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Mordshunger – Verbrechen und andere Delikatessen: Wilder Westen

Fernsehfilme wie der ZDF-Provinzkrimi „Mordshunger – Verbrechen und andere Delikatessen: Wilder Westen“ haben durchaus ihre Vorteile. Man kann, während sie über den Bildschirm flimmern, beispielsweise die Küche putzen, den Flur saugen oder endlich mit der schon mehrfach angemahnten Steuererklärung beginnen, ohne dass man dadurch irgendetwas Wesentliches verpasst. Um die Handlung zu verstehen, reicht es halt, wenn man alle 20 Minuten mal kurz in Richtung Fernseher schaut oder im Hintergrund die zäh dahinplätschernden Dialoge verfolgt. Und da der von Marcus Weiler inszenierte Film (Drehbuch: Jörg von Schlebrügge, Mika Kallwass) zudem völlig spannungsfrei ist, ist selbst Bügeln im Vergleich dazu eine richtig nervenaufreibende Tätigkeit.
Dabei müssen Provinzkrimis nicht automatisch provinziell wirken. Es gibt auch im Fernsehen immer mal wieder durchaus amüsante oder sogar aufregende Beispiele. So sorgen die ZDF-„Spreewaldkrimis“ stets für beste Krimiunterhaltung und in der ARD sind die Allgäu-Krimis um Kommissar Kluftinger fast immer sehenswert. Nicht zuletzt wegen ihrer wunderbar eigensinnigen Ermittler, die sich meist mit originell gezeichneten provinziellen Dickschädeln herumschlagen müssen.
Aber auch mit seinen Figuren hat dieser ZDF-Krimi nicht viel zu bieten, bis auf einen Ziegenbauern (Sebastian Bezzel), der sich als verklemmter Fußfetischist erweist. Was dann alle in diesem Film, mit dem das ZDF die 2013 ausgestrahlte „Mordshunger“-Mini-Serie fortsetzt, lustig finden. Ansonsten gibt es jedoch nicht viel zu lachen. Und selbst unfreiwilliger Humor bleibt einem leider erspart. Im Mittelpunkt des witzlosen Geschehens stehen zwei Geschwister: Hauptkommissar Max Janssen (Aurel Manthei) und seine große Schwester Britta (Anna Schudt), die in einem fiktiven Dorf ein Gasthaus betreibt, aber sich gern in die Ermittlungen ihres Bruders einmischt. Aus unerfindlichen Gründen. Vielleicht hat sie ja in ihrer Jugend gern Agatha-Christie-Krimis gelesen. Oder sie ist Fan von Inspektor Columbo.
Egal. Jedenfalls haben die Zwei einen zumindest anfangs mysteriösen Fall zu lösen: Ein 17jähriges Mädchen ist spurlos verschwunden. Ihr Motorroller wird dann am Rande eines Maisfeldes gefunden. Offenbar hat sie einen Unfall gehabt. Oder sie ist das Opfer eines Verbrechens geworden. Dann meldet sich die Verschwundene plötzlich überraschend per SMS bei ihren Eltern, der Fall scheint also geklärt. Doch da weiß der Zuschauer längst, dass das Mädchen von einem Unbekannten in einem Keller gefangen gehalten wird. Und zum Glück ermittelt die gute Britta weiter.
Das klingt allerdings spannender als die Geschichte in Wirklichkeit ist. So gibt es in dem ganzen Film eigentlich nur zwei Personen, die als Verdächtige in Frage kommen: Der schon erwähnte Ziegenbauer und der Nachtclubbetreiber Ben (Stephan Luca), der sich aber recht schnell als netter Kerl entpuppt. Spätestens als er mit unserer Britta eine heiße Liebesaffäre beginnt. Los geht’s damit übrigens mitten in der Gasthausküche. Und zumindest der ansehnliche Luca darf dabei ein bisschen nackte Haut zeigen, was dann womöglich die weiblichen Zuschauer für kurze Zeit vom Bügeln, Putzen oder beim Erstellen der Steuererklärung ablenken wird.
Und es gibt sogar eine tolldreiste Actionszene: eine Verfolgungsjagd quer durch den Hühnerstall. Wovon die betroffenen Hühner bestimmt heute noch gackern, wenn sie nicht längst im Suppentopf gelandet sind. Der Rest ist Schweigen.

ZDF, 18.05.2015, 20:15 Uhr

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