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TV-Kritik: Wer Wind sät. Ein Taunuskrimi

Was für ein heilloses Durcheinander! Und wer die Vorlage, den gleichnamigen Roman der Bestsellerautorin Nele Neuhaus, nicht kennt, der versteht lange Zeit nicht, worum es in dem bereits fünften Teil der ZDF-Reihe „Taunuskrimi“ eigentlich geht. Was allerdings auch kaum verwundert, da Neuhaus’ Geschichten stets ungemein komplex, dabei bisweilen sehr ausschweifend erzählt, zudem thematisch überfrachtet sind. Und sie sich daher kaum in das 90minütige Korsett eines Fernsehfilms zwingen lassen. Vielleicht auch ein Grund, dass der geplante sechste Teil dieser Reihe gleich als Zweiteiler gedreht werden soll.
Jedenfalls bekommen im aktuellen Fall, „Wer Wind sät“, Regisseur Marcus O. Rosenmüller und seine Drehbuchautorin Anna Tebbe die Geschichte nie in den Griff. In dem von ihnen angerichteten filmischen Chaos geht dann leider auch das bekannte Neuhaus’ Ermittlerduo Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) und Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) völlig unter und bleibt bis zum ziemlich abrupten Schluss erschreckend blass. Dabei haben sie eigentlich alle Hände voll zu tun, den Überblick zu behalten.
In einer hessischen Niederlassung einer Windenergie-Firma wird der Nachtwächter tot aufgefunden. Die Umstände seines Todes sind äußerst mysteriös. Bei ihren Ermittlungen stoßen die beiden Kommissare auf eine ganze Reihe von Verdächtigen, darunter auch den windigen Firmenchef (Rainer Sellien) und dessen zwielichtigen Gegenspieler (Aleksandar Tesla), den Vorsitzenden einer Bürgerinitiative, die sich im Taunus gegen die Errichtung eines Windparks wehrt. Als dann kurz danach noch ein alter Bauer (Bernd Stegemann), der selbst für einen Millionen-Betrag nicht seine Wiese an die Firma verkaufen will, brutal ermordet wird, wird der Fall für die Kommissare erst richtig kompliziert. Und für den Zuschauer sowieso.
Neben den eigentlichen Mordfällen geht es nämlich noch um einen korrupten und natürlich fremdgehenden Meteorologen, der für die besagte Firma ein gefälschtes Gefälligkeitsgutachten erstellt hat. Um ein geklautes Patent für Windanlagen. Um einen Mordversuch mittels Brandstiftung. Um die kompliziert tragischen Familiengeschichten der beiden Ermordeten. Um eine verruchte Frau (Nadeshda Brennicke), die einen pubertierenden Jüngling verführt. Worauf der wiederum … ach, geschenkt! Und ob das nicht alles schon kompliziert genug wäre, tut sich auch bei den Kommissaren so einiges.
So hat sich die gute Pia offenbar während eines China-Urlaubs verlobt, spricht aber offenbar nicht gerne drüber. Und Kollege Oliver ist von seiner Frau verlassen wurden, woran er ganz schön – auch finanziell – zu knapsen hat. Dennoch gönnt er sich eine Affäre ausgerechnet mit einer von der Polizei gesuchten Verdächtigen (Ulrike C. Tscharre), während sein Vater von dem ermordeten Bauern die millionenschwere Wiese geerbt hat. Was ja auch nicht ganz ohne ist für seinen ermittelnden Sohn. Ach ja, und dann ist da noch der Gerichtsmediziner, der sich aus irgendwelchen Gründen freut, dass er nicht der Vater eines frisch gezeugten Kindes ist.
Das alles wäre Stoff genug für eine ganze stürmische TV-Serie. Und ist so in nur 90 Minuten erzählt einfach nur ein vom Winde verwehtes Durcheinander. Bei dem womöglich selbst der geheimnisvoll allwissende Rabe, der in der ersten halben Stunde immer mal wieder für ein bisschen gespenstische Atmosphäre sorgt, nicht weiterhelfen kann, wenn er denn sprechen könnte. Kann er natürlich nicht. Daher ist der Film wirklich nur etwas für Nele-Neuhaus-Kenner. Und für Gegner der Windkraft, die immer schon wussten, woher bei dieser Energieform in Wirklichkeit der Wind bläst.

ZDF, 04.05.2015, 20:15 Uhr
ZDF, 07.05.2015, 20:15 Uhr

Kategorien:Uncategorized
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