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Posts Tagged ‘Fritz Karl’

Inspektor Jury – Der Tote im Pub

Der Hexer hat zumindest Mitschuld: Seit der beliebten Edgar-Wallace-Reihe (1959 bis 1972) versucht sich das deutsche Fernsehen immer wieder mal an vermeintlich typisch britischen Stoffen, die dann jedoch komischerweise vorwiegend mit deutschsprachigen Schauspielern inszeniert werden. Was bisweilen nicht nur bei anglophilen Zuschauern zu einem heftigen Kulturschock führt. Das neuste Beispiel liefert nun das ZDF mit „Inspektor Jury – Der Tote im Pub“. Wobei die Vorlage allerdings nicht von einem Engländer stammt, sondern von der 1931 geborenen amerikanischen Autorin Martha Grimes. Seit 1981 hat die Literaturprofessorin insgesamt 22 Inspektor-Jury-Romane verfasst, die im Original alle nach real existierenden Pubs (hier: „The Man With a Load of Mischief“) benannt sind. Und deren klassische Machart an Agatha Christie erinnert.

Den sehr britischen Ermittler Richard Jury spielt der Österreicher Fritz Karl. Er wird als bester Mann Scotland Yards in die südenglische Provinz geschickt. Ins idyllische Bilderbuch-Dörfchen Long Piddleton, wo er nicht nur mit erstaunlich trinkfesten Einwohnern, sondern natürlich mit einer seltsamen Mordserie konfrontiert wird: Unbekannte Besucher des Ortes sind scheinbar grundlos dahingemeuchelt und ihre Leichen vom Mörder gleichsam theatralisch präsentiert wurden.

Verdächtig ist fast jeder in Long Piddleton: der Wirt des Gasthofes, der nicht so recht in die provinzielle Umgebung zu passen scheint. Der Antiquitätenhändler, der früher mit Drogen gehandelt hat. Die hübsche Vivian (Julia Brendler), die an ihrem kurz bevorstehenden Geburtstag ein Millionenvermögen erbt. Oder der reiche spleenige Adelige Melrose Plant (Götz Schubert), der hochintelligent ist und daher das unglaubliche Kunststück fertigbringt, das Kreuzworträtsel der „Times“ in unter 15 Minuten zu lösen. Und auch seine aus den USA stammende Tante (Katharina Thalbach) ist nicht ganz ohne.

Bei seinen Ermittlungen kommt unser Inspektor, der sich wie die meisten großen Detektive der Vergangenheit vor allem auf seinen Instinkt verlässt, dennoch nicht so recht weiter. Eine große Hilfe ist auch sein Assistent nicht: Sergeant Wiggins (Arndt Schwering-Sohnrey), der furchtbar verschnupft und oft damit beschäftigt ist, auf seinem Laptop bei Doktor Google nach neuen Krankheitsbildern zu fahnden. So durchforstet Jury schließlich die Vergangenheit seiner Hauptverdächtigen und hat bald tatsächlich eine heiße Spur.

Wer es ein wenig altmodisch mag, also auf schrille Töne, schnelles Tempo und schrullige Typen gern mal verzichtet, der wird sich von diesem „Inspektor Jury“ gut unterhalten fühlen. Und dass typisch britische Charaktere von deutschsprachigen (und durchweg gut aufspielenden) Mimen verkörpert werden, stört nur anfangs ein wenig. Inszeniert hat die gleichwohl ziemlich antiquiert wirkende Geschichte Regisseur Edzard Onneken zum Glück mit leichter Ironie. Und bisweilen greift er sogar zu parodistischen Mitteln, wenn beispielsweise im örtlichen Pub immer dieselbe ältere Frau wie selbstverständlich betrunken vom Barhocker fällt. Oder genüsslich längst überwunden geglaubte Klischees präsentiert werden, die dann jedoch im Film gleich witzig kommentiert werden.

Über den leicht melancholisch wirkenden Titelhelden erfährt man jedoch in diesem ersten Fall, dem womöglich weitere ZDF-Verfilmungen folgen werden, nicht allzu viel. Die Vergangenheit dieses offenbar überzeugten Einzelgängers, die sich im Verlauf der Inspektor-Jury-Reihe als sehr bewegt erweisen soll, wird völlig ausgeblendet. Was ein wenig schade ist. Allerdings ahnt man schon hier, dass unser Inspektor und der kauzige Millionär Melrose mal dicke Freunde werden. Und den Anstoß dazu liefert – auch das vermutlich typisch britisch – ein heftiges Trinkgelage. Cheers!

ZDF, 27.01.2014, 20:15 Uhr

TV-Kritik: Unter Feinden

Dass es um deutsche Polizisten schlecht bestellt ist, weiß mittlerweile jeder, der regelmäßig Fernsehkrimis schaut. Und wie sein letzter Fall kürzlich gezeigt hat, benötigt selbst der einst so große TV-Macho Schimanski inzwischen Hilfe, um eine simple Tür einzutreten. Mit Lars Beckers Krimi „Unter Feinden“, der mehr an klassische französische oder amerikanische Polizistenfilm erinnert als an gängige „Tatort“-Kost, erlebt diese polizeiliche Befindlichkeitsschau nun einen neuen, höchst dramatischen und in ihrer Ehrlichkeit ziemlich schmutzigen Tiefpunkt.

