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Polizeiruf 110 – Wolfsland

Dezember 15, 2013 1 Kommentar

Selten zuvor hat ein einziger Gastauftritt in einem „Tatort“ für so viel Aufmerksamkeit gesorgt. Nicht nur in den Sozialen, sondern auch in den klassischen Medien. Das Kunststück hat vollbracht der Theater-Schauspieler Fabian Hinrichs, der vergangenes Jahr im Münchener-„Tatort“ wunderbar komisch den nervtötenden Gastermittler Gisbert gespielt hat. Und sein plötzlicher Fernsehtod nach knapp einer Stunde hat für so viel Wirbel gesorgt, dass der Bayrische Rundfunk ihn wohl auch deswegen als Kommissar für den geplanten neuen Franken-„Tatort“ verpflichtet hat. Aber bis das so weit ist, können Gisbert-Fans ihn nun in dem Brandenburger „Polizeiruf 110 – Wolfsland“ erleben.

Dank Hinrichs und dank der vom Naturfilmer Sebastian Koerner – auch in der Lüneburger Heide – aufgenommenen Wölfe ist dieser Film zumindest halbwegs sehenswert, obwohl ihm leider die für einen Krimi nun mal notwendige Spannung fast völlig fehlt und sich viel zu schnell gepflegte Langeweile breitmacht. Die Geschichte handelt vom Rückkehr der Wölfe und den damit einhergehenden Ängsten der Menschen. Tatort ist die tiefste brandenburgische Provinz, die hier wie eine beinahe klassische Western-Landschaft ausschaut. Dorthin werden die Potsdamer Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und der Polizeihauptwachmeister Krause (Horst Krause) wegen eines Mordes gerufen. Doch das vermeintlich menschliche Opfer entpuppt sich als getöteter Wolf, für den die Mordkommission natürlich nicht zuständig ist.

Doch dann fallen Schüsse auf den Bauwagen des vom Lande bezahlten Wolfbeobachters Stefan Waldner (Hinrichs), einem Sonderling, der wegen seines Eintretens für die wenig geliebten Tiere von den Einheimischen misstrauisch beobachtet wird. Verdächtig sind viele beispielsweise der örtliche Vorsitzende des Jagdvereins, die Schlossherrin von Taupitz und ihr Jagdaufseher. Als letzterer wenig später erschlagen im Wald aufgefunden wird, haben die Potsdamer Ermittler bald den Verdacht, dass es bei dieser Tat nicht nur um die Wölfe geht.

Was dann folgt, sind schier endlose Verhöre, die leider alles andere als aufregend sind. Und wenn mal nicht geredet wird, sieht der Zuschauer die Kommissarin, wie sie mit ihrem Dienstwagen quer durch die brandenburgische Prärie fährt – von Verdächtigen zu Verdächtigen, um mit denen dann wieder schier endlos zu reden. Tempo ist in dem von Ed Herzog nach einem Drehbuch von Rainer Butt inszenierten Film ein Fremdwort. Und für den für einen ARD-Sonntagskrimi offenbar obligatorischen Witz sorgt allein ein Waschbär, der sich im Potsdamer Kommissariat einquartiert hat, um nun dort fröhlich durch die Decke zu pieseln. Zu sehen ist das allerdings nicht. Was irgendwie schade ist.

ARD, 15.12.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 15.12.2013, 21:50 Uhr / ARD, 17.12.2013, 00:35 Uhr

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Polizeiruf 110 – Die Gurkenkönigin

April 14, 2012 5 Kommentare

Der Spreewald ist nicht nur ein hübscher Landstrich in der Nähe Berlins, sondern offenbar immer für einen Mord gut. Das beweist das ZDF ja nachhaltig mit seinen durchweg spannenden Spreewald-Krimis und nun auch die ARD mit ihrem neusten „Polizeiruf 110 – Die Gurkenkönig“. Wie der Titel verrät, handelt der von Ed Herzog inszenierte Film auch vom sogenannten grünen Gold des Ostens: den Gurken. Und von einem Vampir. Tatsächlich!

