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Posts Tagged ‘Bär’

Tatort – Ohnmacht

Am Schluss – der Abspann läuft bereits – schlägt Ohnmacht endgültig blutig in Gewalt um. In einer kurzen beklemmenden Szene, die beim Zuschauer lange nachwirkt. Und wohl auch Anlass sein wird für manch aufgeregte Diskussion über einen „Tatort“, der ungemein viele Fragen aufwirft, aber keine billigen Antworten oder Erklärungen liefert und der gerade deswegen so unbequem, sperrig und ehrlich ist. Dabei ist die Geschichte für die beliebte Krimi-Reihe keineswegs neu, beispielsweise erinnert die Ausgangssituation stark an den Berliner-„Tatort – Gegen den Kopf“, der erst vor einem Jahr ebenfalls einen Totschlag in einer U-Bahn thematisiert hat.

In dem jetzt gesendeten Kölner-Fall „Ohnmacht“ wird am späten Abend ein Jugendlicher in einer U-Bahn-Station von anderen Heranwachsenden grundlos überfallen, zusammengeschlagen und schwer verletzt. Hauptkommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), der nach einem Feierabendbier mit seinem Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) an Gebhards bekannter heimelicher Imbissbude (ja, sie ist nach zweimaliger „Tatort“-Abstinenz wieder da!) zufällig Zeuge dieses Vorfalls wird, mischt sich sofort ein. Daraufhin wird er ebenfalls angegriffen und schließlich auf die Gleise vor einen gerade hereinrollenden Zug gestoßen. Während Ballauf wie durch ein Wunder sich im letzten Moment leicht lädiert retten kann, ergreifen die Schläger erfolgreich die Flucht.

Dennoch werden die Haupttäter bereits am Tag darauf ermittelt. Es sind der erst 17-jährige Kai Göhden (Robert Alexander Baer), der wegen diverser Delikte für die Polizei kein Unbekannter ist, und die gleichaltrige Janine Bertram (Nadine Kösters). Beides Kinder aus gutem Haus, die sofort die Schuld clever auf ihr Opfer schieben. So erklärt Janine, dass der junge Mann sie sexuell belästigt und Kai ihr daher nur geholfen habe. Auch Ballauf wird von den beiden und später sogar im Internet beschuldigt, sich bei dem Vorfall wie ein betrunkener Schläger aufgeführt zu haben. Und diese Verteidigungsstrategie zeigt durchaus Wirkung auf die ermittelnden Behörden und Beamten.

Doch nicht die eigentliche Tätersuche ist das Spannende an dem Fall, sondern die zahlreichen kleinen und überraschenden Wendungen, die die Geschichte nimmt. Dabei kommen immer neue Aspekte ins Spiel, die anschließend von den ermittelnden Beamten mühsam auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden müssen. Doch neben dieser normalen „Tatort“-Arbeit hat der von Thomas Jauch nach einem Drehbuch von Andreas Knaup inszenierte Film noch eine ganz besondere emotionale Qualität: Er beschreibt ein System der Ohnmacht, eine unglaubliche Hilflosigkeit aller Betroffenen und der damit befassten Institutionen, die auch den Zuschauer schnell erfasst. Weder Eltern noch Polizei oder Justiz wissen, wie sie auf einen Fall reagieren sollen, in denen Jugendliche aus reinem Spaß an der Gewalt handeln, ja letztlich sogar zu Totschlägern werden. Und zusätzlich erschwert wird dies, da die sonst gängigen Motive für eine solch brutale Tat sich auf die Täter scheinbar nicht anwenden lassen. Was schließlich den Betroffenen bleibt, ist pure Resignation. Und ohnmächtige Wut, die dann in diesem Film selbst in Gewalt mündet.

Aber bei aller Schwere und Tristesse, es gibt zum Glück noch eine heitere Personalie: Das Assistenten-Casting beim Kölner-„Tatort“ geht weiter! Nachdem zuletzt Patrick Abozen den Aushilfs-Assi von Ballauf und Schenk gespielt hat, ist nun in gleicher Position Lucie Heinze als Miriam Häslich zu sehen, die ähnlich wie ihr Vorgänger für frischen Wind in diesem eingespielten Team sorgt. Und bereits beim nächsten Fall bewirbt sich dann die Berlinerin Kathrin Angerer für diesen offenbar gefragten Serien-Job. Ob am Schluss auch die Zuschauer an der Wahl beteiligt werden, bleibt allerdings abzuwarten.

