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TV-Kritik: Göttliche Funken

Es gibt Dinge, die sind so sicher, wie das Amen in der Kirche. Und dazu gehört das Freitagabend-Fernsehprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender. So wird an diesem Tag seit Menschengedenken im ZDF in Krimis gemordet und gemeuchelt, in den Dritten Programmen getalked und in der ARD lässt man sich ganz viel Zeit für große Gefühle. Neustes Beispiel für diesen emotionalen Feierabendrausch ist der Liebesfilm „Göttliche Funken“, den Maria von Heland inszeniert hat, die zusammen mit Sathyan Ramesh auch das Drehbuch schrieb. Entstanden ist eine richtig gefühlsechte Romanze, die vor allem schön anzuschauen ist – dank ihrer gut durchkomponierten Bilder und Einstellungen. Und besonders dank Jeanette Hain und Devid Striesow, die mit kleinen zärtlichen Blicken und Gesten ungewöhnlich glaubhaft und äußerst anrührend ein Liebespaar verkörpern.

Bis die zwei zueinanderfinden, dauert es allerdings fast eine Stunde. Zuvor wird erst einmal geheiratet in einer natürlich schönen Kirche im beschaulich hübschen Regensburg. Und diese Trauung hat Folgen, die sich wohl keiner der Beteiligten hat vorstellen können: Sie beginnt mit Verspätung, da der Pfarrer auf den Weg zu seinem Arbeitsplatz verunglückt ist. Als Ersatz springt kurzerhand die Pastorin Lily ein, und bei ihrer notgedrungen kurzen Vorbereitung kommt ihr der Name des Bräutigams irgendwie bekannt vor. Und tatsächlich: In der Kirche vor dem Altar hat sie schnell Gewissheit. Matthias, den sie mit Diana trauen soll, ist einst ihre große Jugendliebe gewesen. Mit ihm zusammen hat sie vor 25 Jahren die Schulbank gedrückt, dann sind sie ein Paar geworden, bis sie sich wegen eines Umzugs in eine andere Stadt haben trennen müssen.

Auch Matthias scheint wie vom Blitz getroffen zu sein, als er in der Pastorin seine geliebte Lily von früher erkennt. Dennoch lassen die beiden sich äußerlich kaum etwas anmerken. Doch bei der anschließenden Hochzeitsfeier verabreden sie sich zusammen mit ihren jeweiligen Partnern (Anna Maria Mühe, Barry Atsma) zu einem gemeinsamen Essen. Und diesem ersten Treffen folgen weitere, schließlich eine Fahrt der beiden Paare zu einer Abitursfeier, die endgültig bei Matthias und Lily wehmütige Erinnerungen an ihre verflossen geglaubte große Liebe weckt. Und dann geschieht das, was in einer solchen Romanze einfach geschehen muss: Als Diana für ein paar Tage dienstlich unterwegs ist, kommen die zwei sich auch körperlich näher.

Mehr wird an dieser Stelle allerdings nicht verraten, da der Film seine Zuschauer gegen Ende mit noch ein paar richtig netten und durchaus ungewöhnlichen Wendungen überrascht. Und – was noch erstaunlicher ist – sogar einen durchaus unkonventionellen harmonischen Ausweg für beide Paare aus dieser verflixten Situation andeutet. Aber nicht durch das unterscheidet diesen Film von den sonst üblichen Liebesromanzen von der Stange. Sondern es ist beachtlich, wie es der Regisseurin gelingt, die bei diesem hochemotionalen Genre stets drohende Kitschgefahr weitgehend zu vermeiden. Das liegt neben den guten Darstellern vor allem an den oft recht originellen Dialogen. Und an der Tatsache, dass die Geschichte bei allem beschworenen Herz und Schmerz nie übertrieben gefühlsduselig wirkt.

Kurzum: „Göttliche Funken“ ist ein sorgfältig inszenierter, bisweilen leicht artifizieller Liebesreigen. Und ein glaubhaft daherkommendes menschliches Drama, das Plattitüden und Groschenroman-Romantik vermeidet, das stattdessen sogar religiöse Fragen mit einbezieht und zeigt, dass nicht nur Glaube, sondern auch Toleranz Berge versetzen kann. Und ganz nebenbei erfährt dabei der Zuschauer, dass Pastorinnen (und vielleicht sogar Pastoren) auch nur Menschen sind. Wer hätte das gedacht?

ARD, 30.05.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 03.06.2014, 18:30 Uhr / Eins Festival, 04.06.2014, 07:00 Uhr
Eins Festival, 04.06.2014, 12:30 Uhr

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