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Archive for Mai 2014

TV-Kritik: Göttliche Funken

Es gibt Dinge, die sind so sicher, wie das Amen in der Kirche. Und dazu gehört das Freitagabend-Fernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. So wird an diesem Tag seit Menschengedenken im ZDF in Krimis gemordet und gemeuchelt, in den Dritten Programmen getalked und in der ARD lässt man sich ganz viel Zeit für große Gefühle. Neustes Beispiel für diesen emotionalen Feierabendrausch ist der Liebesfilm „Göttliche Funken“, den Maria von Heland inszeniert hat, die zusammen mit Sathyan Ramesh auch das Drehbuch schrieb. Entstanden ist eine richtig gefühlsechte Romanze, die vor allem schön anzuschauen ist – dank ihrer gut durchkomponierten Bilder und Einstellungen. Und besonders dank Jeanette Hain und Devid Striesow, die mit kleinen zärtlichen Blicken und Gesten ungewöhnlich glaubhaft und äußerst anrührend ein Liebespaar verkörpern.

Bis die zwei zueinanderfinden, dauert es allerdings fast eine Stunde. Zuvor wird erst einmal geheiratet in einer natürlich schönen Kirche im beschaulich hübschen Regensburg. Und diese Trauung hat Folgen, die sich wohl keiner der Beteiligten hat vorstellen können: Sie beginnt mit Verspätung, da der Pfarrer auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz verunglückt ist. Als Ersatz springt kurzerhand die Pastorin Lily ein, und bei ihrer notgedrungen kurzen Vorbereitung kommt ihr der Name des Bräutigams irgendwie bekannt vor. Und tatsächlich: In der Kirche vor dem Altar hat sie schnell Gewissheit. Matthias, den sie mit Diana trauen soll, ist einst ihre große Jugendliebe gewesen. Mit ihm zusammen hat sie vor 25 Jahren die Schulbank gedrückt, dann sind sie ein Paar geworden, bis sie sich wegen eines Umzugs in eine andere Stadt haben trennen müssen.

Auch Matthias scheint wie vom Blitz getroffen zu sein, als er in der Pastorin seine geliebte Lily von früher erkennt. Dennoch lassen die beiden sich äußerlich kaum etwas anmerken. Doch bei der anschließenden Hochzeitsfeier verabreden sie sich zusammen mit ihren jeweiligen Partnern (Anna Maria Mühe, Barry Atsma) zu einem gemeinsamen Essen. Und diesem ersten Treffen folgen weitere, schließlich eine Fahrt der beiden Paare zu einer Abitursfeier, die endgültig bei Matthias und Lily wehmütige Erinnerungen an ihre verflossen geglaubte große Liebe weckt. Und dann geschieht das, was in einer solchen Romanze einfach geschehen muss: Als Diana für ein paar Tage dienstlich unterwegs ist, kommen die zwei sich auch körperlich näher.

Mehr wird an dieser Stelle allerdings nicht verraten, da der Film seine Zuschauer gegen Ende mit noch ein paar richtig netten und durchaus ungewöhnlichen Wendungen überrascht. Und – was noch erstaunlicher ist – sogar einen durchaus unkonventionellen harmonischen Ausweg für beide Paare aus dieser verflixten Situation andeutet. Aber nicht durch das unterscheidet diesen Film von den sonst üblichen Liebesromanzen von der Stange. Sondern es ist beachtlich, wie es der Regisseurin gelingt, die bei diesem hochemotionalen Genre stets drohende Kitschgefahr weitgehend zu vermeiden. Das liegt neben den guten Darstellern vor allem an den oft recht originellen Dialogen. Und an der Tatsache, dass die Geschichte bei allem beschworenen Herz und Schmerz nie übertrieben gefühlsduselig wirkt.

Kurzum: „Göttliche Funken“ ist ein sorgfältig inszenierter, bisweilen leicht artifizieller Liebesreigen. Und ein glaubhaft daherkommendes menschliches Drama, das Plattitüden und Groschenroman-Romantik vermeidet, das stattdessen sogar religiöse Fragen mit einbezieht und zeigt, dass nicht nur Glaube, sondern auch Toleranz Berge versetzen kann. Und ganz nebenbei erfährt dabei der Zuschauer, dass Pastorinnen (und vielleicht sogar Pastoren) auch nur Menschen sind. Wer hätte das gedacht?

ARD, 30.05.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 03.06.2014, 18:30 Uhr / Eins Festival, 04.06.2014, 07:00 Uhr
Eins Festival, 04.06.2014, 12:30 Uhr

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Genau so isses!

Mai 29, 2014 1 Kommentar
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Da läuft was schief

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Schnell weg

Mai 28, 2014 1 Kommentar
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Igel!

