Archiv

Posts Tagged ‘peter hahne’

Selbstkritik

Beim Online-Versandhändler Amazon kann jeder Kritiker spielen und Buchrezensionen veröffentlichen. Ein Service, der für potentielle Leser bei der Kaufentscheidung recht hilfreich sein kann, der aber leider auch höchst einfach zu missbrauchen ist. Schließlich weiß keiner, wer sich hinter den meist anonymen Online-Kritiken wirklich verbirgt. Dies haben bereits vor Jahren Leser des Satire-Magazins „Titanic“ genutzt, um auf Amazon teilweise absurde, manchmal aber auch witzige Schmähkritiken zu veröffentlichen. Und die Ergebnisse ihrer „Arbeit“ sind dann in einem Online-Forum veröffentlicht wurden.

So heißt es beispielsweise zu Peter Hahnes damaligen Bestseller „Leid. Warum lässt Gott das zu?“: „Jeder von uns kennt es. Manche begleitet es ein Leben lang: Fußpilz. Vaginalkrämpfe. Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus. Ja, und sogar Peter Hahne selber, sowie seine Fernsehsendungen, können für uns ohne weiteres eine Quelle von `Leid` darstellen. …“ Und zu Martin Heideggers „Vom Wesen der Wahrheit“: „Heideggers Buch liegt zum einen äußerst unangenehm in der Hand – die Schwere der Gedanken gravitiert aus der Sphäre der Metaphysik ins schlicht Daseiende. Man will es gar nicht aufmachen; versucht man es doch, schneidet man sich an den überraschend scharf coupierten Seiten des Produkts den Daumen. Bei Gott, das blutet ja. …“

Über solch einen Nonsens kann man den Kopf schütteln oder herzhaft lachen. Gar nicht lustig dagegen finden englischsprachige Krimiautoren wie Lee Child, Val McDermid oder Ian Rankin das Vorgehen ihres britischen Kollegen RJ Ellroy. Der bekannte Krimiautor soll, obwohl er es längst nicht mehr nötig hat, Kritiken bei Amazon veröffentlicht haben. Ebenfalls unter anderem Namen! Und er soll nicht nur seine eigenen Bücher gelobt, sondern auch die von ungeliebten Kollegen verrissen haben. Und Ellroy ist angeblich kein Einzelfall. Nun haben die schon erwähnten Autoren ein Statement veröffentlicht, in dem sie solch ein Vorgehen scharf verurteilen, weil es letztlich dem Verlagswesen schade. Das mag eine Spur zu dramatisch sein, dennoch sollten anonyme Möchtegernkritiker wie Ellroy und Co. nicht vergessen, dass es nicht ganz zu Unrecht heißt: Eigenlob stinkt!

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , ,
%d Bloggern gefällt das: