Mein Herz tanzt

Ein kleines Filmjuwel kommt jetzt in unsere Kinos: „Mein Herz tanzt“ liefert beste Unterhaltung, ist bisweilen herzergreifend anrührend, manchmal auf witzige Weise politisch-unkorrekt und vermittelt dabei einen ungewöhnlich leichten und unverkrampften, aber stets interessanten Einblick in den israelisch-palästinensischen Konflikt. Möglich gemacht hat dieses Kunststück der israelische Regisseur Eran Riklis („Die syrische Braut“) und als Vorlage hat ihm Sayed Kashuas halb-biografischer Roman „Dancing Arabs“ aus dem Jahre 2002 gedient.
Im Mittelpunkt des Films steht eine Coming-of-Age-Geschichte. In den späten Achtziger Jahren wächst der hochbegabte Palästinenser Eyad (Tawfeek Barhom) in einer arabischen Kleinstadt mitten in Israel auf. Fast in einem dörflichen Idyll, das vom Regisseur dann auch entsprechend amüsant geschildert wird. Als erster Palästinenser hat er schließlich die Chance ein israelisches Elite-Internat zu besuchen. Nach oft unfreiwillig komischen Anfangsschwierigkeiten ist er dort scheinbar schnell integriert und verliebt sich sogar in eine jüdische Mitschülerin: Die hübsche Naomi (Danielle Kitzis), die seine Gefühle erwidert. Beide müssen jedoch ihre Beziehung geheim halten, auch gegenüber ihren Eltern, da eine Liebe zwischen einer Jüdin und einem Palästinenser immer noch einem Tabubruch gleichkommt. Und natürlich geht das auf die Dauer nicht gut.
Dabei gerät Eyad mitten hinein in den schwierigen Konflikt zweier sich feindlich begegnenden Welten, der arabischen und der palästinensischen, kämpft verzweifelt um Akzeptanz und Zuneigung, die er neben Naomi nur bei einem schwerbehinderten jüdischen Klassenkameraden (Michael Moshonov) und dessen Mutter findet. Und entscheidet sich schließlich für einen listigen Ausweg aus seinem Dilemma. Eine Entscheidung, die zwar einen stark resignativen Beigeschmack hat, aber dadurch leider wohl realistisch ist.

Mein Herz tanzt, Regie: Eran Riklis, 104 Minuten, FSK: 6

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Große Fische, kleine Fische

Die mecklenburgischen Fischköppe Paul (Uwe Ochsenknecht) und Fiete (Dietmar Bär) muss man einfach lieben. Während Paul gern ein wenig großmäulig daherkommt, hat sein alter Freund Fiete sein Leben lang wohl kaum mehr als einen zusammenhängenden Satz gesprochen. Wenn überhaupt. Dennoch verstehen die zwei Zausel sich bestens, teilen sich sogar als urkomische Easy-Rider ein betagtes Moped, trinken abends in der Kneipe ihr Feierabendbier und arbeiten tagsüber als letzte Fischer ihres Dorfes auf ihrem schwer in die Jahre gekommenen Kutter. Dabei strahlen die Zwei soviel Gelassenheit aus, dass man diesen Küsten-Buddhas einfach gern beim Schweigen zuschaut. Und man auf Anhieb den schönen Satz versteht: „Wenn morgen die Welt unterginge, dann würde ich nach Mecklenburg ziehen, dann hätte ich noch 25 Jahre Zeit.“
Nur einer stört sich an Paul und Fiete: Ihr Bürgermeister, der seine Gemeinde in einen modernen Badeort umwandeln will – mit schickem Hafen, zahlenden Touristen und was sonst noch dazugehört. Und in einer solch modernen Welt, meint der schmierige Stinkstiefel, würden eben die zwei anachronistischen Fischer mit ihrem alten stinkenden Kutter einfach nur stören. Doch gegen diese beiden Sturköpfe hat so ein dösbaddeliger Modernisierer eigentlich nicht den Hauch einer Chance. Eigentlich! Denn durch einen richtig blöden Zufall droht die Freundschaft der beiden plötzlich zu zerbrechen.
Kurz nach dem Tod seiner geliebten Frau muss Paul zum Amtsarzt in die nächste größere Stadt, um dort einen für Schiffsführer vorgeschriebenen Gesundheitstest abzulegen. Ihn absolviert er dann auch leicht angetrunken erfolgreich, nur bei dem dabei von ihm aus reinem Übermut abgelegten Zeugungsfähigkeitstest fällt er durch – und das hat Folgen: Sein einziger Sohn Piet kann demnach biologisch gesehen also gar nicht von ihm stammen. Und als sich dann auch noch herausstellt, dass ausgerechnet Fiete der Vater des Jungen ist, ist der sprichwörtliche Ofen aus zwischen den beiden alten Freunden.
Es beginnt ein Krieg ohne Worte, geführt nur mit Gesten, kleinen Sticheleien und gemeinen Nickligkeiten. Szenen, die der Regisseur und Drehbuchautor Jochen Alexander Freydank mit Gespür für Situationskomik und Slapstick witzig inszeniert hat. Szenen, die aber gleichzeitig auch oft ungewöhnlich traurig sind. Und aufgeführt werden sie vor einer staunenden Dorfgemeinschaft aus originellen Figuren, die das Geschehen gern wissend kommentieren. Darunter ist die wunderbare Katharina Thalbach, eine in ihren hohen Gummistiefeln zwar längst verblühte Dorfschönheit, die aber trotz ihres Alters immer noch von der großen Liebe träumt. Ganz zu recht, wie sich schließlich erweisen soll.
Aber auch ansonsten ist diese sehenswerte Komödie selbst in Nebenrollen erstaunlich gut besetzt, beispielsweise mit Jürgen Tarrach, der den schmierigen Bürgermeister spielt. Und erstaunlicherweise stört es kaum, dass die Hauptdarsteller im wahren Leben alles andere sind als norddeutsche Fischköppe. Vor allem dem gebürtigen Dortmunder Dietmar Bär kauft man den Fiete sofort ab, und dass sein Filmsohn Axel Stein solch eine erstaunliche Ähnlichkeit mit ihm hat, ist sogar ein Glücksfall für diesen Film. Doch besonders lebt die auf Rügen und bei Stralsund gedrehte Komödie von ihren schönen stimmigen Bildern und ihrer melancholischen Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht. Einziges Manko ist die letzte Viertelstunde, bei der es dem Regisseur nicht gelingt, die Geschichte rund zu Ende zu erzählen

