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Posts Tagged ‘Oststadt’

Lokales: Ruhe endlich!

Endlich! Geschafft!! Das Gerüst an der Oststädter Dreifaltigkeitskirche wird abgebaut. Und wer wie ich in der direkten Nachbarschaft wohnt, wird erleichtert aufatmen. Mehr als zwei Jahre dauern bereits die nach einem Steinschlag notwendigen Renovierungsarbeiten an der ehrwürdigen Kirche. Zuerst war der Turm dran, dann die Seite des Kirchenschiffs, auf die wir schauen. Und nun ist offenbar die andere Seite an der Reihe, aber das kann mir ziemlich egal sein. Schließlich ist für uns das Schlimmste an Lärm und Baustaub ja erst einmal vorbei.

Und morgens schaut auch kein Fremder mehr in mein Schlafzimmer und auf mein Bett. Wie neulich erst, als ich morgens aufwachte und meinen verschlafenen Augen nicht traute: Ganz oben auf dem Dach des Kirchenschiffs saß ein Mann, während ein anderer im Stil von Spider Man gerade dabei war nach oben zu kraxeln. Solch einen Anblick muss man um die Uhrzeit erst einmal verkraften.

Aber das Schlimmste war, wie gesagt, das laute Gehämmer, die unerträglichen Bohr- und Schleifgeräusche, die mal wieder die alte Handwerkerweisheit „Lärm ist morgens in der Früh am schönsten“ bestätigten. Und bisweilen hatte man als Nachbar den Verdacht, ein Abriss des alten Gemäuers und anschließender Neubau wäre uns für erträglicher gewesen. Und außerdem gibt’s ja längst diese ganz praktischen Kirchen, die man bei Bedarf, besonders zu Weihnachten und zur Konfirmation, aufblasen kann.

Doch was soll’s, wir haben es geschafft. Dachte ich! Denn kürzlich rückte ein paar Häuser weiter ein Straßenbaukommando an, das nun jeden Morgen eine ohrenbetäubende und –mordende Maschine anwirft. Und langsam hab ich die Vermutung, die zuständigen Ämter und beteiligten Firmen unternehmen wirklich alles, damit der Hannover 2011 verliehene Titel „Lauteste Großstadt der Republik“ bloß nicht in Gefahr gerät. Dazu passen ja auch die Straßenreinigungsfahrzeuge der Stadt, deren Lärmpegel einem jedes Mal wieder das Gefühl vermittelt, mitten auf einem Truppenübungsplatz zu wohnen.

Zeit ist Geld

August 16, 2011 1 Kommentar

Wer in der hannoverschen Oststadt in direkter Nachbarschaft zur Dreifaltigkeitskirche wohnt, der lebt mitten im Chaos. Einem gemächlichen zwar, eben nach Art unseres beschaulichen Stadtteils, aber dennoch geschehen hier seit einiger Zeit Dinge, die man erst einmal verkraften muss. Begonnen hatte alles vor rund zwei Jahren mit gefährlichem Steinschlag an unserer Kirche, der eine totale Renovierung der Außenfassade samt Turm notwendig machte. Dazu wurde dann ein richtig aufwendiges Gerüst gebaut, anschließend das Gebäude mit großen weißen Planen verhängt. Und da auch der Turm verhüllt wurde, war die Kirchenuhr plötzlich nicht mehr zu sehen, was zumindest mein Leben völlig durcheinanderbrachte. Ich hatte mich so daran gewöhnt, von unserem Haus aus im Lauf des Tages regelmäßig auf die Turmuhr zu schauen, dass ich nun eine Zeitlang weiterhin automatisch nach oben guckte – vergeblich. Und um mir diese liebe Gewohnheit abzugewöhnen, brauchte es Wochen und die Anschaffung einer Armbanduhr.

Aber ich bin nicht der Einzige, den die verhüllte Kirchturmuhr verwirrt hat. Wie ich einem Gemeindebrief der Dreifaltigkeitskirche entnehmen durfte, war tatsächlich ein Sprayer auf das Gerüst der Kirche bis nach ganz oben geklettert. Und hatte dann auf der Uhr in ungelenken Buchstaben – war wohl schon dunkel – die Botschaft hinterlassen: Zeit ist Geld. Was im Allgemeinen und im konkreten Fall der Kirchenrenovierung natürlich stimmt.

Jedenfalls wird nun schon seit Monaten tagaus, tagein an der Kirchenfassade gearbeitet, mit Höllenwerkzeugen und einem Höllenlärm, der bereits morgens kurz nach sieben Uhr beginnt und meist erst am Nachmittag gegen 16 Uhr endet. Ein Lärm, der so nervt und mir bisweilen auch den Schlaf raubt, dass ich bereits über eine Reduzierung der Kirchensteuer nachgedacht habe. Schließlich hat man ja in ähnlichen Fällen von Baulärm auch Anspruch auf eine Mietminderung. Aber vielleicht lädt ja auch unser netter Pastor nach Beendigung der Bauarbeiten die betroffenen Bürger als kleinen Schadensersatz zu einem üppigen Festmahl ein. Gerecht wäre das schon.

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CeBIT-Tagebuch – Die Welt von morgen von der Oststadt aus gesehen (3)

Nicht nur Messemenschen. Nein, jedem, der diese Tage durch unsere Stadt stolziert, schlurft oder einfach nur geht, fällt es sofort auf: Hannover hat sich gar wundersam geschmückt, um in seinem feinsten Kostüm seine Gäste zu empfangen. Wo vorher Grau war, glänzt es jetzt beinahe gülden. Und wo zuvor Banales aufs einfache norddeutsche Gemüt drückte, frohlocken nun hellste Töne. Auch und erst recht auf unseren zentralen Innenstadtplätzen wie dem Steintor, dessen alltägliche Schönheit rund um die Uhr von der Cam „LangeLaube2“ ins warme Licht gerückt wird.

(Gegen tumbe Leere zeigt Hannover Flagge)

Fünf Fahnen sehen wir, die versuchen, den Platz in ein strahlend weiß-rotes Licht zu tauchen, um die tumbe Leere dieses Ortes und seine garstige Unwirtlichkeit zu verscheuchen. Vergeblich zwar. Aber ein Versuch war es wert. Und – Hand aufs Herz – wer denkt bei solch einem Schauspiel gleich an Abschied: „Ich muss abgewrackt werden!“ Schließlich ist sogar das Dach noch „für Werbung frei“:

wird fortgesetzt … Strafe muss sein.

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