Startseite > Uncategorized > Tatort – Das Haus am Ende der Straße

Tatort – Das Haus am Ende der Straße

Dass die Besten immer viel zu früh gehen, ist zwar eine Binsenwahrheit, aber bei Joachim Król stimmt sie. Seit 2011 ist der heute 57jährige Schauspieler im Frankfurter „Tatort“ als Hauptkommissar Frank Steier zu sehen gewesen, fünf Mal an der Seite von Nina Kunzendorf, und nun quittiert er mit seinem insgesamt siebten Fall leider den Dienst. Was besonders schade ist, da seine Filme stets zu den besten Beiträgen dieser Reihe gezählt haben. Dazu gehört jetzt auch „Das Haus am Ende der Straße“, ein gelungener Genre-Mix aus Psychothriller, Horrorfilm und menschlichem Drama, der von Regisseur Sebastian Marka nach einem Drehbuch von Erol Yesilkaya und Michael Proehl bis zum Schluss äußerst packend inszeniert ist.
Mal wieder steht der unter seinen Kollegen so unbeliebte Frank Steier, der zum Lachen vermutlich mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage fährt, vor einem Scherbenhaufen. Vor Gericht hat er als Hauptbelastungszeuge gerade eine schmerzliche persönliche Niederlage erlitten. Da er bei einem Einsatz, bei dem ein kleines Mädchen zufällig erschossen wurde, noch unter Alkohol stand, erscheint seine Aussage den Richtern als nicht belastbar. Daraufhin wird der Todesschütze, ein gewisser Nico (Maik Rogge), freigesprochen. Und polizeiintern der alkoholkranke Steier zu einem Entzug sowie einer anschließenden Therapie verdonnert. Doch das lässt der eigensinnige Kommissar natürlich nicht mit sich machen, und nach kurzer Überlegung quittiert er lieber seinen Dienst.
Doch da ihn auch weiterhin Schuldgefühle am Tod des Mädchens und am folgenden Freispruch des Täters quälen, lässt ihn dieser tragische Vorfall keine Ruhe. Als er zufällig erfährt, dass Nico mit seinem Bruder Robin (Vincent Krüger) und dessen drogensüchtiger Freundin Lisa (Janina Schauer) einen Einbruch plant, begibt er sich sofort und wie immer allein an den Tatort, eine Villa in einem Frankfurter Vorort. Dort ist gerade der überraschend zurückgekehrte Hausbesitzer von dem Trio getötet wurden. Ein Nachbar, der Ex-Streifenpolizist Poller (Armin Rohde), hat dies allerdings beobachtet und wird daraufhin von den Einbrechern verfolgt. Sie dringen schließlich sogar in sein „Haus am Ende der Straße“ ein, um ihn auszuschalten. Und erzählt wird dies in spannenden Szenen, die in ihrer düsteren Machart an amerikanische Horror-Klassiker erinnern. Dass dann auch noch auf einem Monitor der Abspann des blutrünstigen „The Texas Chainsaw Massacre“ kurz zu sehen ist, ist zwar eigentlich überflüssig, aber ein netter Insider-Scherz.
Doch dann nimmt diese Geschichte eine überraschende Wendung. Bei dem Versuch, Poller zu befreien, wird Steier plötzlich von ihm niedergeschlagen und zusammen mit den Einbrechern in einem Raum gesperrt. Der Ex-Polizist, der selbst nichts mehr zu verlieren hat und kurz davor stand, sich umzubringen, hat nämlich inzwischen beschlossen, an dem Gangster-Trio ein Exempel zu statuieren. Dabei geht er erstaunlich perfide vor. Und während nun im Polizeipräsidium Steiers Kollegen die Schnittchen für dessen Abschiedsfeier vorbereiten, entwickelt sich in dem Haus ein unglaubliches Psychospiel, das man als Zuschauer so schnell nicht vergisst.
Sehenswert ist aber auch neben Króls fast schon gewohnt guter Leistung vor allem Armin Rohde, der den tragisch gebrochenen ehemaligen Polizisten erschreckend glaubhaft und vor allem vielschichtig verkörpert. Dabei schwankt diese Figur tatsächlich zwischen eiskaltem Sadismus und warmer Fürsorglichkeit, entwickelt gar väterliche Gefühle für einen der jungen Gangster. Und vor allem trägt sie Züge, die der Kommissar erschrocken an sich selber erkennt. Umso überraschender ist dann der versöhnliche Schluss, bei dem sogar Steier ausnahmsweise mal lächelt. Aber natürlich nur ganz kurz, alles andere wäre ja auch völlig übertrieben.

ARD, 22.02.2015, 20:15 Uhr
Eins Festival, 22.02.2015, 21:45 Uhr / Eins Festival, 22.02.2015, 23:45 Uhr
ARD, 24.02.2015, 00:35 Uhr

Kategorien:Uncategorized
  1. Februar 26, 2015 um 12:00 am

    Wir haben diese Folge mit der ganzen Familie geschaut. In unseren Augen technisch gut gedreht, jedoch nicht umwerfend. Es gibt deutlich bessere Produktionen im Ersten.

  1. No trackbacks yet.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: