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Posts Tagged ‘Krassnitzer’

TV-Kritik: Tatort – Unvergessen

Armes Kärnten! So schlecht drauf war Moritz Eisner noch nie. In seinem 30. „Tatort“-Fall „Unvergessen“ hat es den Wiener Chefinspektor des österreichischen Bundeskriminalamts nach Kärnten verschlagen, und dort geht ihm nun wirklich alles schrecklich auf die Nerven. Für ihn sind die Einheimischen ewiggestrige Hinterwäldler, die Fremde misstrauisch beäugen. Vor allem wenn sie aus der fernen Großstadt Wien kommen und in der braunen Vergangenheit dieser Region herumstochern. Die Volksmusik, die man in Kärnten pflegt, ist für ein Eisner nur ein schreckliches Gedudel. Und als er am Schluss nach einem tollen Showdown den Täter  gestellt hat, dreht unser Chefinspektor ihm plötzlich den Rücken zu, sagt gelangweilt: „Sie sind festgenommen.“ Und geht angewidert davon. Ein ganz starker Auftritt!

Ein Land, das solch schlechtgelaunten Polizisten hat, braucht sich um seine Komödianten nicht zu sorgen. Sie finden hier genügend Stoff. Und Harald Krassnitzer zeigt als Moritz Eisner, dass er über sehr viel komödiantisches Talent verfügt. Dass ihm in dieser Rolle nicht nur eine Laus, sondern gleich eine ganze Elefantenherde über die Leber gelaufen ist, hat natürlich seinen Grund. Ihn erfährt der Zuschauer gleich am Anfang, der so schnell und kompakt inszeniert ist, dass man ihn auf keinen Fall versäumen sollte: Bei einer privaten Reise nach Kärnten wird Eisner offenbar Zeuge eines Verbrechens. Er ruft über Funk Kollegen um Hilfe. Wird kurz darauf auf einem Parkplatz eines Steinbruchs von hinten in den Kopf geschossen, landet mit einem Geschosssplitter im Gehirn auf der Intensivstation und leidet von nun an, auch noch nach seiner Entlassung, unter Amnesie.

Da er sich nicht mehr erinnern kann, was zu diesem bösen Zwischenfall geführt hat, fährt er nach diesem aktionsreichen Schnelldurchlauf auf eigene Faust von Wien aus an den Ort des Geschehens. Er will dort trotz seines angeschlagenen Gesundheitszustand der Wahrheit auf den Grund gehen. Er befragt Leute, die ihm aber auch nicht helfen können – oder wollen. Und besucht natürlich den besagten Steinbruch. Unterstützt wird er bei diesen privaten Ermittlungen von seiner Assistentin Bibi Fellner (wunderbar: Adele Neuhauser), die ihrem Chef besorgt nachgereist ist und sich nun richtig empathisch um ihn kümmert.

Erst von einer Supermarkt-Kassiererin bekommt er schließlich den entscheidenden Tipp. Sie erinnert sich, dass er vor Wochen bei ihr Rosen und eine Flasche Champagner gekauft hat. Und nach den Weg zu einer Berghütte gefragt hat. In der besagten Hütte kann sich dann der Chefinspektor an die Journalistin Maja erinnern, mit der er dort verabredet gewesen ist. Und mit der vor Jahren ein Verhältnis gehabt hat. Die weiteren Ermittlungen ergeben dann, dass die Journalistin in dieser Gegend für eine Reportage recherchiert hat. Dabei ging es um ein grausames Verbrechen, dass die SS dort kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs begangen hat. Und von dem man heute nichts mehr wissen will. Kurz danach wird Majas Leiche im Kofferraum ihres Autos gefunden, das im See des Steinbruchs versenkt worden ist.

Was an dem folgenschweren Tag genau geschehen ist, bleibt jedoch lange Zeit auch für den Zuschauer ein spannendes Rätsel. Es wird erst nach und nach in diesem rundum gelungenen ORF-„Tatort“ gelöst. Inszeniert und geschrieben hat diesen überraschungsreichen Film Christiane Hörbigers Sohn Sascha Bigler, der dabei gekonnt beweist, dass man ein schweres Thema wie hier die Verbrechen der SS in einem Krimi behandeln kann, ohne dass dies aufgesetzt wirkt. Kurzum: Eine sehenswerte Reise ins schöne Kärnten!

ARD, 20.05.2013, 20:15 Uhr 
ARD, 21.05.2013, 01:10 Uhr

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Kritik: Tatort – Zwischen den Fronten

Februar 16, 2013 1 Kommentar

Für Freunde von gepflegten Verschwörungstheorien ist dieser ORF-„Tatort“ ein rechter Augenschmaus. Dabei scheint der Fall anfangs eindeutig zu sein: Am Rande einer UN-Konferenz in Wien explodiert eine Bombe. Der Anschlag hat offenbar einem amerikanischen Diplomaten gegolten, der jedoch unverletzt bleibt. Getötet werden dagegen ein Polizist und der vermeintliche Täter. Ein junger Österreicher irakischer Abstammung und Aktivist einer radikalen Internet-Bürgerrechtsorganisation, der als Gast auf der Konferenz hat sprechen sollen und in dessen Auto die angeblich von ihm gezündete Bombe versteckt gewesen ist. Und der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei dem Attentat um einen Selbstmordanschlag mit – natürlich! – islamistischem Hintergrund gehandelt hat.

