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A Girl Walks Home Alone at Night

In dem iranischen Kaff Bad City möchte man noch nicht einmal begraben sein. So kalt, so verloren wirkt diese fiktive Geisterstadt mit ihren in die Jahre gekommenen Ölraffinerien, heruntergekommenen Industriebrachen und jämmerlichen Siedlungen. Bevölkert wird sie von einsamen Seelen, von Prostituierten, Kriminellen und Obdachlosen. Und genau hier lebt Arash, der – auch äußerlich – stark an den jungen James Dean erinnert (und von dem Hamburger Schauspieler Arash Marandi verkörpert wird). Dieser Jüngling verdingt sich als Hausbursche bei einer reichen Familie, kümmert sich aufopferungsvoll um seinen drogensüchtigen Vater und liebt seinen alten amerikanischen Sportwagen über alles. Und er scheint in diesem Ort der Verdammnis, der einzig Unschuldige zu sein.
Mehr jedoch erfährt man nicht über diesen jungen Mann. Die in den USA lebende iranische Regisseurin Ana Lily Amirpour deutet in ihrem Debütfilm „A Girl Walks Home Alone at Night“, den sie in Schwarzweiß in Kalifornien gedreht hat, vieles nur an. Sie zitiert dabei bekannte Kinobilder, die an Western, Vampirfilmen und Arbeiten des frühen Jim Jarmusch erinnern, und wer eine auch nur annähernd konventionell erzählte Geschichte erwartet, wird von ihr enttäuscht. Stattdessen entwirft sie alptraumhafte Szenen, die mal bezaubernd schön, dann aber wieder schrecklich abstoßend sind. Vor allem wenn ihre zweite zentrale Figur auftritt.
Dabei handelt es sich um eine junge Frau (Sheila Vand), die in einem schwarzen Tschador gehüllt nachts durch die Straßen streift, zuweilen auch auf einen Skatebord, und sich dort ihre Opfer sucht. Sie ist nämlich eine Vampirin, die wie ein Racheengel schuldig Gewordene aussaugt und tötet. Doch auch sie bleibt in diesem Film eine rätselhafte Frauenfigur, ein namenloses Phantom-Girl, das in dieser trostlosen Atmosphäre allerdings unglaubliche Kraft ausstrahlt und dann eines Nachts in einer wunderbar bizarren Szene Arash begegnet. Und statt ihn zu töten, nimmt sie ihn mit nach Hause. Ein bisschen Hoffnung, ein bisschen Liebe gibt es also auch in Bad City.

A Girl Walks Home Alone at Night, Regie: Ana Lily Amirpour, 101 Minuten, FSK: 12

Kategorien:Uncategorized
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