Solch ein Blutsauger überfällt anfangs die Gurkenfabrikantin Luise König in ihrer Fabrik, fesselt sie, schüttet Benzin aus und entzündet ein Feuerzeug. Doch bevor alles samt der „Gurkenkönigin“ in Flammen aufgeht, ist Polizeihauptmeister Krause (Horst Krause) gerade noch rechtzeitig zur Stelle, der in einem – angesichts seiner Leibesfülle! – wahnsinnigen Stunt die drohende Brandkatastrophe abwehren kann. Dabei aber seine Dienstwaffe verliert, mit der der als Vampire kostümierte Täter dann spurlos verschwindet.

Bei so einem skurrilen Fall (Drehbuch: Wolfgang Stauch) kommt selbst ein ansonsten unerschütterlicher Typ wie Krause ins Grübeln. Aber er ist natürlich nicht der einzige Ermittler in diesem Film. Wer die Krimi-Reihe öfter sieht, weiß, dass Krauses Potsdamer Vorgesetzte, die Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon), sich in der letzten Folge in den Schwangerschaftsurlaub abgemeldet hat. Doch beim verantwortlichen RBB mag man’s zumindest im Fernsehkrimi offenbar weiblich. Und so wurde als einmaliger Ersatz und Gast Sophie Rois verpflichtet, die nun die Kommissarin Tamara Rusch spielt. Eine wie allein ihr falsches Schuhwerk zeigt eingefleischte Städterin, die es nun in die tiefste Provinz verschlagen hat. Und sie macht ihren Job so gut, dass man sich weitere Krimi-Einsätze mir ihr wünscht. Zuvor hat sie übrigens schon einmal im österreichischen „Tatort“ an der Seite von Harald Krassnitzer eine Ermittlerin gespielt. Und auch mit Horst Krause hat die gebürtige Österreicherin bereits vor langer Zeit vor der Kamera gestanden: 1994 in Detlev Bucks Roadmovie „Wir können auch anders“.

Doch hier bereitet ihr nicht nur ein falscher Vampir Kopfzerbrechen, sondern die Überfallende selbst verhält sich einfach komisch, ja, scheint sich für die Hintergründe des Überfalls überhaupt nicht zu interessieren. Und da sie am nächsten Tag ihren 50. Geburtstag feiert, beschließen Rusch und Krause auch gegen den Willen der Gastgeberin an dem Fest teilzunehmen. Dabei werden sie dann mit einer Festgesellschaft konfrontiert, die es wahrlich in sich hat. Es gibt uralte Intrigen und Betrügereien, verschmähte Liebe und heimliche Leidenschaften. Und der Zuschauer erfährt aus berufenem Munde: „Gurkenfabriken machen nicht glücklich“. Gut zu wissen.

Doch all das kann eine Tamara Rusch nicht erschüttern, die mit großer Schnauze, lockeren Sprüchen („Ich darf das. Ich bin die Polizei.“) und mit an Columbo erinnernder Hartnäckigkeit ihren Job macht. Und sich dabei vor allem mit Susanne Lothar als Gurkenkönigin witzige Rededuelle liefert. Kurzum: ein ungewöhnlich leicht und dennoch äußerst phantasievoll inszenierter Krimi, der bestens unterhält. „War doch nicht schlecht“, meint dann auch Krause am Schluss. „Es hätte auch besser gehen können“, antwortet überraschend bescheiden die ansonsten so coole Rusch.

