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TV-Kritik: Masters of Sex

Wenn es der Wissenschaft dient, versteckte er sich sogar im Schrank einer Prostituierten. Von dort aus und mit dem Wissen der Sexarbeiterin Betty beobachtete er dann genauestens den exakten zeitlichen Ablauf eines Sexualaktes, die Länge der Erregungs- und Entspannungsphasen. – Diese ziemlich kuriose Szene steht am Anfang der zwölfteiligen Serie „Masters of Sex“, die in den kommenden Wochen (ab 5.7.) ZDFneo jeweils dienstags, leider erst spätabends, in Doppelfolgen zeigt. Und der Mann im Schrank ist der renommierte Gynäkologe William Masters, der an der Washingtoner Universität lehrt, am dortigen Uni-Krankenhaus als Arzt und Geburtshelfer arbeitet und im Jahre 1956 gegen den anfänglichen Widerstand seines Arbeitgebers eine Studie über die menschliche Sexualität begonnen hat. Sie wird die spätere sexuelle Revolution mitprägen und Masters auch medial berühmt machen. Den von ihm angestrebten Nobelpreis erhält er jedoch nie.
Gespielt wird dieser schillernde Wissenschaftler mit entwaffnender Naivität vom Engländer Michael Sheen („Frost/Nixon“), der durch seine lakonischen Kommentare auch für den nötigen Witz sorgt. Zudem spürt man stets die große Neugierde und vor allem die Leidenschaft, die diese Person umtreiben. Eine Leidenschaft, die sich allerdings fast ausschließlich auf seine Forschung beschränkt. Sein Verhältnis zu seiner Ehefrau Libby (Caitlin Fitzgerald), die ausgerechnet unter Unfruchtbarkeit litt, war dagegen eher kühl.
Doch was die Sexualität von Frauen anging, war Masters zumindest anfangs ein genauso großer Laie wie fast alle seine Geschlechtsgenossen. Das Thema war selbst an Hochschulen absolutes Tabu und daher kaum wissenschaftlich untersucht. Man wusste eben, heißt es im Film, wie Babys auf die Welt kommen, aber kaum etwas darüber, wie sie gemacht werden. Und so holte er sich auf Anraten der schon erwähnten Betty Hilfe bei einer Frau, bei Virginia Johnson, die als ehemalige Nachtklubsängerin und alleinerziehende Mutter zweier Kinder für die damalige Zeit einen ungewöhnlich freizügigen Umgang mit ihrer Sexualität pflegte und die sich in Folge als Masters Forschungsassistentin zur wissenschaftlichen Pionierin entwickeln sollte. Dargestellt wird diese wunderbar nassforsche Person von Lizzy Caplan, die vielleicht mancher aus dem Riesenmonster-Katastrophenfilm „Cloverfield“ (2008) kennt, die aber bisher meist für das US-Fernsehen gearbeitet hat.
Natürlich geht’s dann vor allem um die komplizierte Beziehung dieser beiden Sex-Pioniere, aber zum Glück nicht ausschließlich. Als Zuschauer bekommt man nämlich einen erstaunlich freizügigen, oft amüsanten, aber nie voyeuristischen Einblick in die von ihnen geleistete oft aberwitzige Forschungsarbeit. Verwendet werden beispielsweise selbst konstruierte Dildos mit eingebauter Kamera, die die körperliche Reaktion der Probandinnen aufzeichnet. Und auch der Einsatz von freiwilligen Paaren, die im Dienst der Wissenschaft dann kopulieren, trägt bisweilen absurde Züge. Vor allem wenn Masters und Johnson später gleichsam selbst Hand anlegen.
Zudem beschreibt der Mehrteiler anschaulich den muffig verklemmten Zeitgeist der 50er Jahre und dokumentiert die ersten Ansätze einer aufkommenden Rebellion. Ja, auch Elvis‘ frivoler Hüftschwung darf da nicht fehlen. Das alles ist äußerst sehenswert, interessant, lustig, bisweilen ein wenig tragisch. Und vor allem stets gut inszeniert. Auch durch bekannte Regisseure wie dem Engländer Michael Apted, der sechs Folgen in Szene gesetzt hat und der bekannt geworden ist unter anderem durch seine Kinoarbeiten „Gorky Park“ (1983), „James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug“ (1999) und zuletzt „Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte (2010).
Bei den Kritikern und beim US-Publikum kam „Masters of Sex“ jedenfalls gut an. Und so läuft inzwischen im amerikanischen Fernsehen bereits die zweite Staffel, die bei uns in Kürze im Pay-TV bei Sky zur besten Sendezeit zu sehen sein wird. Sex ist eben ein dankbares Thema. Nur nicht beim ZDF, wo man die Serie jetzt im Nachtprogramm lustlos versendet.

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