ZDF, 21.05.2015, 20:15 Uhr

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Spannend

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Joseph O’Connors „Die wilde Ballade vom lauten Leben“

Wer mit der Pop-Musik der Achtziger- und Neunzigerjahre aufgewachsen ist, der sollte Joseph O’Connors „Die wilde Ballade vom lauten Leben“ lesen. Allen anderen ist der Roman eher nicht zu empfehlen, da sich beinahe die Hälfte des Buchs mit der Musik der damaligen Zeit beschäftigt, mit Bands und Songs, die die Protagonisten der Geschichte lieben oder hassen. Erzählt wird von der fiktiven Gruppe „The Ships“, vier jungen Leuten irischer Abstammung, deren kleinbürgerliche Eltern es irgendwann nach England verschlagen hat in den idyllischen Londoner Vorort Luton.
Aus der Perspektive des Gitarristen Robbie wird die Karriere dieser Band nachgezeichnet. Von den Anfängen als Straßenmusiker, den ersten Auftritten in üblen Lokalen bis hin zur Touren durch die Stadien der Welt, dem dann folgenden plötzlichen dramatischen Bruch der Gruppe, sich anschließenden nervigen Rechtsstreitigkeiten und dem schließlich dann doch versöhnlichen Happyend. Natürlich geht es dabei auch um Drogen und Frauen, eben um Sex, Drugs & Rock`n`Roll. Und vor allem um die komplizierten Beziehungen der Musiker untereinander: dem exzentrischen Sänger Fran, dem sensiblen Robbie und den künstlerisch hochtalentierten Zwillingen Trez und Sean.
Das alles liest sich wie die typische Biographie einer typischen Band der damaligen Zeit. So wie man sich das wilde Musikerleben eben vorstellt. Und so richtig Überraschendes bietet der Roman daher kaum, aber dafür ist er streckenweise sehr witzig geschrieben. Beispielsweise gibt es eine lustige Aufzählung ungewöhnlicher Schimpfwörter von pickelwarziger Trottel über aalgesichtiger Sadist bis wandelnder Hüttenkäse. Und für popinteressierte Zeitgenossen ist das Buch alles andere als Käse, sondern ein netter nostalgischer Spaß. Dass der 1963 geborene Autor, der bisher schon mehrere erfolgreiche Romane über seine Heimat Irland verfasst hat, nun über Musik geschrieben hat, ist auch nicht überraschend: Seine jüngere Schwester ist die bekannte Sängerin Sinead O’Connor.
Joseph O’Connor:? Die wilde Ballade vom lauten Leben, S. Fischer, 416 Seiten, 22,99 Euro.

