Archiv

Posts Tagged ‘München’

Tatort: Gestern war kein Tag

Juni 2, 2011 1 Kommentar

Es ist eines der großen Medien- und Talkshow-Themen der letzten Wochen gewesen: Demenz, eine Alterskrankheit, die durch den Selbstmord des schillernden Unternehmers Gunter Sachs plötzlich mal wieder ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt ist. Und die nun auch im Mittelpunkt des Münchner „Tatorts: Gestern war kein Tag“ (Regie: Christian Görlitz) steht. Dabei werden auf fürwahr ungewöhnliche Weise Fragen und Probleme aufgeworfen, mit denen sich in Zukunft die Gesellschaft und damit auch die Polizei wohl notgedrungen öfter beschäftigen müssen. Kein Wunder, bei derzeit schon ungefähr 1,2 Millionen Demenz-Kranken in Deutschland. Und jährlich gibt es zudem einen Anstieg, so dass nach Schätzungen bald mehr als 10 Prozent aller Menschen über 70 Jahre bei uns von der Krankheit betroffen sein werden.

Tatort ist in diesem 59. Fall aus Bayern eine Münchener Vorort-Siedlung. Dort lebt und arbeitet schon seit Jahrzehnten der Glasermeister Max Lasinger (Günther Maria Halmer), ein Spezialist für alte Kirchenfenster. Und dorthin werden eines Tages die beiden Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) gerufen. In Lasingers Werkstatt liegt erschlagen Bernd, der Sohn des alten Herren. Und dieser behauptet nun, dass er seinen Sohn nicht erkannt, für einen Einbrecher gehalten und in einem kurzen heftigen Kampf getötet hat. Eine unglaubliche Geschichte, die dennoch wahr sein könnte. Lasinger leidet nämlich angeblich unter fortschreitender Demenz. Ein riesiges Problem für die kleine hochverschuldete Familie seiner Schwiegertochter Karin (Johanna Gastdorf), die schon länger von ihrem Mann getrennt lebt und sich um den kranken Max mehr schlecht als recht kümmern muss.

Für die beiden Kommissare (und für den Fernsehzuschauer) stellen sich nun gleich mehrere spannende Fragen: Ob beispielsweise der Alte seinen Sohn wirklich nicht erkannt oder er womöglich einen lichten Moment gehabt hat und sich nun mit seiner Krankheit herausreden möchte? Macht es überhaupt Sinn, einen Demenz-Kranken zu vernehmen? Gibt es so etwas wie „Pseudo-Demenz“? Und – ein bisschen pragmatischer – was macht eigentlich Karins Versicherungskarte in der Werkstatt und wer ist die geheimnisvolle Dana, die der Alte zufällig erwähnt? Die Ermittlungen gestalten sich jedenfalls äußerst schwierig, nicht zuletzt weil die Familie in ihrer Verzweiflung zusammenhält und mit der vollen Wahrheit nicht herausrücken möchte. Doch dann führt die Spur die Kommissare zu einer jungen Bulgarin, die Max Lasinger illegal gepflegt hat und nun verschwunden ist.

Es werden also wieder einmal in einem „Tatort“ große schwere Themen aufgeworfen von Überalterung bis Pflegenotstand. Gleichwohl ist der durchweg ernste Film, der auf die sonst üblichen Kabbeleien der Kommissare verzichtet, sehenswert. Besonders weil die Geschichte mit gleich mehreren originellen Einfällen aufwartet, zudem glaubhaft realistisch erzählt wird und mit Johanna Gastdorf und Günther Maria Halmer zwei herausragende Akteure mitwirken. Und Halmer agiert so überzeugend, dass man bis kurz vor Schluss nicht weiß, wie krank der von ihm gespielte Glasermeister ist. Und ob der tatsächlich lügt.

Tatort: Gestern war kein Tag, ARD, Sonntag, 5. Juni, 20.15 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , ,
%d Bloggern gefällt das: