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Archive for Januar 2015

TV-Kritik: Kripo Bozen – Wer ohne Spuren geht

Öffentlich-rechtliche Filmteams reisen offenbar gern, und so wird jetzt wieder einmal im Ausland gemordet und gemeuchelt. Schauplatz des neuen ARD-Krimis ist das Südtiroler Bozen, und wenn die Einschaltquote stimmt, könnte sich daraus eine Serie entwickeln. Angedacht sind jedenfalls zwei Folgen pro Jahr. Zweifel sind allerdings angebracht, weil der Pilotfilm „Wer ohne Spuren geht“ doch arg gemächlich von Marcus Ulbricht nach einem Drehbuch von Jürgen Werner inszeniert ist. Action fehlt sogar völlig. Auch die Krimihandlung ist nicht gerade mitreißend. Und so richtig exotisch ist Südtirol ja nun auch nicht gerade – trotz der imposanten Bergwelt, über die die Kamera ständig schwenkt. Und trotz der knorrig wortkargen Einheimischen, die allesamt viel Zeit haben, selbst beim Morden. Und erst recht bei den folgenden polizeilichen Ermittlungen.
Aber immerhin hat Bozen den großen Vorteil, dass dort nicht nur in einem deutschen Fernsehfilm, sondern auch im wirklichen Leben tatsächlich oft Deutsch gesprochen wird. Das wiederum wirkt dann in einem Film viel authentischer als in Venedig oder in Istanbul, den beiden anderen ausländischen Schauplätzen von ARD-Krimis, wo deutsche Schauspieler oft unfreiwillig komisch Italiener beziehungsweise Türken verkörpern. Zudem steht im Mittelpunkt von „Kripo Bozen“ die Deutsche Sonja Schwarz (Chiara Schoras), die bisher bei der Frankfurter Mordkommission erfolgreich gearbeitet hat und jetzt wegen ihres Mannes (Xaver Hutter) nach Südtirol gezogen ist. Er stammt nämlich aus Bozen, ist in Frankfurt mit einem Weingeschäft pleitegegangen und versucht nun in seiner alten Heimat einen Neuanfang. Er will dort das heruntergewirtschaftete Weingut seiner Schwiegermutter (Lisa Kreuzer) auf Vordermann bringen. Und damit fängt das private Elend an, mit dem die – wie man sie in Bozen nennt – „Frau Commissario Schwarz“ zu kämpfen hat.
Von diesen privaten Dingen erzählt dieser Film für einen Krimi ungewöhnlich ausführlich. Und der Zuschauer, ob er will oder nicht, wird dabei mit allerlei Irrungen und Wirrungen einer vermeintlich modernen Patchwork-Familie konfrontiert. Nur soviel: Die besagte Schwiegermutter hat nach dem Tod ihrer Tochter ihrem Schwiegersohn nie verziehen, dass er wieder geheiratet hat. Und lehnt daher auf arg biestige Weise die gute Sonja ab, die daraufhin sogar nach ein paar Tagen aus dem Weingut auszieht und lieber in einem Hotel nächtigt. Und bei all diesen Problemen samt einer sich entwickelnden mittelschweren Ehekrise wundert es kaum, dass Sonja den ganzen Film über so schrecklich zerknirscht aussieht.
Aber auch ihr Job ist offenbar ein beruflicher Abstieg. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag muss sie bei einer Verkehrskontrolle aushelfen, was sie zuletzt während ihrer Ausbildung getan hat. Doch schon der erste Wagen, den sie anhalten, hat eine brisante „Ladung“: Syrienflüchtlinge auf dem illegalen Weg nach Deutschland. Den Syrern gelingt allerdings die Flucht in die Berge und bei ihrer Verfolgung stoßen Sonja und ihr gemütlicher Kollege auf die skelettierte Leiche eines Mädchens, das vor zehn Jahren spurlos verschwunden ist. Ein Mordfall, wie sich bald herausstellt. Und kurz danach wird Sonja noch mit einem weiteren Mord konfrontiert, als ein Apotheker in seinem Geschäft tot aufgefunden wird.
Unsere Frau Commissario hat also auch beruflich alle Hände voll zu tun. Gönnt sich dennoch fast noch eine Affäre mit einem süditalienischen Kollegen, der dem Film wohl ein bisschen Dolce Vita verleihen soll, obwohl er von einem waschechten Deutschen gespielt wird. Und am Schluss gibt es dann sogar noch einen richtigen Cliffhanger. Da jedoch eine Fortsetzung keineswegs sicher ist, ist solch ein offenes Ende schon ziemlich mutig und könnte sogar dazuführen, dass der Mord an dem Mädchen womöglich als ungeklärter Fall in die Fernsehgeschichte eingehen wird. Doch da sei der Ötzi vor.
ARD, 29.01.2015, 20:15 Uhr
ARD, 30.01.2015, 00:20 Uhr / Eins Festival, 08.02.2015, 20:15 Uhr
Eins Festival, 11.02.2015, 23:15 Uhr

