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Posts Tagged ‘Filmkritik’

Kritik: Betty Anne Waters

Die neue Erin Brockovich trägt den Namen Betty. Auch der Film von Tony Goldwyn („Männerzirkus“), der mit vollem Titel „Betty Anne Waters“ heißt, basiert genau wie das Julia-Roberts-Drama auf einer wahren Begebenheit, auf dem Kampf einer Frau gegen die zähen Windmühlen der amerikanischen Justiz. Die Titelrolle spielt Hilary Swank, die bereits zweimal den Oscar gewonnen hat für „Boys don’t cry“ (2000) und „Million Dollar Baby“ (2005) und die auf starke Frauenrollen abonniert zu sein scheint. Auch in diesem Film zeigt sie kaum einmal Schwächen, sondern ist vom Anfang bis zum Ende von ihrer Aufgabe überzeugt. Ja, sie wirkt und agiert sogar ein bisschen zu perfekt, zu ungebrochen in ihrer Rolle.

Swank ist die Kellnerin Betty, deren Bruder Kenny (Sam Rockwell) Anfang der Achtziger des Mordes an seiner Nachbarin schuldig gesprochen wird. Er leugnet zwar die grausame Tat, doch die Indizien sprechen gegen ihn. Dennoch ist Betty auch weiterhin von seiner Unschuld überzeugt. Und setzt sich nun engagiert für seine Freilassung ein. Um ihn irgendwann als zukünftige Anwältin freizubekommen, besucht sie die Abendschule und absolviert erfolgreich ein Jura-Studium. Gut zwei Jahrzehnte dauert ihr Kampf, bei dem ihre Ehe in die Brüche geht und sie ihre beiden Kinder vernachlässigt, bis sie schließlich am Ziel ist.

Was diese Frau aus der „White-Trash“-Unterschicht alles auf sich nimmt, um ihren Bruder legal zu befreien, ist tatsächlich beeindruckend. Und der Film versucht in zahlreichen Rückblenden Bettys Motive und Antrieb zu beleuchten. So haben die beiden Geschwister von frühster Kindheit an ein wirklich inniges, liebevolles Verhältnis gehabt, haben zusammen auch den größten Blödsinn angestellt, wurden wegen ihres kaputten Elternhauses schließlich voneinander getrennt, ein äußerst schmerzhafter Vorgang. Und sind dann in zwei unterschiedlichen Pflegefamilien aufgewachsen. Gleichwohl blieb die enge Beziehung zwischen den beiden bestehen, auch im späteren Erwachsenenalter. Und dass diese Beziehung so glaubhaft wirkt, ist wohl die größte schauspielerische Leistung des Duos Swank und Rockwell.

In diesem Film gibt es zudem ein Wiedersehen mit zwei Schauspielerinnen, die komischerweise seit Jahren von der Bildfläche fast verschwunden sind: mit Minnie Driver („Good Will Hunting“), die Bettys Busenfreundin spielt, und Juliette Lewis („Natural Born Killers“), die Kenny ans Messer geliefert hat und in ihrer Rolle extrem viel Mut zur Hässlichkeit beweist. Und zusammen mit Swank geben diese beiden Frauen dem Film eine angenehm weibliche Note. Natürlich ist auch „Betty Anne Waters“ in erster Linie ein Justizdrama, wie es Hollywood gern und oft erzählt, was ja nicht weiter schlimm ist. Wenn das Schauspielerensemble so gut agiert wie in diesem Fall. Und wenn so überzeugend gezeigt wird, wie schnell die Todesstrafe auch völlig Unschuldige töten kann.

 

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Kritik: Der Adler der neunten Legion

Sie sind einfach nicht totzukriegen: die Sandalenfilme! Und zur Zeit gibt es sogar wieder eine kleine Welle aus historischen Streifen, in denen Römer, Gladiatoren und Barbaren im Mittelpunkt stehen. Im Fernsehen waren dies in den letzten Jahren die opulente Serie „Rome“ und ihr Ableger „Spartacus“, ankündigt ist fürs Kino eine Neuverfilmung von „Cleopatra“ mit Angelina Jolie in der Titelrolle, leider bei uns nur auf DVD ist kürzlich das sehenswerte Historienabenteuer „Centurion“ erschienen und jetzt startet in unseren Kinos „Der Adler der neunten Legion“ nach dem gleichnamigen Jugendroman von Rosemary Sutcliff.

