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TV-Kritik: Zeit der Zimmerbrände

Auch in Vivian Naefes Tragikomödie brennt der Baum. Schließlich hat, worauf der Titel des Films ja schon nachdrücklich hinweist, jetzt die „Zeit der Zimmerbrände“ begonnen. Und nicht immer gehen sie leider so glimpflich aus wie in diesem ARD-Mittwochsfilm, in dem das lodernde Feuer mit ein, zwei Gläschen Rotwein erfolgreich gelöscht wird. Das hilft also offenbar, macht aber bekanntlich hässliche Flecken. Doch über die spricht natürlich keiner in diesem blütenreinen Wohlfühlfilm, der zwar bisweilen tatsächlich ein bisschen dramatisch und sogar ein wenig tragisch daherkommt, aber letztlich alle entstehenden Konflikte buttercremig abfedert. Was ja so kurz vorm Fest der Feste im öffentlich-rechtlichen TV-Programm auch nicht anders zu erwarten ist.
Im Mittelpunkt dieses vorweihnachtlich besinnlichen Stimmungsaufhellers steht der Eishockeytrainer Harry, der nach einem erfolglosen Engagement in Kanada in seine alte Heimatstadt Freiburg zurückkehrt. Dort hofft er bei seinem früheren Verein auf einen neuen Job. Allerdings vergeblich. Doch wie der überaus gut gelaunte Zufall es hier so will, trifft er bei seinem Besuch auf den Sponsor des Vereins, den Scherzartikel-Hersteller Benny. Ihn hat Harry als Trainer der Jugendmannschaft einst trainiert, sich dabei um den vaterlos aufwachsenden Jugendlichen liebevoll gekümmert. Und das hat nun überraschende Spätfolgen, die man sich als abgebrühter Zuschauer im Grunde nur dadurch erklären kann, dass dieser Benny offenbar zuvor auf dem Freiburger Weihnachtmarkt ein paar Becher Glühwein zuviel getrunken hat. Oder ist es die Drehbuchautorin Beate Langmaack gewesen, die mit der Logik ihrer Geschichte zuweilen doch arg trunken umgeht?
Das bleibt natürlich reine Spekulation! Benny jedenfalls folgert aus der Tatsache, dass Harry genau wie er Linkshänder ist und ein paar ähnliche Macken hat, dass sein ehemaliger Trainer in Wirklichkeit auch sein leiblicher Vater sei. Was wiederum Harry zwar sehr erstaunt, dennoch verpasst er schließlich den rechten Moment, Benny über das Missverständnis aufzuklären. Und da dieser zudem so überglücklich ist, endlich seinen Vater kennenzulernen und so endlich eine „richtige“ Familie zu haben, spielt er das eigentlich verlogene Spiel mit. Auch, weil er selbst im Grunde seines Herzens eine einsame Seele ist. Daraufhin beginnt Benny unseren Harry in seine Firma einzuführen, er besorgt ihm dort einen Job, nimmt ihn in seinem Zuhause auf. Und alles scheint in bester Ordnung zu sein, vor allem weil Harry sich auch noch in die attraktive Feuerwehrfrau Anna verliebt hat. Doch dann bekommt diese ja auf ziemlich tönernen Füßen stehende heile Welt erst Brüche.
Doch keine Bange, es ist ja die Zeit der Zimmerbrände, die – wie der Film dankenswerter Weise verrät – meist durch trockene Adventskränze entstehen. Und in dieser kuschelig warmen Zeit wartet natürlich im Fernsehen auf alle Figuren ein nettes Happyend. Das alles und noch ein paar Spekulatius mehr lassen sich beim Zuschauen dann jedoch recht gut verdauen, wenn man die Geschichte nicht zu bierernst nimmt. Außerdem liefern die Schauspieler durchweg gute Arbeit ab. Allen voran Uwe Ochsenknecht, der in seiner Paraderolle als leicht trotteliger Charmebolzen Harry überzeugt. Christoph Letkowski spielt den Möchtegern-Sohn mit gekonnter Naivität. Und Marie-Lou Sellem bleibt als Feuerwehrfrau hübsch geheimnisvoll.
Aber auch die Botschaft des Films, dass man sich bisweilen die ungeliebte Realität durchaus mal schön phantasieren kann und soll (es muss ja nicht immer Glühwein sein), hat ja durchaus was Feines an sich. Zumindest wenn alle davon etwas haben. Und sie sich von nun an in trauter Harmonie alle Jahre wieder gemeinsam unterm Weihnachtsbaum versammeln, an dem dann hoffentlich nur die Lichtlein brennen.

ARD, 10.12.2014, 20:15 Uhr / ARD, 11.12.2014, 00:50 Uhr
Arte, 21.12.2014, 09:30 Uhr

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