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Marc Elsberg: Zero. Sie wissen, was du tust

Die Zukunft, wie sie Marc Elsberg in seinem neusten Thriller beschreibt, sieht finster aus. Sie erinnert in ihrem Schrecken an George Orwells düstere Zukunftsvision. Und vor allem hat sein modernes „1984“ längst begonnen. Thema von „Zero. Sie wissen, was du tust“ ist unsere vermeintlich schöne neue digitalisierte Welt, in der nicht nur der Staat, sondern weltumspannende Internet-Unternehmen Daten über uns sammeln und dabei sind, fast alles über uns zu wissen. Ihre Werkzeuge sind unter anderem soziale Netzwerke, sind Twitter und Facebook, und selbst über unsere vermeintlich harmlose Google-Suche lassen sich recht genaue Angaben über uns erstellen. Mit den dabei entstehenden Nutzer-Profilen wird bereits heute ein reger Handel getrieben, um beispielsweise Werbung gezielt zu platzieren.
Das alles ist bekannt, wird unter dem Stichwort „Big Data“ gern und oft diskutiert. Aber Elsberg, der zuvor in seinem Thriller „Blackout“ die Angreifbarkeit unserer Energieversorgung fesselnd beschrieben hat, geht in seinem neusten Buch noch einen Schritt weiter. Er zeigt, wie es einem großen Unternehmen gelingt, das Verhalten seiner Millionen von Kunden über ein soziales Netzwerk und damit verbundenen sogenannten Apps, also digitalen Programmen, nahezu perfekt zu manipulieren und sie dadurch zu besser funktionierenden Menschen zu machen. Da sich für die Nutzer dieser Angebote Erfolge im Beruf, in der Fitness und selbst im sozialen Ansehen schnell sichtbar einstellen, machen fast alle mit, steigern so nicht zuletzt auch den Wert ihrer Daten. Und schon jetzt sind erste Anbieter auf dem Markt, die versprechen, dass zukünftig über sie ihre Kunden ihre Daten selbst verkaufen können.
In diese neue schöne Welt gerät eher zufällig die englische Journalistin Cynthia Bonsant, als sie – auch aus privaten Gründen – über die Internet-Plattform Freemee zu recherchieren beginnt. Ein Netzwerk, in dem auch ihre Tochter aktiv ist, die sich in der letzten Zeit von einem finster gestimmten Grufti zu einem ehrgeizigen jungen Teenager entwickelt hat – unter anderem durch eine App, die ihr in allen Lebenslagen genau auf sie abgestimmte Verhaltensregeln vorgibt. Bei ihrer Recherche wird Cynthia bald unterstützt durch eine Guerilla-Organisation von Datenschützern namens „Zero“. Es gibt einen ersten Toten. Vermutlich noch weitere Todesfälle, für die Freemee verantwortlich ist und die von der Firma sorgfältig in Statistiken versteckt werden. Natürlich macht sich die Journalistin bei all dem mächtige Feinde und gerät schließlich selbst in Lebensgefahr.
Erzählt wird dies äußerst spannend, weil es Elsberg gelingt, die packende Handlung seines Thrillers geschickt zu verknüpfen mit einer genauen und auch für Technik-Laien verständlichen Beschreibung von dem, was in naher Zukunft auf uns womöglich zukommt. Und dass viele der geschilderten Dinge bereits heute machbar sind, sorgt dann beim Lesen für ein richtig ungutes Gefühl.
Marc Elsberg, Zero. Sie wissen, was du tust. Blanvalet, 480 Seiten, 19,99 Euro.

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