Regie führt der Brite Kevin Macdonald, der unter anderem „Der letzte König von Schottland“ inszeniert und früher als Dokumentarfilmer gearbeitet hat. Was man auch diesem Film anmerkt, der sehr historisch detailgetreu in Szene gesetzt worden ist. Und dessen Bildersprache durch den üppigen Einsatz der Handkamera zudem einen beinah authentischen Charakter besitzt. Auch die Handlung selbst schont den Zuschauer nicht: es gibt für eine Jugendbuchverfilmung ungewöhnlich gewalttätige Szenen. Und dass der Held des Films, einfach weil es offenbar sein muss, ein Kind tötet, ist für unsere Sehgewohnheiten schon ein wenig schockierend.

Die Geschichte selbst spielt im Norden Englands. In dieser Gegend verschwand aus nicht genau geklärten Gründen im Jahre 120 nach Christus die neunte römische Legion samt ihrer Standarte, einem Adler. Und genau dort tritt nun 20 Jahre später Marcus Flavius Aquila (Channing Tatum), ein junger römischer Centurio, seine Dienstzeit an als Garnisonskommandant. Er ist der Sohn des letzten Befehlshabers der verschwundenen Legion und will nun mit seinem Einsatz die Ehre seines Vaters wiederherstellen. Als er das Gerücht hört, dass die Standarte im wilden Schottland bei feindlichen Stämmen wieder aufgetaucht ist, macht er sich mit seinem Sklaven Esca (Jamie Bell, jugendlicher Hauptdarsteller in „Billy Elliot“) umgehend dorthin auf den Weg. Und das ist dann der Beginn eines sehenswerten Abenteuers, das auch die Beziehung dieser beiden Männer untereinander grundlegend verändern wird.

 

 

Kurzkritik: Freundschaft Plus

Die Natalie-Portman-Festspiele in unseren Kinos gehen weiter. Nach den Dramen „Brothers“ und „Black Swan“ ist die heiße Oscar-Anwärterin nun in kürzester Zeit bereits in einem dritten Film zu sehen, in der Liebeskomödie „Freundschaft Plus“, die von dem Regie-Routinier Ivan Reitman („Ghostbusters“) inszeniert worden ist. Und die immerhin gut eine Stunde lang durchaus frische und unterhaltsame Töne anschlägt, bis sie leider im üblichen Hollywood-Kitsch ertränkt wird. Portman spielt darin die junge Ärztin Emma, die sich in eine Jugendbekanntschaft neu verkuckt, in den smarten Mädchenschwarm Adam, der vom Jungstar Ashton Kutcher („Valentinstag“) verkörpert wird.

Angeblich will Emma aber nur reinen Sex von ihm, Zeit für Gefühle, behauptet sie, habe sie in ihrem stressigen Beruf nicht. Adam wird von dieser Einstellung zwar überrascht, stimmt aber schließlich zu und steht nun gleichsam auf Abruf stets für eine schnelle Nummer bereit. – Gezeigt wird dies für eine amerikanische Produktion ungewöhnlich keck und zuweilen auch frech, beispielsweise wenn Emma dem liebestollen Vater (Kevin Kline) von Adam vorschwärmt, was für eine tolle Nummer sein Sohn im Bett sei. Das ist sogar richtig witzig, doch leider entdeckt die gute Emma gegen Ende ihre „wahren“ Gefühle. Was dann zumindest für den Zuschauer alles andere als lustig ist. Schade!

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Kurzkritik: Tucker & Dale vs. Evil

Dass Splatter-Filme auch saukomisch sein können, hat vor einigen Jahren bereits das englische Zombie-Massaker „Shaun Of The Dead“ bewiesen. Ein Film, in dem auf schwarzhumorigste Weise die Untoten mit Schrotflinten und Billard-Queues endgültig ins Jenseits geschickt werden. Ähnlich amüsant und für Horror-Fans wohl auch einer der besten Komödien des Jahres ist „Tucker & Dale vs. Evil“. Das Regiedebüt des Amerikaners Eli Crag, das bereits mit Erfolg auf einschlägigen Festivals gelaufen ist – unter dem neugeprägten Etikett „Splatstick“, eine Mischung aus Splatter und Slapstick.

Doch in aller erster Linie zeigt der Film, welche mörderischen Konsequenzen eingefahrene Vorurteile, kulturelle Missverständnisse und mangelnde Kommunikation haben können. Also ein eigentlich ernsthaftes Anliegen, das aber äußerst lustig und haarsträubend absurd verpackt ist. Los geht’s wie in einem typischen Genrefilm: Eine Gruppe College-Studenten fährt übers Wochenende zur Freizeit in die tiefste Provinz, trifft dort auf zwei Hinterwäldlertypen, Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine), die sich aus Sicht der Jugendlichen irgendwie komisch verhalten, ja, wie Mörder aus einem Horror-Movie erscheinen.