ARD, 11.05.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 11.05.2014, 21:45 Uhr / Eins Festival, 11.05.2014, 23:45 Uhr
ARD, 13.05.2014, 00:35 Uhr

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Tatort – Trautes Heim

Nichts ist unmöglich. Und wenn das eigentlich Unmögliche zudem so selbstverständlich erzählt wird wie in diesem Kölner-„Tatort“ mit dem wunderbar ironischen Titel „Trautes Heim“, dann reibt man sich als Zuschauer anfangs zwar verwundert die Augen und verfolgt dann die Geschichte jedoch zunehmend fasziniert. Sie führt uns zu Beginn in eine offenbar heile Mittelstandsfamilie: Vater, Mutter und Kind verabschieden sich morgens herzlich. Der Vater Roman Sasse (Barnaby Metschurat) fährt zur Arbeit, der Sohn Lukas geht zum Fußballtraining und Simone Schäfer (Alma Leiberg), die Lebensgefährtin von Roman, kümmert sich um den Haushalt. Auf dem Weg zur Arbeit wird der Junge dann jedoch von zwei Gangstern in einem Transporter entführt. Ein Zeuge verfolgt auf seinem Motorrad das Tatfahrzeug, wird dabei von ihm überrollt und stirbt.

Als die beiden Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) am Tatort erscheinen, beginnt für die Ermittler das große Rätselraten: Ist der Motorradfahrer nur zufällig zum Opfer geworden? Wer entführt das Kind einer Familie, die keineswegs wohlhabend ist? Und handelt es sich womöglich um die Tat von kriminellen Päderasten? Als wenig später das Fluchtfahrzeug gefunden wird und darin das Handy des Jungen, wird die Sache noch merkwürdiger. Das Telefon ist auf den Namen Ruth Junghanns (Sandra Borgmann) registriert, eine Frau, die bei ihrer polizeilichen Vernehmung glaubhaft beteuert, einen Lukas Schäfer gar nicht zu kennen.

Auch Ruth Junghanns führt in einem „trauten Heim“ das Leben einer gutsituierten Mittelstandsfamilie mit Sohn und Ehemann. Und dann nimmt die Geschichte eine unglaubliche Wendung: Wie sich bei den Ermittlungen bald herausstellt, spielt in beiden ach so intakten Familien Roman Sasse den Vater und Ehemann. Er lebt mal zwei Wochen bei der einen, dann bei der anderen. Möglich macht dies eine straff organisierte Terminplanung und eine Alibi-Agentur, die beim Verschleiern bei beispielsweise Seitensprüngen trickreich hilft. Und die es so ähnlich, wie ein Blick ins Internet beweist, wirklich gibt.

Dieser Roman Sasse ist in diesem „Tatort“ also ein großer Lügner und geschickter Betrüger, doch für ihn ist das Ganze unglaublich selbstverständlich. Wie er bei den Befragungen sagt, liebe er halt beide Familien, will sich von keiner trennen. Und wie Metschurat diese schwierige Rolle spielt, glaubt man diesem Bigamisten und spürt sogar ein wenig Verständnis für seine Tat.

Aus diesem ungewöhnlichen Stoff (Drehbuch: Roland Heep, Frank Koopmann) bezieht der von Christoph Schnee inszenierte Film seine Spannung, während der eigentliche Entführungsfall zur Nebensache gerät und dann am Schluss auch eher beiläufig gelöst wird. Was nicht weiter stört. Was allerdings ein wenig nervt, ist die übertriebene Dialoglastigkeit des Films. Anstatt den Bildern und den guten Schauspielern zu vertrauen, wird vieles zusätzlich wortreich erläutert. Und das nimmt dem Film oft das nötige Tempo. – Alles in allem dennoch ein sehenswerter Fall aus Köln, der sogar ohne den sonst dort üblichen Sozial-Touch auskommt.

ARD, 21.04.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 21.04.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 21.04.2013, 23:45 Uhr
ARD, 23.04.2013, 00:35 Uhr

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Kampf mit dem Bären

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Der aufrechte Gang

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