Hauptkommissar Kessel, der in einer namenlosen und ziemlich gesichtslosen Großstadt seinen Dienst versieht, ist psychisch wie physisch völlig am Ende. Selbst eine Entziehungskur hat bei ihm nicht geholfen. Er ist wieder auf Droge, leidet unter Entzugserscheinungen, macht aber dennoch irgendwie seinen Job zusammen mit seinem langjährigen Partner Driller. Als sie nachts in ihrem Auto nach einem libyschen Kriegsverbrecher fahnden, beobachten sie zufällig jugendliche Drogendealer. Plötzlich stürzt Kessel, der am ganzen Körper zittert, nach draußen, schnappt sich einen der Dealer, nimmt ihm Heroin ab. Und nur mit Mühe kann ihn sein Partner wieder ins Auto zerren.

Und dann nimmt die Tragödie ihren Lauf: Als die beiden Kommissare schnell den Schauplatz dieses seltsamen Zwischenfalls verlassen wollen, stellt sich einer der Jugendlichen ihrem Auto in den Weg. Und panisch überfährt Kessel den Dealer, der danach schwer verletzt auf der Straße liegt. Driller muss sich nun entscheiden: Hilft er seinem Kollegen oder tut er seine polizeiliche Pflicht? Und er entscheidet sich für Kessel, versucht also mit ihm diesen Zwischenfall zu vertuschen. Doch da haben die zwei die Rechnung ohne die engagierte Staatsanwältin Soraya Nazari (Melika Foroutan) gemacht, die das Ganze zur Chefsache erklärt, höchst unangenehme Fragen stellt und mit ihrem islamischen Migrationshintergrund wohl die erste „Kopftuch-Staatsanwältin“ im deutschen Fernsehen ist. Allerdings wirkt diese Rolle in ihrer verbissenen Ernsthaftigkeit doch arg überzeichnet.

Schließlich mischt in dieser Verfilmung des gleichnamigen Romans von Georg Martin Oswald auch noch die Familie des erwähnten und mittlerweile inhaftierten libyschen Kriegsverbrechers mit, die sehr gut über den tödlichen Unfall informiert ist und jetzt versucht, Kessel zu erpressen. Lars Beckers Bulle ist also wirklich ein armes Schwein. Und Fritz Karl, der gerade im Kino auch singend in dem neuen deutschen Heimatfilm „Im weißen Rössl“ zu sehen ist, ist in dieser Rolle kaum wiederzuerkennen. So kaputt, so verzweifelt wirkt sein Kessel. Ja, er ist ein unbehauster Typ, der auch noch das Unglück magisch anzuziehen scheint. Und als er gegen Ende dann doch scheinbar seinen Hals aus der Schlinge gezogen hat, setzt der für seine Ironie bekannte Regisseur („Nachtschicht“) einen richtig tiefschwarzhumorigen Schlusspunkt. Gut ergänzt wird Karl durch seinen Partner, dem Burgschauspieler Nicolas Ofczarek, dessen Driller eher eine unscheinbare Figur ist, die kleinbürgerlich ängstlich versucht, seine heile Familien- und Freundeswelt zu schützen. Doch das soll ihm nicht gelingen. Ob leider oder ganz zu Recht – das muss dann der Zuschauer selbst entscheiden.

Arte, 15.11.2013, 20:15 Uhr 
Arte, 05.12.2013, 02:25 Uhr

 

Kritik: Trau niemals Deiner Frau

Das Leben von Niklas (Harald Krassnitzer) und Carolin (Lisa-Maria Potthoff) scheint in allerbester Ordnung zu sein. Die beiden Wiener Geschäftsleute sind glücklich verheiratet, wohnen in einer schmucken Altbauvilla. Er betreibt ein eingesessenes Juweliergeschäft, sie eine schicke Modeboutique. Doch eines Tages steht plötzlich Carolins ehemaliger Verlobter Timo (Fritz Karl) vor der Tür, und beide verbindet ein dunkles Geheimnis. In Hamburg haben sie einst gemeinsam zahlreiche Einbrüche begangen, dann hat sie sich von ihm gerade noch rechtzeitig getrennt, er ist bald daraufhin ins Gefängnis gewandert. Und frisch aus dem Knast entlassen, fordert er jetzt von ihr 100000 Euro Schweigegeld.

Dann wird es richtig kompliziert. Wie der Zuschauer von Lars Beckers Krimikomödie „Trau niemals Deiner Frau“ erfährt, ist Niklas Schmuckladen in Wirklichkeit völlig pleite. Und auch dieser Timo, den Carolin als ihren Cousin vorgestellt hat, kommt ihm irgendwie verdächtig vor. Er beauftragt daher einen Detektiven, der schnell die Wahrheit über Timo und Carolin aufdeckt. Und da hat der Juwelier eine folgenreiche Idee. Er bietet dem ehemaligen Ganovenpärchen einen Deal an: Timo soll seinen Laden überfallen. Er bekäme dann die Beute und Niklas das Geld von der Versicherung. Und so beginnt tatsächlich ein gefährliches Spiel um Betrug, Lügen und Intrigen.

Ein Spiel, das aber dank des intelligent konstruierten Drehbuchs von Detlef Michel bis zum Ende durchaus amüsant anzuschauen ist und das dann auch noch mit einer hübschen Schlusspointe die Zuschauer überrascht. Inszeniert hat die Geschichte der in Hannover gebürtige Regisseur („Bunte Hunde“, „Nachtschicht“) im Stil einer altmodischen leicht klamaukigen Boulevard-Komödie. Was dabei jedoch ziemlich stört, ist das bewusst übertrieben komödiantische Spiel der Akteure. Das wirkt ziemlich antiquiert. Und trübt den Spaß an dem ansonsten netten Film.

ZDF, 18.12.2012, 20:15 Uhr

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