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TV-Kritik: Kripo Bozen – Wer ohne Spuren geht

Öffentlich-rechtliche Filmteams reisen offenbar gern, und so wird jetzt wieder einmal im Ausland gemordet und gemeuchelt. Schauplatz des neuen ARD-Krimis ist das Südtiroler Bozen, und wenn die Einschaltquote stimmt, könnte sich daraus eine Serie entwickeln. Angedacht sind jedenfalls zwei Folgen pro Jahr. Zweifel sind allerdings angebracht, weil der Pilotfilm „Wer ohne Spuren geht“ doch arg gemächlich von Marcus Ulbricht nach einem Drehbuch von Jürgen Werner inszeniert ist. Action fehlt sogar völlig. Auch die Krimihandlung ist nicht gerade mitreißend. Und so richtig exotisch ist Südtirol ja nun auch nicht gerade – trotz der imposanten Bergwelt, über die die Kamera ständig schwenkt. Und trotz der knorrig wortkargen Einheimischen, die allesamt viel Zeit haben, selbst beim Morden. Und erst recht bei den folgenden polizeilichen Ermittlungen.
Aber immerhin hat Bozen den großen Vorteil, dass dort nicht nur in einem deutschen Fernsehfilm, sondern auch im wirklichen Leben tatsächlich oft Deutsch gesprochen wird. Das wiederum wirkt dann in einem Film viel authentischer als in Venedig oder in Istanbul, den beiden anderen ausländischen Schauplätzen von ARD-Krimis, wo deutsche Schauspieler oft unfreiwillig komisch Italiener beziehungsweise Türken verkörpern. Zudem steht im Mittelpunkt von „Kripo Bozen“ die Deutsche Sonja Schwarz (Chiara Schoras), die bisher bei der Frankfurter Mordkommission erfolgreich gearbeitet hat und jetzt wegen ihres Mannes (Xaver Hutter) nach Südtirol gezogen ist. Er stammt nämlich aus Bozen, ist in Frankfurt mit einem Weingeschäft pleitegegangen und versucht nun in seiner alten Heimat einen Neuanfang. Er will dort das heruntergewirtschaftete Weingut seiner Schwiegermutter (Lisa Kreuzer) auf Vordermann bringen. Und damit fängt das private Elend an, mit dem die – wie man sie in Bozen nennt – „Frau Commissario Schwarz“ zu kämpfen hat.
Von diesen privaten Dingen erzählt dieser Film für einen Krimi ungewöhnlich ausführlich. Und der Zuschauer, ob er will oder nicht, wird dabei mit allerlei Irrungen und Wirrungen einer vermeintlich modernen Patchwork-Familie konfrontiert. Nur soviel: Die besagte Schwiegermutter hat nach dem Tod ihrer Tochter ihrem Schwiegersohn nie verziehen, dass er wieder geheiratet hat. Und lehnt daher auf arg biestige Weise die gute Sonja ab, die daraufhin sogar nach ein paar Tagen aus dem Weingut auszieht und lieber in einem Hotel nächtigt. Und bei all diesen Problemen samt einer sich entwickelnden mittelschweren Ehekrise wundert es kaum, dass Sonja den ganzen Film über so schrecklich zerknirscht aussieht.
Aber auch ihr Job ist offenbar ein beruflicher Abstieg. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag muss sie bei einer Verkehrskontrolle aushelfen, was sie zuletzt während ihrer Ausbildung getan hat. Doch schon der erste Wagen, den sie anhalten, hat eine brisante „Ladung“: Syrienflüchtlinge auf dem illegalen Weg nach Deutschland. Den Syrern gelingt allerdings die Flucht in die Berge und bei ihrer Verfolgung stoßen Sonja und ihr gemütlicher Kollege auf die skelettierte Leiche eines Mädchens, das vor zehn Jahren spurlos verschwunden ist. Ein Mordfall, wie sich bald herausstellt. Und kurz danach wird Sonja noch mit einem weiteren Mord konfrontiert, als ein Apotheker in seinem Geschäft tot aufgefunden wird.
Unsere Frau Commissario hat also auch beruflich alle Hände voll zu tun. Gönnt sich dennoch fast noch eine Affäre mit einem süditalienischen Kollegen, der dem Film wohl ein bisschen Dolce Vita verleihen soll, obwohl er von einem waschechten Deutschen gespielt wird. Und am Schluss gibt es dann sogar noch einen richtigen Cliffhanger. Da jedoch eine Fortsetzung keineswegs sicher ist, ist solch ein offenes Ende schon ziemlich mutig und könnte sogar dazuführen, dass der Mord an dem Mädchen womöglich als ungeklärter Fall in die Fernsehgeschichte eingehen wird. Doch da sei der Ötzi vor.
ARD, 29.01.2015, 20:15 Uhr
ARD, 30.01.2015, 00:20 Uhr / Eins Festival, 08.02.2015, 20:15 Uhr
Eins Festival, 11.02.2015, 23:15 Uhr

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