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Mordshunger – Verbrechen und andere Delikatessen: Wilder Westen

Fernsehfilme wie der ZDF-Provinzkrimi „Mordshunger – Verbrechen und andere Delikatessen: Wilder Westen“ haben durchaus ihre Vorteile. Man kann, während sie über den Bildschirm flimmern, beispielsweise die Küche putzen, den Flur saugen oder endlich mit der schon mehrfach angemahnten Steuererklärung beginnen, ohne dass man dadurch irgendetwas Wesentliches verpasst. Um die Handlung zu verstehen, reicht es halt, wenn man alle 20 Minuten mal kurz in Richtung Fernseher schaut oder im Hintergrund die zäh dahinplätschernden Dialoge verfolgt. Und da der von Marcus Weiler inszenierte Film (Drehbuch: Jörg von Schlebrügge, Mika Kallwass) zudem völlig spannungsfrei ist, ist selbst Bügeln im Vergleich dazu eine richtig nervenaufreibende Tätigkeit.
Dabei müssen Provinzkrimis nicht automatisch provinziell wirken. Es gibt auch im Fernsehen immer mal wieder durchaus amüsante oder sogar aufregende Beispiele. So sorgen die ZDF-„Spreewaldkrimis“ stets für beste Krimiunterhaltung und in der ARD sind die Allgäu-Krimis um Kommissar Kluftinger fast immer sehenswert. Nicht zuletzt wegen ihrer wunderbar eigensinnigen Ermittler, die sich meist mit originell gezeichneten provinziellen Dickschädeln herumschlagen müssen.
Aber auch mit seinen Figuren hat dieser ZDF-Krimi nicht viel zu bieten, bis auf einen Ziegenbauern (Sebastian Bezzel), der sich als verklemmter Fußfetischist erweist. Was dann alle in diesem Film, mit dem das ZDF die 2013 ausgestrahlte „Mordshunger“-Mini-Serie fortsetzt, lustig finden. Ansonsten gibt es jedoch nicht viel zu lachen. Und selbst unfreiwilliger Humor bleibt einem leider erspart. Im Mittelpunkt des witzlosen Geschehens stehen zwei Geschwister: Hauptkommissar Max Janssen (Aurel Manthei) und seine große Schwester Britta (Anna Schudt), die in einem fiktiven Dorf ein Gasthaus betreibt, aber sich gern in die Ermittlungen ihres Bruders einmischt. Aus unerfindlichen Gründen. Vielleicht hat sie ja in ihrer Jugend gern Agatha-Christie-Krimis gelesen. Oder sie ist Fan von Inspektor Columbo.
Egal. Jedenfalls haben die Zwei einen zumindest anfangs mysteriösen Fall zu lösen: Ein 17jähriges Mädchen ist spurlos verschwunden. Ihr Motorroller wird dann am Rande eines Maisfeldes gefunden. Offenbar hat sie einen Unfall gehabt. Oder sie ist das Opfer eines Verbrechens geworden. Dann meldet sich die Verschwundene plötzlich überraschend per SMS bei ihren Eltern, der Fall scheint also geklärt. Doch da weiß der Zuschauer längst, dass das Mädchen von einem Unbekannten in einem Keller gefangen gehalten wird. Und zum Glück ermittelt die gute Britta weiter.
Das klingt allerdings spannender als die Geschichte in Wirklichkeit ist. So gibt es in dem ganzen Film eigentlich nur zwei Personen, die als Verdächtige in Frage kommen: Der schon erwähnte Ziegenbauer und der Nachtclubbetreiber Ben (Stephan Luca), der sich aber recht schnell als netter Kerl entpuppt. Spätestens als er mit unserer Britta eine heiße Liebesaffäre beginnt. Los geht’s damit übrigens mitten in der Gasthausküche. Und zumindest der ansehnliche Luca darf dabei ein bisschen nackte Haut zeigen, was dann womöglich die weiblichen Zuschauer für kurze Zeit vom Bügeln, Putzen oder beim Erstellen der Steuererklärung ablenken wird.
Und es gibt sogar eine tolldreiste Actionszene: eine Verfolgungsjagd quer durch den Hühnerstall. Wovon die betroffenen Hühner bestimmt heute noch gackern, wenn sie nicht längst im Suppentopf gelandet sind. Der Rest ist Schweigen.