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Lecker Saft

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Kino: John Wick

Keanu Reeves kann es noch. Nach kommerziellen Flops wie „47 Ronin“ und „Man Of Tai Chi“ kehrt der „Matrix“-Superstar nun überraschend furios auf die Kinoleinwand zurück in einem Film, der das Zeug hat einer der besten Actionfilme des gerade begonnenen Jahres zu werden. In „John Wick“ spielt er den Titelhelden, der früher der gefürchtetste Profi-Killer New Yorks gewesen ist. Wegen einer Frau hat er dann vor fünf Jahren seinen Job an den Nagel gehängt, mit ihr friedlich zusammengelebt bis zu ihrem Krebstod, um jetzt unfreiwillig wieder seinem alten „Beruf“ nachzugehen.
Schuld daran hat der tumbe Sohn des Chefs der lokalen Russenmafia, der eines Nachts John überfallen lässt, um an dessen kultiges Auto – einem schwarzen 69er Mustang! – zu kommen. Bei diesem Überfall wird Johns süßer Hund, ein letztes Geschenk seiner Frau, getötet. Eine Tat, die dann tatsächlich Anlass ist, für einen unbeschreiblich blutigen Rachefeldzug. Dabei legt sich John natürlich auch mit dem Vater (Michael Nyqvist) des Haupttäters an, der einen Killer (Willem Dafoe) beauftragt, ihn zu ermorden. Und schließlich kämpft dieser eiskalte Engel wahrlich allein gegen die Mafia.
Todernst darf man die Geschichte natürlich nicht nehmen, obwohl Hundefreunde John Wick sofort verstehen werden. Besonders für sie gibt es dann auch ein wunderschön ironisches Happyend. Aber vor allem lebt der temporeich inszenierte Film von seinen perfekt choreografierten Kampfszenen, bei denen Gefangene nicht gemacht werden, und von seiner kühlen Optik sowie der unglaublichen Coolness, die Reeves seiner Figur verleiht. Zudem zitieren sich David Leitch und Chad Stahelski bei ihrem Regiedebüt gekonnt quer durch die Filmgeschichte vom Italowestern über Jean-Pierre-Melville-Klassiker bis zu Hongkong-Action. Kurzum: Wer das Genre liebt, sollte sich diesen Film unbedingt anschauen.

John Wick, Regie: David Leitch, Chad Stahelski, 101 Min., FSK: 16

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Wallraff undercover

Januar 27, 2015 1 Kommentar

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TV-Kritik: Drunter & Brüder

Januar 23, 2015 2 Kommentare

Was für ein herrliches Durcheinander: Der knuffige Tierarzt Hubertus (Steve Windolf) und die hübsche Charlotte (Valerie Niehaus) sind ein richtig tolles Paar, das seit dem ersten Tag ihrer Hochzeit regelmäßig leidenschaftlichen Sex hat. Dummerweise hat sie jedoch damals vor zehn Jahren nicht Hubertus geheiratet, sondern dessen älteren Bruder Balthasar (Stephan Luca), einen erfolgreichen Chirurgen. Dieser wiederum ahnt überhaupt nichts von der Affäre seiner Gattin und macht sich sogar Sorgen, dass sein Bruder immer noch keine Frau hat. Dann taucht zu allem Überfluss plötzlich die attraktive Russin Anastasia (Natalia Avelon) auf, in die sich Hubertus sofort verguckt, ohne zu ahnen, dass sie schon längst eine Affäre mit Balthasar hat. Und selbst die Mutter (Charlotte Schwab) dieser beiden Brüder, eine Bilderbuch-Patriarchin, die stets ihren älteren Sohn wegen seines beruflichen Erfolges bevorzugt hat, wandelt plötzlich auf Freiersfüßen, ausgerechnet mit einem Förster. Was ihre beiden Kinder natürlich mächtig verstört.
Doch das ist noch längst nicht alles, was man in der wunderbaren ARD-Komödie „Drunter & Brüder“ erleben kann, die von dem Grimme-Preisträger Ulli Baumann („Nikola“) nach einem offenbar vorzüglichen Drehbuch von Kirsten Peters inszeniert worden ist. Der Film erinnert tatsächlich an klassische amerikanische Screwball-Komödien mit einem angerichteten Beziehungs-Chaos, das bisweilen auch von Woody Allen stammen könnte. Im Mittelpunkt steht Sex, Sex und noch mal Sex, und dennoch wirkt der Film nie schlüpfrig oder neigt zu verklemmten Witzeleien. Das Tempo, auch das der fein abgestimmten Dialoge, ist erstaunlich rasant, selbst wenn in der letzten halben Stunde ein wenig die Luft raus. Dafür ist das Ende dann wieder richtig nett. Die Schauspieler zeigen großes komödiantisches Talent, allen voran Stephan Luca als pragmatischer Balthasar, der Zeit seines Lebens seinen verträumten kleinen Bruder dominiert hat. Und Valerie Niehaus, die eine tolle Hausfrauen-Parodie abliefert und gleichzeitig komisch durchgeknallt scheint. Kurzum: Ein ungewöhnlicher Liebesreigen, der beim Zuschauen wirklich Spaß macht!