Aber es kommt noch schlimmer. Tucker und Dale, in Wirklichkeit zwei herzensgute Typen (und toll aufspielende Komiker), verbringen ihr Wochenende ausgerechnet ganz in der Nähe der Studenten. Schnell kommt es zu einem ersten Clash of Civilizations – pardon – zu einer ersten Konfrontation, bei dem es gleich Tote gibt. Und dann beginnt das große – unfreiwillige! – Gemetzel. Szenen, bei denen das Blut zwar kübelweise vergossen wird, die aber so komisch inszeniert sind, dass kein Ekel aufkommt und man stattdessen herzhaft lachen kann und muss. Ein köstlicher Spaß!

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Kritik: Love and other Drugs

Das Nennen des Namens von realen Firmen oder Produkten ist in deutschen Filmen fast ein Tabu. Aus Gründen der Schleichwerbung oder weil man eine Klage der Betroffenen befürchtet. Ganz anders in den USA, wo das Recht auf freie Meinungsäußerung kaum Einschränkungen kennt, und man daher gewohnt ist, Ross und Reiter zu nennen. Das ist jetzt auch der Fall in Edward Zwicks Film „Love and other Drugs“, der zumindest anfangs recht herb und bisweilen amüsant satirische Kritik übt an den Praktiken der Pharmaindustrie und den der Pharmareferenten, die offenbar alles tun, um ihre Pillen teuer an den Mann und die Frau zu bringen.

Der Film basiert auf dem 2005 erschienenen Bestseller „Hard Sell: The Evolution of a Viagra Salesman“, in dem Jadie Reidys erzählt, was er selbst als Pharmavertreter erlebt und durchlitten hat. Und Reidys hat nicht nur jede Menge seiner Bücher verkauft, sondern wurde von seiner Firma sofort entlassen. Nun hat sich Hollywood diesem Thema angekommen, und das Ergebnis ist nicht gerade überzeugend, weil dem Film trotz seiner guten Akteure vor allem die Gradlinigkeit fehlt und er sich in viel zu vielen Randepisoden hoffnungslos verstrickt.

Die Geschichte spielt Mitte der Neunziger Jahre. Jamie (Jake Gyllenhaal) hat gerade wegen einer Liebesaffäre seinen Job als Fernsehverkäufer verloren und versucht sich nun als Pharmareferent. Kein leichter Job, die Konkurrenz ist groß. Und seine Praktiken sind dabei nicht besonders schön. Seine Kunden, die Ärzte, spielen sich als Halbgötter auf, die von widerborstigen Sprechstundenhilfen beäugt werden. Und manchmal geht es in diesem Business auch richtig handgreiflich zur Sache – bis sich alles schlagartig ändert durch den Siegeszug von Viagra, das Leuten wie Jamie gleichsam aus den Händen gerissen wird.

Erzählt wird dieser Haupt-Handlungsstrang durchaus witzig, zuweilen ein bisschen tragikomisch und manchmal auch ein wenig albern. Doch dann wird aus dieser kritischen Geschichte eigentlich unnötigerweise eine typische Liebesromanze. Jamie lernt nämlich die Künstlerin Maggie (Anne Hathaway) kennen, die im Anfangsstadium unter Parkinson leidet. Und aus dieser anfangs rein sexuellen und überraschend freizügig gezeigten Beziehung wird alsbald die große Liebe mit allem was an Kitsch, Tränen und Liebesschwüren in Hollywood dazugehört. Bis zum zuckersüßen Happyend.

 

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Kritik: Der Auftragslover

Der deutschsprachige Titel ist mal wieder ziemlich daneben. Gemeint ist mit „Der Auftragslover“ ein professioneller Herzensbrecher, der Frauen verführt. Aber nicht – wie es heißt – um ihre Beine, sondern ihre Augen zu öffnen, auf dass sie sich dann von ihrem missratenen Partner trennen. Ein ungewöhnlicher Job, den Alex in Pascal Chaumeils romantischer Komödie höchst professionell ausführt mit Unterstützung seiner Schwester (Julie Ferrier) und ihres Mannes (François Damiens), die zuvor jeweils die Vorzüge und Schwächen seiner Opfer penibel ausspionieren. Wie professionell Alex dabei vorgeht, wird gleich in der ersten Viertelstunde dieses französischen Kinohits eindrücklich demonstriert in einer Parade seiner besten Tricks und Finten. Und die Aufträge bekommt unser smarter Profi-Gigolo von den Eltern, Freunden oder Kindern der zu verführenden Frauen – und seine Geschäfte laufen offenbar bestens.