ARD, 15.04.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 15.04.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 15.04.2012, 23:45 Uhr

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Kritik: Polizeiruf 110 – Raubvögel

März 17, 2012 2 Kommentare

Der MDR-„Polizeiruf 110“ kommt wirklich jahreszeitlich punktgenau. Während draußen langsam die Temperaturen steigen, gar ein „Turbo-Frühling“ (Kölner „Express“) angerollt ist und wohl auch die meisten Fernsehzuschauer von ersten Frühlingsgefühlen überwältig werden, zeigt der Sender einen Krimi, der in einer wunderschönen und vor allem sonnendurchfluteten Landschaft spielt: im Harzer-Vorland, rund um die Burg Falkenstein, in der idyllischen Altstadt von Quedlinburg und im Naturschutzgebiet Brekel. Das macht beim Zuschauen tatsächlich Lust auf diese Landstriche, fördert so bestimmt ein wenig auch den Tourismus im Land der Frühaufsteher (Eigenwerbung). Und es ist daher kaum zu glauben, dass dies in 16-Jahren erst der neunte Fall der beiden Herberts, also der Hallenser TV-Kommissare Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler), ist, der auf dem Land spielt.

Was allerdings dabei doch ein wenig stört, ist die Handlung des Films. Sie ist gleichzeitig so wirr und belanglos, dass der Zuschauer bisweilen den Faden der Geschichte verliert. Los geht’s, wie in nahezu allen ARD-Sonntagskrimis, mit einem Mord. Mitten im schon erwähnten Naturschutzgebiet wird nachts der Fluglehrer André Wanka mit einem Spatenhieb niedergestreckt. Seine Leiche wird von dem unbekannten Mörder dann auf ein stillgelegtes Industriegelände in Halle gebracht, wo sie am nächsten Morgen gefunden wird.

Währenddessen wird Hauptkommissar Schmücke nach einer wochenlangen Zwangspause, die er wegen einer schweren Schussverletzung (Sie erinnern sich bestimmt, liebe Leser?!) einlegen musste, von seinem Arzt wieder innendiensttauglich geschrieben. Worüber sich nicht zuletzt sein alter Kollege Schneider und die noch relativ neue Mitarbeiterin Nora Lindner (Isabell Gerschke) aufrichtig freuen. Es menschelt halt gern und viel im MDR-„Polizeiruf“. Alle drei wiedervereinigten Ermittler machen sich nun angesichts des unfreiwillig Toten an die Arbeit. Und werden dabei gleich mit ungewöhnlich vielen Verdächtigen konfrontiert.

Als Mörder und Mörderinnen kommen infrage: Wankas Lebensgefährtin Jenny Münzer (Henny Reents), eine Falknerin, die sich mit dem Ermordeten zuvor heftig gestritten hat. Jennys Bruder, der, wie sich bald herausstellt, auch die sprichwörtliche Leiche im Keller oder besser: in der Scheune hat. Der Spediteur Adamski, der mit ihm vermutlich ein illegales Geschäft am Laufen gehabt hat. Wankas ehemalige Ehefrau Maria (Esther Zimmering), der man mörderische Eifersucht durchaus zutrauen würde. Der engagierte Tierschützer Knut, der irgendwie nicht ganz koscher wirkt. Und nicht zuletzt die zwielichtigen Inkasso-Eintreiber der Hallenser-Unterwelt, die ja grundsätzlich verdächtig sind.

Um den Täter schließlich zu ermitteln, wird viel geredet. Leider auch über Dinge, die der Zuschauer sowieso sieht und nicht noch zusätzlich erläutert haben will. Und wenn nicht geredet wird, wird viel hin- und hergefahren. Das sorgt dann zumindest für schöne Bilder aus Sachsen-Anhalt. Was dem Krimi (Regie: Esther Wenger, Drehbuch: Andreas Pflüger) dagegen aber fehlt, ist das Tempo, das so beschaulich ist wie die Landschaft. Und auf originelle Einfälle ist offenbar gleich von vorneherein verzichtet wurden. Einziger Pluspunkt sind die beiden grundsympathischen Kommissare und ihre bewährten Kabbeleien. Und zweimal dürfen die zwei Herberts noch ermitteln, dann haben sie ihren 50. Fall gelöst und werden von ihrem Sender mit sanftem Druck aufs verdiente Altenteil geschickt. Was trotz dieses misslungenen Films schon ein wenig schade ist.

ARD, 18.03.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 18.03.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 18.03.2012, 23:45 Uhr

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