ARD, 23.01.2015, 20:15 Uhr
Eins Festival, 27.01.2015, 18:30 Uhr / Eins Festival, 28.01.2015, 07:00 Uhr
Eins Festival, 28.01.2015, 12:30 Uhr

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Jan Seghers: Die Sterntaler-Verschwörung

Januar 21, 2015 1 Kommentar

Er kocht, isst und trinkt gern, raucht Mentholzigaretten und ist stets unglücklich verliebt: Robert Marthaler, der melancholische Held in inzwischen fünf Kriminalromanen von Jan Seghers. Zwei sind bereits vom ZDF mit Matthias Koeberlin in der Hauptrolle verfilmt wurden. Und in seinem neusten Fall hat es der Frankfurter Kommissar mit einer waschechten Verschwörung zu tun, deren Spur direkt in die hessische Staatskanzlei führt. Wer sich nur ein bisschen für deutsche Innenpolitik interessiert, der stößt bei der Lektüre von „Die Sterntaler-Verschwörung“ sogar auf alte Bekannte.
Den Hintergrund bilden die realen Wirrungen nach der Landtagswahl 2008, die offenbar nie abschließend geklärt wurden. Der Versuch der damaligen SPD-Kandidatin Andrea Ypsilanti, eine Regierung mit Hilfe der Grünen und der Linken zu bilden, scheiterte jedenfalls, weil kurz vor der entscheidenden Abstimmung vier Mitglieder ihrer Fraktion ihrer Chefin überraschend die Stimme verweigerten. Diesen Vorgang greift Seghers nun auf, spinnt ihn weiter, vermischt geschickt historische mit ausgedachten Fakten und entwickelt daraus einen unglaublichen Komplott gegen die SPD-Chefin, an dem auch höchste Wirtschaftskreise beteiligt sind. Und eigentlich fehlt dabei nur noch der israelische Geheimdienst Mossad. Zudem erkennt man schnell, wer sich hinter den ausgedachten Namen im Roman verbirgt. Aus beispielsweise Andrea Ypsilanti wurde Sabine Xanthopoulos. Mit dem fiktiven CDU-Vorsitzenden Rolf-Peter Becker ist natürlich Roland Koch gemeint. Auch weitere Verschwörer sind zumindest für Kenner der Hessen-Szene leicht identifizierbar.
Aber nicht nur Freunde gepflegter Verschwörungstheorien kommen hier auf ihre Kosten, sondern auch reine Krimifreunde werden von der spannenden Geschichte dieses Polit-Thrillers gefesselt sein. Und natürlich von dem liebenswerten Kommissar Marthaler, der auch mit argen privaten Problemen zu kämpfen hat. Bei den Ermittlungen in einen seit Jahren ungeklärten Mordfall findet er in einem Hotel die Leiche einer bundesweit bekannten Reporterin. Doch noch bevor er seine Arbeit beginnen kann, taucht am Tatort ein Kommissar des LKAs mit seinen Leuten auf, reißt die Ermittlungen an sich und untersagt Marthaler weitere Untersuchungen. Doch das kann ihn natürlich nicht abhalten. Ganz im Gegenteil! Zusammen mit seinem Team ermittelt er lange Zeit heimlich in diesem immer komplexer werdenden Mordfall, um am Schluss zumindest die Handlanger der dabei entdeckten Verschwörung dingfest zu machen. Und als Leser hofft man dann tatsächlich, dass die Handlung mit ihren schmutzigen Ränkespiele und mörderischen Intrigen von Seghers frei erfunden ist.
Jan Seghers: „Die Sterntaler-Verschwörung.“ Kindler-Verlag, 496 Seiten, 19,95 Euro. Der Autor liest am kommenden Donnerstag um 19.30 Uhr in der hannoverschen Buchhandlung Leuenhagen & Paris, Lister Meile 39. Weitere Termine.

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