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TV-Kritik: Du hast es versprochen

Wer schon einmal auf Hiddensee war, wird die beliebte Ostseeinsel kaum wiedererkennen. In „Du hast es versprochen“ sieht sie aus wie ein verwunschenes Eiland, in deren finsteren Wäldern man sich nachts wahrlich nicht verirren möchte und das zudem von nur wenigen kauzigen Menschen bewohnt wird. Touristisch gesehen, ist Axel Schmidts Film jedenfalls keine Werbung für Hiddensee. Was man allerdings auch nicht erwarten darf, schließlich ist dieser Ort hier Schauplatz für eine gespenstische Geschichte, wie sie selten in deutschen Produktionen erzählt wird.
Vor ziemlich genau 25 Jahren haben dort zuletzt die damals besten Freundinnen Hanna (Mina Tander, „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“) und Clarissa (Laura de Boer) ihre Ferien verbracht. Danach haben die zwei Mädchen sich aus dem Auge verloren. Inzwischen arbeitet Hanna als Ärztin in einem Krankenhaus, in das eines Tages nach einem Selbstmord Clarissa eingeliefert wird. Trotz der unglücklichen Umstände ist die Wiedersehensfreude der beiden groß. Und sie beschließen noch einmal gemeinsam auf ihrer alten Insel Urlaub zu machen. Mit dabei ist auch Hannas siebenjährige Tochter Lea. Und alle drei mieten sich in dem Ferienhaus ein, in dem sie vor langer Zeit vermeintlich unbeschwerte Tage verbracht haben.
Doch schon kurz nach ihrer Ankunft geschehen mysteriöse Dinge: Hanna wird plötzlich von anfangs kaum erklärbaren Ängsten gequält. Der Mann, der sich schon früher um das Ferienhaus gekümmert hat, fordert sie sogar auf, sofort zu verschwinden. Auch die örtliche Fischhändlerin (unheimlich: Katharina Thalbach) scheint irgendetwas zu verbergen zu haben. Vor allem taucht immer wieder ein kleines Mädchen auf, das sie zu verfolgen scheint. Und es bleibt sehr lange im Dunkeln, ob dieses seltsame Wesen Wirklichkeit oder nur eine Wahnvorstellung Hannas ist. Zudem gelingt es der Regisseurin gekonnt, eine zu alldem passende gruselige Atmosphäre aufzubauen, die dann fast den ganzen Film und das Handeln der Figuren bestimmt. Dass sie dabei oft mit bekannten Versatzstücken aus amerikanischen Mystery-Horror-Filmen arbeitet, stört beim Zuschauen kaum.
Und noch ein Kunststück gelingt Axel Schmidt, die zusammen mit Valentin Mereutza auch das Drehbuch schrieb, bei ihrem Langfilmdebüt: Nach etwa 45 Minuten scheint die Geschichte auserzählt, das finstere Geheimnis also gelüftet, doch dann geht es erst richtig zur Sache, auch blutig mit der Axt, und vor allem gibt es eine wundersame, tatsächlich überraschende Wendung samt bitterbösen Happy End. Für Freunde des gepflegten Horrors ist der Film ein richtig netter Spaß, der durchweg ordentlich inszeniert ist.
Mit „Du hast es versprochen“ eröffnet das ZDF die Reihe „Shooting Stars – Junges Kino im Zweiten“, die der Sender jetzt zum dritten Mal präsentiert. Im Mittelpunkt stehen erste lange Filme junger Regisseure, die durchweg fürs Kino produziert sind und die dort aber nur für kurze Zeit in wenigen Lichtspielhäusern zu sehen gewesen sind. Leider verhindert jetzt auch der späte Sendetermin, jeweils montags kurz nach Mitternacht, dass ein breiteres TV-Publikum diese kleine Talentshow des deutschen Kinos betrachten wird. Angekündigt sind für die kommenden Wochen Kirsi Liimatainens Familiendrama „Festung“, Felix Stienz’ Roadmovie „Puppe, Icke und der Dicke“, Stanislav Günters Krimidrama „Nemez“, Christian Klandts Coming of Age-Film „Little Thirteen“ und Fabian Möhrkes Tragikomödie „Millionen“.
ZDF, 29.07.2014, 23:00 Uhr
ZDF-Kultur, 01.08.2014, 22:00 Uhr / ZDF-Kultur, 02.08.2014, 01:10 Uhr

Kategorien:Uncategorized
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