ZDF, 18.05.2015, 20:15 Uhr

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Elvis lebt

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Große Momente

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Nette Pannen

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TV-Kritik: Wer Wind sät. Ein Taunuskrimi

Was für ein heilloses Durcheinander! Und wer die Vorlage, den gleichnamigen Roman der Bestsellerautorin Nele Neuhaus, nicht kennt, der versteht lange Zeit nicht, worum es in dem bereits fünften Teil der ZDF-Reihe „Taunuskrimi“ eigentlich geht. Was allerdings auch kaum verwundert, da Neuhaus’ Geschichten stets ungemein komplex, dabei bisweilen sehr ausschweifend erzählt, zudem thematisch überfrachtet sind. Und sie sich daher kaum in das 90minütige Korsett eines Fernsehfilms zwingen lassen. Vielleicht auch ein Grund, dass der geplante sechste Teil dieser Reihe gleich als Zweiteiler gedreht werden soll.
Jedenfalls bekommen im aktuellen Fall, „Wer Wind sät“, Regisseur Marcus O. Rosenmüller und seine Drehbuchautorin Anna Tebbe die Geschichte nie in den Griff. In dem von ihnen angerichteten filmischen Chaos geht dann leider auch das bekannte Neuhaus’ Ermittlerduo Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) und Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) völlig unter und bleibt bis zum ziemlich abrupten Schluss erschreckend blass. Dabei haben sie eigentlich alle Hände voll zu tun, den Überblick zu behalten.
In einer hessischen Niederlassung einer Windenergie-Firma wird der Nachtwächter tot aufgefunden. Die Umstände seines Todes sind äußerst mysteriös. Bei ihren Ermittlungen stoßen die beiden Kommissare auf eine ganze Reihe von Verdächtigen, darunter auch den windigen Firmenchef (Rainer Sellien) und dessen zwielichtigen Gegenspieler (Aleksandar Tesla), den Vorsitzenden einer Bürgerinitiative, die sich im Taunus gegen die Errichtung eines Windparks wehrt. Als dann kurz danach noch ein alter Bauer (Bernd Stegemann), der selbst für einen Millionen-Betrag nicht seine Wiese an die Firma verkaufen will, brutal ermordet wird, wird der Fall für die Kommissare erst richtig kompliziert. Und für den Zuschauer sowieso.
Neben den eigentlichen Mordfällen geht es nämlich noch um einen korrupten und natürlich fremdgehenden Meteorologen, der für die besagte Firma ein gefälschtes Gefälligkeitsgutachten erstellt hat. Um ein geklautes Patent für Windanlagen. Um einen Mordversuch mittels Brandstiftung. Um die kompliziert tragischen Familiengeschichten der beiden Ermordeten. Um eine verruchte Frau (Nadeshda Brennicke), die einen pubertierenden Jüngling verführt. Worauf der wiederum … ach, geschenkt! Und ob das nicht alles schon kompliziert genug wäre, tut sich auch bei den Kommissaren so einiges.
So hat sich die gute Pia offenbar während eines China-Urlaubs verlobt, spricht aber offenbar nicht gerne drüber. Und Kollege Oliver ist von seiner Frau verlassen wurden, woran er ganz schön – auch finanziell – zu knapsen hat. Dennoch gönnt er sich eine Affäre ausgerechnet mit einer von der Polizei gesuchten Verdächtigen (Ulrike C. Tscharre), während sein Vater von dem ermordeten Bauern die millionenschwere Wiese geerbt hat. Was ja auch nicht ganz ohne ist für seinen ermittelnden Sohn. Ach ja, und dann ist da noch der Gerichtsmediziner, der sich aus irgendwelchen Gründen freut, dass er nicht der Vater eines frisch gezeugten Kindes ist.
Das alles wäre Stoff genug für eine ganze stürmische TV-Serie. Und ist so in nur 90 Minuten erzählt einfach nur ein vom Winde verwehtes Durcheinander. Bei dem womöglich selbst der geheimnisvoll allwissende Rabe, der in der ersten halben Stunde immer mal wieder für ein bisschen gespenstische Atmosphäre sorgt, nicht weiterhelfen kann, wenn er denn sprechen könnte. Kann er natürlich nicht. Daher ist der Film wirklich nur etwas für Nele-Neuhaus-Kenner. Und für Gegner der Windkraft, die immer schon wussten, woher bei dieser Energieform in Wirklichkeit der Wind bläst.

ZDF, 04.05.2015, 20:15 Uhr
ZDF, 07.05.2015, 20:15 Uhr

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