Dieser Meinung ist auch schnell die eigens gegründete Task Force, die gebildet worden ist aus Beamten des österreichischen Bundeskriminalamtes (BKA) und des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Geleitet wird diese Spezialeinheit von dem hohen BVT-Mann Fred Michalski (gespielt wird dieser „Herr Magister“ von dem bekannten Wiener Kabarettisten Alfred Dorfer) sowie der Majorin Melanie Warig (Susanne Wuest). Und da der Fall ja klar zu sein scheint, hofft man die Ermittlungen schnell abschließen zu können.

Doch der BKA-Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die in untergeordneter Position der Task Force angehören, sind völlig anderer Meinung. Besonders Eisner vermutet, dass die wahren Gründe des Anschlags in einem Eifersuchtsdrama liegen. Und zudem spielt für ihn der BVT-Mann und strammrechte Hardliner Michalski eine zwielichtige Rolle. Dieser will offenbar das Attentat für eigene politische Ambitionen nutzen und wird dabei von einflussreichen  Kreisen unterstützt, die sich gerade für verschärfte Sicherheitsgesetze einsetzen. Irgendetwas ist also faul an der ganzen Geschichte – zumindest für Eisner.

Und tatsächlich wird in dem „Tatort – Zwischen den Fronten“ ein richtig pralles Verschwörungsszenario entwickelt, das anfangs für den Zuschauer zwar etwas arg verwirrend ist, aber dann von dem Regisseur Harald Sicheritz spannend aufgedröselt wird. Außerdem hat er die Geschichte (Drehbuch: Verena Kurth) selbst zum Glück nicht bierernst genommen und entsprechend dann inszeniert. So wirkt der eigentliche Komplott übertrieben abstrus, die dafür Verantwortlichen sind herrlich überzeichnet, ja bisweilen haben sie etwas von finsteren Bilderbuch-Verschwörern. Und das sich im Film entwickelnde Kompetenzgerangel zwischen BKA und BVT wird komisch auf die Spitze getrieben. So läuft beispielsweise in den vermutlich verwanzten Diensträumen Eisners stets extrem laut ein Radio, um dadurch das Abhören zu erschweren. Oder Einsatzbesprechungen werden gleich auf dem Dach des BKA-Gebäudes geführt.

Doch besonders unterhaltsam ist das Auftreten von Eisner und Fellner. Lange hat es nicht einen so grantigen TV-Kommissar zu sehen gegeben, der diesmal sogar einen schrecklich unsympathischen Verdächtigen mit der Faust niederstreckt. Angesichts dieses handgreiflichen Wiener Schmähs bleiben seiner Assistentin, die immer noch den komischen schwarzen Pontiac Firebird ihres Freundes Inkasso-Heinzi fährt, oft nur noch sarkastische Kommentare: „Na, heut kannst du’s aber mit den Frauen“. Und beide Ermittler sind inzwischen so gut aufeinander eingespielt, dass man als Zuschauer nur begrüßen kann, dass sie zukünftig statt wie bisher vier fünf TV-Fälle in zwei Jahren bearbeiten dürfen.

ARD, 17.02.2013, 20:15 Uhr 
ARD, 19.02.2013, 00:35 Uhr

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Kritik: Trau niemals Deiner Frau

Das Leben von Niklas (Harald Krassnitzer) und Carolin (Lisa-Maria Potthoff) scheint in allerbester Ordnung zu sein. Die beiden Wiener Geschäftsleute sind glücklich verheiratet, wohnen in einer schmucken Altbauvilla. Er betreibt ein eingesessenes Juweliergeschäft, sie eine schicke Modeboutique. Doch eines Tages steht plötzlich Carolins ehemaliger Verlobter Timo (Fritz Karl) vor der Tür, und beide verbindet ein dunkles Geheimnis. In Hamburg haben sie einst gemeinsam zahlreiche Einbrüche begangen, dann hat sie sich von ihm gerade noch rechtzeitig getrennt, er ist bald daraufhin ins Gefängnis gewandert. Und frisch aus dem Knast entlassen, fordert er jetzt von ihr 100000 Euro Schweigegeld.

Dann wird es richtig kompliziert. Wie der Zuschauer von Lars Beckers Krimikomödie „Trau niemals Deiner Frau“ erfährt, ist Niklas Schmuckladen in Wirklichkeit völlig pleite. Und auch dieser Timo, den Carolin als ihren Cousin vorgestellt hat, kommt ihm irgendwie verdächtig vor. Er beauftragt daher einen Detektiven, der schnell die Wahrheit über Timo und Carolin aufdeckt. Und da hat der Juwelier eine folgenreiche Idee. Er bietet dem ehemaligen Ganovenpärchen einen Deal an: Timo soll seinen Laden überfallen. Er bekäme dann die Beute und Niklas das Geld von der Versicherung. Und so beginnt tatsächlich ein gefährliches Spiel um Betrug, Lügen und Intrigen.

Ein Spiel, das aber dank des intelligent konstruierten Drehbuchs von Detlef Michel bis zum Ende durchaus amüsant anzuschauen ist und das dann auch noch mit einer hübschen Schlusspointe die Zuschauer überrascht. Inszeniert hat die Geschichte der in Hannover gebürtige Regisseur („Bunte Hunde“, „Nachtschicht“) im Stil einer altmodischen leicht klamaukigen Boulevard-Komödie. Was dabei jedoch ziemlich stört, ist das bewusst übertrieben komödiantische Spiel der Akteure. Das wirkt ziemlich antiquiert. Und trübt den Spaß an dem ansonsten netten Film.

ZDF, 18.12.2012, 20:15 Uhr

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