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TV-Kritik: Little Thirteen

Fernsehen kann schrecklich anstrengend sein, was ja nicht schlecht sein muss. Doch wer jetzt den Film „Little Thirteen“ tatsächlich bis zum Ende durchhält, der fühlt sich garantiert hinterher so richtig mies. Nein, noch mieser. So rekordverdächtig trostlos, ja bisweilen sogar abstoßend kommt die erzählte Geschichte daher, die vom Regisseur Christian Klandt und seiner Drehbuchautorin Catrin Lüth allerdings vorher gründlich recherchiert worden ist – in Gesprächen mit Jugendlichen, die ein ähnliches Leben führen oder zumindest von einem vergleichbaren Lebensgefühl umgetrieben werden wie die traurige Heldin in diesem tristen Sozialdrama: Die 13jährige Sarah, die glaubhaft verkörpert wird von der offenbar hochtalentierten und beim Filmdreh fünf Jahre älteren Jungdarstellerin Muriel Wimmer.

Ihre Sarah kommt aus einer sozial benachteiligten und nach der Logik dieses Films entsprechend absolut kaputten Familie. Ihre knapp 30jährige sexsüchtige Mutter (Isabell Gerschke) ist mehr Freundin als Vertrauensperson. Die Probleme ihrer Tochter interessieren sie nicht, stattdessen redet sie mit ihr lieber locker flockig über Dildos und wie ihr neuster Freund im Bett sei. Von Sarahs leiblichem Vater ist dagegen nie die Rede. Der gerade aktuelle mütterliche Beischlafpartner (anders kann man diesen unangenehmen Zeitgenossen nicht nennen) ist ein richtig abstoßend schmieriger Vertreter seines Geschlechts. Und ähnlich abstoßend sind sowieso alle Männer in diesem Film.

Aber es kommt noch schlimmer: Da Sarah Liebe oder Zuneigung in ihrem bisherigen noch recht kurzen Leben nie wirklich kennen gelernt hat, ist für sie inzwischen Sex das Einzige, was zählt und womit sie ihre scheinbar längst hoffnungslos verrohten Gefühle ausdrücken kann. Die Vorbilder für diesen pornographischen Lebensstil holt sie sich vermutlich aus Sexfilmen im Internet, was natürlich nicht ohne Folgen auf ihr Verhalten bleibt: Wenn beispielsweise ihr neuer Freund (Joseph Bundschuh) für sie völlig überraschend plötzlich von Zärtlichkeit redet, fasst sie ihn fast automatisch in den Schritt. Und wenn sie bei ihm mal Nähe sucht, dann geschieht dies durch eine Runde Oralsex. Bei dem dann bisweilen auch noch ihre Mutter zufällig zuschaut, was jedoch irgendwie keinen weiter stört. Auch nicht ihren aktuellen Freund, der anfangs zwar durchaus sympathische Züge trägt, im Grunde aber auch ein recht unangenehmer junger Typ ist. Was anderes kann man sich schon nach fünf Minuten in diesem deprimierenden Film sowieso nicht vorstellen.

Beschrieben werden nun das Leben Sarahs und ihrer Freundinnen. Gezeigt wird, wie sie „Party machen“, sich dabei mit Alkohol und Drogen zu dröhnen. Und wie sie am Ende stets mit irgendeinem Typen ins Bett gehen. Doch noch schlimmer als diese auf die Dauer nur noch öde wirkenden Bilder, die oft mit der wackelnden Handkamera gedreht sind, sind die Momente, in denen die jungen Frauen von ihrer Zukunft sprechen. Da ist dann von der „Hartz 4-Utopie“ die Rede: „Chillen und Geld kriegen“. Und Sarahs Lebensplanung ist „Vögeln, ficken, bumsen – das mach ich so lange, bis einer sagt: ‚Ich will nicht mehr weg von dir.’“

Dieser Film hat als ungeschönte Bestandsaufnahme einer Generation, die in unsäglichen Verhältnissen aufwächst und deren Sexualverhalten völlig zu verwahrlosen droht, gewiss seine Berechtigung. Aber leider gibt es keinen einzigen Moment, der irgendwie Mut auf zumindest ein ganz klein wenig Veränderung macht oder sie zumindest andeutet. Dafür fehlt den Personen in diesem Film längst die Kraft und dem Film die Lust zur Phantasie. Doch wer will dann dieses vermeintliche Abbild einer scheinbar alles erdrückenden Wirklichkeit sehen? Im Kino, für das diese Abschlussarbeit an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg auch produziert wurde? Oder jetzt im ZDF-Nachtprogramm? Ein Publikum gibt’s wohl dafür kaum, wie auch die miserablen Besucherzahlen im Kino zeigen. Was bleibt sind bestenfalls Schulen, wo der Film als Diskussionsgrundlage dienen kann. So hat er trotz der freizügigen, aber stets eher abstoßenden Sex-Szenen auch eine Altersfreigabe ab 12 Jahren bekommen.

ZDF, 26.08.2014, 00:30 Uhr
ZDF-Kultur, 29.08.2014, 22:00 Uhr / ZDF-Kultur, 30.08.2014, 01:00 Uhr

Kategorien:Uncategorized
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