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Tatort – Kaltstart

Raue Schale, weicher Kern – so gibt sich Wotan Wilke Möhring alias Thorsten Falke auch in seinem dritten „Tatort“-Fall, der zugleich eine Premiere ganz anderer Art ist. Zum ersten Mal steht in dieser Reihe die Bundespolizei im Mittelpunkt, über deren Arbeit man als Krimi-Zuschauer kaum etwas weiß. Und über die man übrigens auch in diesem Film nicht allzu viel erfährt, außer dass sie irgendwas mit illegalen Einwanderern zu tun hat. Zu dieser Truppe lässt sich der Hamburger Ermittler Falke mit seiner Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) versetzen, weil sie, wie er ironisch sagt, die schnelleren Autos und besseren Waffen habe. Ihren Dienst müssen die beiden überstürzt – mitten in der Nacht! – antreten, weil es bei einem Einsatz im Wilhelmshavener JadeWeserPort zu einem tödlichen Zwischenfall kommt.

Durch eine mittels Zeitzünder ausgelöste Gasexplosion werden zwei Polizeibeamte getötet und der Einsatzleiter schwer verletzt. Der Anschlag galt jedoch ganz offensichtlich einem korrupten Hafenmeister, der an der Einschleusung afrikanischer Flüchtlinge beteiligt war. Auch er ist tot. „Ein echter Scheiß-Kaltstart“, schimpft Falke, als er am Ort des Desasters eintrifft. Und er ist besonders von der Rolle, weil eines der Opfer seine Kollegin Rita ist, mit der er eine lockere Liebesbeziehung gehabt hat. Seinen Frust, sein Leid und vor allem seine Wut bestimmen von nun an sein Handeln. Und wie aggressiv er dabei auch mit seinen neuen Kollegen umspringt, ist alles andere als kollegial und grenzt schon fast an Mobbing. Dennoch kniet er sich voll in die Arbeit rein. Verdächtige gibt es genug. Deckt immer schlimmere Dinge auf. Und steht am Ende doch mit völlig leeren Händen da – ohnmächtig, ratlos und verzweifelt! Aber immerhin kann er sich damit trösten, dass er zumindest eine gute Tat vollbracht hat. Ein bisschen Pfadfindermoral steckt halt in jedem von uns. – Mehr wird an dieser Stelle allerdings nicht verraten. Dafür ist der Film viel zu spannend, obwohl man als Zuschauer am Ende Falkes Kollegin Katharina aufrichtig zustimmt, wenn sie resümiert: „Die Geschichte glaubt uns kein Mensch.“

Und tatsächlich, die Geschichte wird am Schluss immer unglaubwürdiger. Sie grenzt sogar an Science-Fiction. Berichtet von Dingen, die zwar theoretisch möglich, jedoch zum Glück nicht machbar sind. Entwickelt einen Verschwörungskomplott, der so wohl noch nie zuvor in einem „Tatort“ zu sehen gewesen ist. Und bisweilen hat man das Gefühl, dass den Drehbuchautoren Volker Krappen und Raimund Maessen beim Schreiben des Plots gewaltig die Gäule durchgegangen sind, und sie selbst dann irgendwann die Übersicht verloren haben.

Gleichwohl schaut man diesem von Marvin Kren temporeich inszenierten Film 90 Minuten lang gebannt zu. Was nicht zuletzt an dem sanften, hier jedoch erstaunlich raubeinigen Rebellen Falke liegt, der wunderbar ergänzt wird durch weitere interessante Figuren. Die Musik wird zudem perfekt eingesetzt, sorgt daher für zusätzliche Spannung. Und die Optik, der abgefilmte Schauplatz, ist einfach toll. Auch wenn es dem niedersächsischen Wirtschaftsminister wohl kaum gefallen wird, wie das einstige Vorzeigeprojekt des Landes hier gezeigt wird. Allein die Luftaufnahmen dieses wegen fehlender Auslastung tief in der Krise steckenden Containerhafens sind sehenswert. Und beweisen, dass es wohl kaum etwas Sinnloseres gibt als einen riesigen Hafen ohne Schiffe. Aber immerhin: Als attraktiver Drehort ist der JadeWeserPort ja bestens geeignet.

ARD, 27.04.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 27.04.2014, 21:45 Uhr / Eins Festival, 27.04.2014, 23:45 Uhr
ARD, 29.04.2014, 00:35 Uhr

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