Dennoch ist aus eigentlich unerklärlichen (und unerklärten) Gründen Alex gerade finanziell völlig abgebrannt. Daher nimmt er einen Job an, den er sonst nie übernommen hätte; und zwar ein Paar, das sich wirklich liebt und glücklich ist, mit seinem vollen Körpereinsatz zu trennen. Auf Wunsch des wohlhabenden Vaters, der die kurz bevorstehende Eheschließung seiner Tochter Juliette mit Jonathan so verhindern möchte. Alex schlüpft also in Monaco (!) in die Rolle eines Leibwächters von Juliette, macht sich routiniert wie immer an die Verführungsarbeit. Doch dann geschieht ein Riesenunglück: Er verliebt sich Hals über Kopf in sein Opfer, was der Kinozuschauer allerdings genau so längst erwartet hat.

Denn wirklich alles in diesem Film folgt den üblichen Gesetzen des Genres. So finden sich beispielsweise Juliette und Alex anfangs zutiefst unsympathisch, um sich anschließend umso mehr zu lieben. Auch die Gags und Kalauer haben oft schon einen langen Bart. Und das Frauenbild, das der Film vermittelt, ist auch nicht mehr besonders frisch. Dennoch spielen nahezu alle Akteure mit einem solch ungewöhnlichen Schwung und Einsatz, dass man selbst über gestandene Witze noch lachen muss. Und einige Einfälle – wie ein wunderbares „Dirty Dancing“-Zitat – sind tatsächlich richtig lustig. Ein wenig enttäuschend ist allerdings Vanessa Paradis, die gut zehn Jahre zu alt ist für die Rolle der Juliette und dabei auch noch oft arg müde agiert. Während Romain Duris als Titelheld vom Typ her eigentlich kein klassischer Gigolo ist, diese Rolle dafür aber umso erfrischender und schamloser verkörpert.

 

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Kritik: Rapunzel – Neu verföhnt

Ungewöhnlich bescheiden gibt sich der Walt-Disney-Konzern. Nur kurz taucht im Vorspann des Films eine 50 auf, und das bleibt dann bis zum Ende der einzige Hinweis auf ein stolzes Jubiläum. „Rapunzel – Neu verföhnt“ ist nämlich der 50 Animationskinofilm des Konzerns. Eine Erfolgsgeschichte, die mit einer Schneewitchen-Verfilmung 1937 begann, dann so bekannte Filme hervorgebracht hat wie „Bambi“ (1942), „Cinderella“ (1950), „Dornröschen“ (1957) oder „Die Schöne und das Biest“ (1991). Geschichten, mit denen zahlreiche Generationen groß geworden sind. Und die jahrzehntelang auch einfach zur Vorweihnachtszeit dazugehörten wie das Weihnachtsmärchen im Stadttheater.

Nun also „Rapunzel“ (Regie: Byron Howard, Nathan Greno), das nur in wenigen Motiven an das bekannte Märchen erinnert. Und vielmehr ein unterhaltsames „Best of“ aus Disney-Filmen bietet. Mal wieder gibt es also ein wunderschönes Schloss, eine bildhübsche Prinzessin (deutsche Stimme: die Sat1-„Wanderhure“ Alexandra Neldel), die einen genauso hübschen Verehrer (Moritz Bleibtreu) hat. Und natürlich eine bezaubernde Kulisse. Was nicht fehlen darf sind eingängige, zuweilen zuckersüße Songs und urkomische Randfiguren – hier das Chamäleon Pascal und das Pferd Maximus, das sich aufführt wie ein Polizeihund. Und diese beiden lustigen Figuren sorgen dann dafür, dass auch erwachsene Zuschauer ihr Vergnügen an dem märchenhaften Geschehen haben.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht natürlich besagte Rapunzel, eigentlich eine Prinzessin, die aber als Kind von einer bösen Zauberin entführt wurde. Und nun mitten im Wald in einem Turm lebt. Ihr besonderes Kennzeichen ist ihr meterlanges goldenes Haar, das dem, der es streichelt, ewige Jugend verspricht. Und alles geht seinen gewohnten Gang bis zu dem Tag, an dem plötzlich sich ein junger Dieb ausgerechnet in dem Turm vor Häschern des Königs verstecken möchte, sich dabei in die mittlerweile 18-jährige Rapunzel verliebt, die nur einen Traum hat, frei zu sein. Und das gönnen wir ihr doch von Herzen!

 

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