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TV-Kritik: Clara Immerwahr

Sie hat fast ihr ganzes Leben lang gekämpft: als frühe Feministin für die Rechte der Frau, als begabte Chemikerin in einem Männer dominierten Wissenschaftsbetrieb und als glühende Pazifistin gegen die damals herrschende Kriegsbegeisterung. Und trotz ihres großen Engagements ist ihr Name heute so gut wie vergessen. Die Rede ist von Clara Immerwahr, die sich im Alter von 44 Jahren am 2. Mai 1915 vor der Berliner Villa ihrer Familie erschossen hat. Und an die nun im Rahmen ihres Themenschwerpunkts „Erster Weltkrieg“ die ARD dankenswerter Weise mit einem sehenswerten Film erinnert, den Harald Sicheritz nach einem Drehbuch von Susanne Freund und Burt Weinshanker inszeniert hat.

Die filmische Biographie „Clara Immerwahr“ beginnt 1887 in Breslau. Dort wuchs die Titelheldin als Tochter einer wohlhabenden liberalen jüdischen Familie auf. Sie träumte schon als Mädchen davon, ihr Abitur zu machen, um später dann Chemie zu studieren. Ein damals fast schon exotischer Wunsch für eine Frau, den die junge Clara trotz des Widerstands der von Männern beherrschten Institutionen schließlich realisierte. Und sie war dann sogar an der Universität Breslau die erste Frau, die ein Doktorexamen ablegte. Kurz danach heiratete sie den Chemiker Fritz Haber, den späteren Nobelpreisträger für Chemie (1918), ging mit ihm unter anderem nach Karlsruhe und Berlin, wo er an Forschungseinrichtungen arbeitete. Zuletzt als Gründungsdirektor des Berliner Kaiser-Wilhelm-Instituts, das heute seinen Namen trägt.

Trotz Ehe und eines bald geborenen Sohnes wollte Clara weiterhin als Chemikerin arbeiten am besten zusammen mit ihrem Mann. Ihr Vorbild war das Ehepaar Marie und Pierre Curie, die 1903 gemeinsam mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurden. Doch an diesem Vorhaben scheiterte Clara. Und der Film zeigt recht anschaulich, mit welcher Ignoranz, mit welchen Ressentiments und sogar Schikanen Frauen und Wissenschaftlerinnen wie Clara im wilhelminischen Deutschland zu kämpfen hatten. Und auch ihrem Mann, der sie anfangs noch unterstützte, war ihr für damalige Verhältnisse ungewöhnliches Engagement zunehmend unangenehm, weil er dadurch seine Karriere gefährdet sah.

Anfangs, folgt man dieser filmischen Biographie, wehrt sich Clara noch gegen ihr drohendes Scheitern, doch langsam verwandelt sich die früher so willensstarke und lebensfrohe Rebellin in eine zunehmend resignierte Mutter und Hausfrau. Und nur ab und an spürt man noch ihren einstigen Widerstandsgeist, der sich dann in kleinen „unweiblichen“ Provokationen Luft macht. Doch gegen Ende des Films überschlagen sich plötzlich die Ereignisse, als Clara schmerzhaft erkennen muss, dass ihr Mann nach Ausbruch des Krieges für das Militär an der Entwicklung von chemischen Waffen arbeitet. Und er gilt heute noch als „Vater des Gaskriegs“, der sogar die ersten Anwendungen dieser grausamen Waffen an der Front selbst überwacht hat. Für Clara bricht daraufhin die Welt zusammen. Eine Welt, die allerdings vorher schon für sie sehr brüchig geworden ist.

Weiter lässt sich die packende Geschichte an dieser Stelle allein aus Platzgründen nicht vertiefen. Und das ist auch das Problem, mit dem der Film zu kämpfen hat. Notgedrungen fällt angesichts der Themenvielfalt vieles unter den Tisch oder wird nur kurz angesprochen. Auch die zwiespältige Rolle, die Claras Ehemann bei diesem menschlichen Drama gespielt hat. Dennoch wird ein vielschichtiges Bild einer interessanten, ja großen Frau geliefert. Was nicht zuletzt auch an der exzellenten Leistung der Hauptdarstellerin Katharina Schüttler liegt, die gut ergänzt wird durch ihren Film-Ehemann Maximilian Brückner. Und nicht unerwähnt bleiben darf die vorzügliche Ausstattung dieser ARD-Produktion.

ARD, 28.05.2014, 20:15 Uhr
ARD, 29.05.2014, 01:05 Uhr / Eins Festival, 31.05.2014, 20:15 Uhr
3sat, 04.06.2014, 21:45 Uhr

Ein ganz großer Auftritt

Mai 22, 2014 1 Kommentar
Kategorien:Uncategorized
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