henry, der das Unmögliche versucht: den perfekten Mord. Dabei ist die Welt für ihn eigentlich in schönster Ordnung. Nach einer schweren Kindheit ist er inzwischen ein gemachter Mann, verheiratet mit einer Frau, für die er immer noch Zuneigung empfindet. Beide leben in einem schmucken Haus direkt an der Nordseeküste. Und die Romane, die er schreibt, sind internationale Bestseller – obwohl oder gerade weil Henry kein einziges Wort selbst verfasst hat. Autorin ist nämlich in Wirklichkeit seine Frau Martha, die unter einer fast schon pathologischen Schreibwut leidet, die Öffentlichkeit jedoch scheut und froh ist, dass ihre Werke unter den Namen ihres Mannes erscheinen. Der wiederum genießt im Stil eines klassischen Lebemannes den damit verdienten Ruhm und natürlich die lukrativen Tantiemen.

Doch plötzlich gerät Henrys sicher geglaubte Existenz in Gefahr: Die Lektorin seines Verlags, mit der er schon seit längerem eine Affäre hat, erwartet von ihm ein Kind. Doch nicht nur das. Sie möchte, dass er seine Frau verlässt und sich für sie entscheidet. Das jedoch würde nicht nur seine Beziehung zu Martha zerstören, auch seine Autorenkarriere und damit sein bequemes Leben wären auf einen Schlag vorbei. Henry muss also reagieren und entwickelt einen perfiden Plan mit mörderischen Konsequenzen. Obwohl er dann tatsächlich äußerst heimtückisch vorgeht, fiebert der Leser bis zum Schluss mit ihm mit. Und hofft sogar, dass ihm die schlimmen Dinge, zu denen er scheinbar gezwungen ist, gelingen. So interessant ist dieser Typ, der sein Tun zudem stets witzig reflektiert. Und da er dabei der gegen ihn alsbald ermittelnden Polizei immer einen Schritt voraus scheint, traut man ihm tatsächlich den perfektenMord zu.

Sascha Arango: „Die Wahrheit und andere Lügen“, C. Bertelsmann, 304 Seiten. 19,99 Euro.

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