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Große Fische, kleine Fische

Die mecklenburgischen Fischköppe Paul (Uwe Ochsenknecht) und Fiete (Dietmar Bär) muss man einfach lieben. Während Paul gern ein wenig großmäulig daherkommt, hat sein alter Freund Fiete sein Leben lang wohl kaum mehr als einen zusammenhängenden Satz gesprochen. Wenn überhaupt. Dennoch verstehen die zwei Zausel sich bestens, teilen sich sogar als urkomische Easy-Rider ein betagtes Moped, trinken abends in der Kneipe ihr Feierabendbier und arbeiten tagsüber als letzte Fischer ihres Dorfes auf ihrem schwer in die Jahre gekommenen Kutter. Dabei strahlen die Zwei soviel Gelassenheit aus, dass man diesen Küsten-Buddhas einfach gern beim Schweigen zuschaut. Und man auf Anhieb den schönen Satz versteht: „Wenn morgen die Welt unterginge, dann würde ich nach Mecklenburg ziehen, dann hätte ich noch 25 Jahre Zeit.“
Nur einer stört sich an Paul und Fiete: Ihr Bürgermeister, der seine Gemeinde in einen modernen Badeort umwandeln will – mit schickem Hafen, zahlenden Touristen und was sonst noch dazugehört. Und in einer solch modernen Welt, meint der schmierige Stinkstiefel, würden eben die zwei anachronistischen Fischer mit ihrem alten stinkenden Kutter einfach nur stören. Doch gegen diese beiden Sturköpfe hat so ein dösbaddeliger Modernisierer eigentlich nicht den Hauch einer Chance. Eigentlich! Denn durch einen richtig blöden Zufall droht die Freundschaft der beiden plötzlich zu zerbrechen.
Kurz nach dem Tod seiner geliebten Frau muss Paul zum Amtsarzt in die nächste größere Stadt, um dort einen für Schiffsführer vorgeschriebenen Gesundheitstest abzulegen. Ihn absolviert er dann auch leicht angetrunken erfolgreich, nur bei dem dabei von ihm aus reinem Übermut abgelegten Zeugungsfähigkeitstest fällt er durch – und das hat Folgen: Sein einziger Sohn Piet kann demnach biologisch gesehen also gar nicht von ihm stammen. Und als sich dann auch noch herausstellt, dass ausgerechnet Fiete der Vater des Jungen ist, ist der sprichwörtliche Ofen aus zwischen den beiden alten Freunden.
Es beginnt ein Krieg ohne Worte, geführt nur mit Gesten, kleinen Sticheleien und gemeinen Nickligkeiten. Szenen, die der Regisseur und Drehbuchautor Jochen Alexander Freydank mit Gespür für Situationskomik und Slapstick witzig inszeniert hat. Szenen, die aber gleichzeitig auch oft ungewöhnlich traurig sind. Und aufgeführt werden sie vor einer staunenden Dorfgemeinschaft aus originellen Figuren, die das Geschehen gern wissend kommentieren. Darunter ist die wunderbare Katharina Thalbach, eine in ihren hohen Gummistiefeln zwar längst verblühte Dorfschönheit, die aber trotz ihres Alters immer noch von der großen Liebe träumt. Ganz zu recht, wie sich schließlich erweisen soll.
Aber auch ansonsten ist diese sehenswerte Komödie selbst in Nebenrollen erstaunlich gut besetzt, beispielsweise mit Jürgen Tarrach, der den schmierigen Bürgermeister spielt. Und erstaunlicherweise stört es kaum, dass die Hauptdarsteller im wahren Leben alles andere sind als norddeutsche Fischköppe. Vor allem dem gebürtigen Dortmunder Dietmar Bär kauft man den Fiete sofort ab, und dass sein Filmsohn Axel Stein solch eine erstaunliche Ähnlichkeit mit ihm hat, ist sogar ein Glücksfall für diesen Film. Doch besonders lebt die auf Rügen und bei Stralsund gedrehte Komödie von ihren schönen stimmigen Bildern und ihrer melancholischen Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht. Einziges Manko ist die letzte Viertelstunde, bei der es dem Regisseur nicht gelingt, die Geschichte rund zu Ende zu erzählen

ZDF, 21.05.2015, 20:15 Uhr

Kategorien:Uncategorized
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