Startseite > Uncategorized > TV-Kritik: Goodbye G.I.

TV-Kritik: Goodbye G.I.

Eigentlich sind Aufnahmen von leeren Kasernen ja gute Bilder. Vor allem wenn die Einrichtungen überflüssig geworden sind, weil eine äußere militärische Bedrohung nicht mehr besteht. Dennoch dominieren in Uli Gaulkes und Agnes Lisa Wegners Film „Goodbye G.I.“, der den Abzug der US-Army aus Heidelberg und seine Folgen dokumentiert, eher melancholische Töne. Nicht nur, weil er triste Geisterstädte mitten in Deutschland zeigt – mit verlassenen Wohnhäusern und Schulen, mit menschenleeren Straßen und verwaisten Supermärkten. Sondern weil dieser Weggang für viele auch ein Abschied von Zuhause bedeutet.
So betätigt sich der letzte Heidelberger Garnisonschef Colonel Bryan D. DeCoster mit sichtbar mulmigen Gefühl in den letzten Wochen vor dem Abzug als Abwickler: Fahnen einrollen, Reden halten und Hände schütteln. Und natürlich darf auch ein Kinderchor nicht fehlen, der „Memories of Heidelberg“ schmettert. Rex und Rachel Gribble, stolze 92 und 83 Jahre alt, planen derweil ihren Umzug in eine Seniorenresidenz in Kalifornien. Beide sind bereits in den Fünfziger Jahren nach Deutschland gekommen, haben all die Jahre bei der US-Army gearbeitet und in deren eigens errichten Wohnsiedlung, dem Patrick-Henry-Village, gelebt. Dieses am Rande von Heidelberg gelegene „Little America“ war bis zu den Anschlägen vom 11. September frei für jeden zugänglich und wurde erst danach mit Zäunen und Einlasskontrollen abgesichert. Für die Gribbles jedenfalls ist dieses Village Heimat geworden, hier lebten ihre Freunde und Bekannte. Und beim Abschied in einer Gaststätte kullern zu deutschen Trinkliedern und Prosit-Rufen nun wehmütig Tränen.
Auch der 41-jährige Unteroffizier Khris Pelley muss gehen. Als junger Mann kam er nach Deutschland, heiratete eine deutsche Frau und wurde Vater einer Tochter, die gerade ihren Highschool-Abschluss gemacht hat. Nun folgen sie der Army nach Texas in eine noch recht ungewisse Zukunft. Ein Neubeginn, der sich für Khris wie „eine zweite Kindheit“ anfühlt. Zudem verliert durch ihren Weggang seine Frau einen sicheren Job in ihrer Heimat, und die Arbeitslosigkeit in den USA ist wesentlich höher als bei uns. In Deutschland bleiben werden dagegen das alte deutsch-amerikanische Liebespaar Jeffrey Ganoe und Wilfried Knörzer, die sich vor 25 Jahren in einer Dorfdisko kennen gelernt haben und nun hier in ihrem Häuschen und dem gepflegten Garten alt werden wollen. Auch der erfolgreiche Automechaniker Michael Anderson, der auf amerikanische Wagen spezialisiert ist, wird nicht gehen und kümmert sich nun verstärkt um deutsche Kunden. Genau wie der gewitzte afghanische Imbiss-Wirt Hakim, der ja immerhin die „weltbesten“ Spareribs anzubieten hat. Und ganz nebenbei anschaulich erzählt, welche schlimmen Folgen Kriegseinsätze auf heimkehrende Soldaten haben können.
Das Schicksal dieser Menschen und ihre Erinnerungen werden im 80minütigen Film geschickt verknüpft mit der Geschichte der Heidelberger Garnison, mit deren Schließung auch eine Ära deutsch-amerikanischer Beziehung endet. Dass diese auch ihre dunklen Seiten hatte, macht unter anderem das gezeigte Gespräch mit den Vietnam-Veteranen und späteren Friedensaktivisten Darnell Stephen Summers und Dave Blalock deutlich. Für diese beiden Bilderbuch-Althippies war Deutschland in den Sechziger und Siebziger Jahren gleichsam ein Flugzeugträger, von denen aus die USA – dieses „kranke sterbende Imperium“ – ihre Kriege führte. Und, fügen die zwei hinzu, erst wenn es in ihrer Heimat „eine Generation gibt, die sagt, wir haben nie einen Krieg erlebt, haben wir was erreicht.“ Das jedoch wird wohl noch dauern, wie die aktuellen Ereignisse nicht nur im Irak leider mal wieder zeigen.

ARD, 12.08.14, 23 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter:
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: