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TV-Kritik: Die Fahnderin

März 26, 2014 1 Kommentar

Wer regelmäßig Fernsehen schaut, weiß, dass neben Polizei-Kommissaren auch Privatdetektive, Journalisten, Anwälte, Psychologen und sogar Pfarrer den Helden in TV-Krimis spielen können. Aber Finanzbeamte? Das ist zumindest im deutschen Fernsehen mal was Neues, passt aber gerade bestens in unsere Zeit. Schließlich hat sich dank öffentlich platt getretener Steuerskandale inzwischen herumgesprochen, dass es unter anderem diesen Männern und Frauen vom Amt zu verdanken ist, dass unser Staat genügend Mittel zusammenbekommt, um Dinge zu finanzieren, von denen wir alle letzten Endes profitieren. Dass dabei auch ziemlich viel Geld in planerisch verzockte Großprojekte wie dem Berliner Flughafen fließt: Schwamm drüber!

Mit dem ARD-Krimi „Die Fahnderin“ wird jedenfalls den wackeren Finanzbeamten, denen ja leider immer noch oft etwas Miefig-Penibles anhaftet, ein filmisches Denkmal gesetzt. Und was für eins! Im Mittelpunkt steht die Steuerfahnderin Karola Kahane, die im Finanzamt Neuss arbeitet. Gespielt wird sie von unserer ewigen Diva-Hoffnung Katja Riemann, die für ihre Rolle aber optisch durch Retro-Klamotten und dunkler Perücke so verfremdet wurde, dass sie ausschaut wie eine Psycho-Killerin in einem obercoolen Film aus den 80er Jahren. Dass man sie so ausstaffiert überhaupt ernst nimmt, liegt allein an der guten darstellerischen Leistung Riemanns.

Denn trotz dieser komischen Verkleidung ist Fahnderin Kahane eine ungemein taffe Frau. Oder, wie es im Film heißt: „kompromisslos, penibel, stur und ohne jedes diplomatische Gespür“. Vor allem kennt sie in ihrem Beruf keine Tabus oder heiligen Kühe, die von Amts wegen klammheimlich geschont werden sollen. Und sie ist gerade wegen ihrer konsequenten Haltung auch in ihrem Amt eine Außenseiterin, die dann tatsächlich erst auf den zweiten Blick sympathisch erscheint. Nun ist ihr gerade eine vom Land aufgekaufte Schweizer Steuer-CD zugespielt wurden, die die Namen von Hunderten von Steuer-Hinterziehern enthält. Da ihre Mittel nicht ausreichen, um alle Fälle zu bearbeiten, pickt sich Kahane den prominentesten Namen auf der Liste heraus. In der Absicht dadurch andere Steuersünder aufzuschrecken und sie so zu einer Selbstanzeigen zu bewegen.

Ihr „Opfer“ ist Benedikt Sämann (Alexander Held). Ein einflussreicher Neusser Unternehmer, der in seiner Heimat nicht ganz zu Unrecht einen sehr guten Ruf genießt, aber seit Jahren mehrere Millionen Euro Schwarzgeld in der Schweiz besitzt. Eine erste Hausdurchsuchung bei ihm sorgt zwar für entsprechende mediale Aufmerksamkeit, führt aber nicht zu dem erhofften Erfolg. Offenbar ist Sämann zuvor gewarnt wurden. Und der Industrielle weiß sich zu wehren – auch mit illegalen Mitteln. In der Folge entwickelt sich eine verbissene Auseinandersetzung zwischen ihm und Kahane, die dabei von drei aufrechten Mitarbeitern (Albrecht Abraham Schuch, Heiko Pinkowski, Maxim Mehmet) unterstützt wird. Ein Zweikampf zwischen Goliath und vier Davids, der es wirklich in sich hat und der zudem hoffentlich nachhaltig beweist, dass ein TV-Krimi auch ohne Mord und Totschlag spannend sein kann.

Was allerdings auch daran liegt, dass Regisseur Züli Aladag und sein Drehbuchautor Stefan Dähnert den geschilderten und wohl gar nicht so unüblichen Steuerfall geschickt mit kleinen Randepisoden verknüpft und dadurch aufgelockert haben. In ihnen erfährt der Zuschauer dann vor allem viel über die Fahnderin, über ihre Beziehung zu ihrer aufmüpfigen Tochter und über ihre schwierige heimliche Liebesaffäre mit einem verheirateten Oberstaatsanwalt (Götz Schubert). Und so gibt es in diesem sehenswerten Fernsehfilm tatsächlich noch etwas Neues zu bestaunen: eine Bettszene zwischen einer deutschen Finanzbeamtin und einem deutschen Staatsanwalt. Wenn das kein Grund zum Einschalten ist …

ARD, 26.03.2014, 20:15 Uhr
ARD, 27.03.2014, 01:05 Uhr / Eins Festival, 29.03.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 30.03.2014, 01:15 Uhr / Eins Festival, 30.03.2014, 12:30 Uhr

 

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TV-Kritik: Verratene Freunde

März 14, 2013 1 Kommentar

Das moderne Leben hat so seine Tücken. „Wo geht’s denn hier rein“, fragt irritiert Heike Rogel (Barbara Auer), als sie mit ihrem Mann Andreas (Matthias Brandt) zum ersten Mal die neue Designervilla des befreundeten Bauunternehmers Peter Staude (Heino Ferch) und seiner Frau Christa (Katja Riemann) besucht. Auch das teure Hightech-Interieur des Hauses ist vom Feinsten, besitzt aber weder Charme noch Eleganz. Die beiden Ehepaare, die sich hier zum Essen treffen, sind schon eine Ewigkeit eng befreundet. Und sie haben sich im Verlauf der Jahre mit jetzt etwa Mitte 40 bürgerlich etabliert.

Heike ist Zahnärztin, ihr Andreas Schulleiter, Peter nicht nur einflussreicher Baulöwe seiner Gemeinde, sondern auch anerkannter Förderer von Behinderten-Einrichtungen. Und wird bei dieser wohltätigen Arbeit von seiner Frau Christa aktiv unterstützt. Alles scheint also in wunderbarer Ordnung zu sein, doch die nach außen so gern aufgesetzte Harmonie bekommt in dem Fernsehfilm „Verratene Freunde“ schnell Risse. Beim gemeinsamen feinsten Abendessen der beiden Paare geschieht ein Eklat. Angeschwipst wirft Christa ihrem Mann plötzlich vor, dass er ihr die neue sündhaft teure Halskette nur wegen eines Seitensprungs gekauft habe. Und schlimmer noch: Er soll sie von unterschlagenen Spendengeldern bezahlt haben, mit denen er auch den Bau des Hauses finanziert habe.

Nach diesen Vorwürfen, bei denen Peter nur mühsam seine Contenance bewahren kann, verlässt sie aufgebracht den Raum. Andreas folgt ihr, um den Streit seiner Freunde zu schlichten, erfährt dann aber von Christa Einzelheiten des vermeintlichen Betrugs ihres Mannes. Ein für den ach so integeren Schulleiter ungeheuerer Vorwurf, auf den in einem späteren Gespräch Peter lediglich abwiegelnd reagiert. Andreas fühlt sich daraufhin moralisch in der Pflicht, irgendetwas zu tun. Und gibt schließlich seine Informationen an einen Journalisten weiter. Ein Entschluss, der eine furiose Kettenreaktion freisetzt, in deren Verlauf jahrelang verdrängte Wahrheiten ans Tageslicht geraten. Die Beteiligten auf Verrat mit schlimmster Denunziation reagieren. Und an deren Ende nicht nur die Trennung der beiden Ehepaare steht.

Das klingt ziemlich bitter, ist aber in Wirklichkeit noch viel bitterer. Und bietet dennoch gute Unterhaltung auf höchstem Niveau. Besonders weil die verzwickte Geschichte so intelligent und kompakt konstruiert ist, dass man als Zuschauer das Gefühl hat, Zeuge eines spannenden Experiments in einem Beziehungslabor zu sein. Inszeniert hat diese filmische Versuchsanordnung Regisseur Stefan Krohmer zusammen mit seinem Stammautor Daniel Nocke. Beide bilden bereits seit gut zwölf Jahren ein Erfolgsduo und entstanden sind unter anderem der 2002 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete TV-Film „Ende der Saison“ oder 2009 das Dokudrama „Dutschke“, aber auch viel gelobte Kinoproduktionen wie „Sie haben Knut“ und „Sommer 04“.

Zusätzlich interessant für den Zuschauer wird Krohmers Film, weil ihm eine Einteilung der Personen in Gut und Böse fast völlig fehlt, viel wichtiger sind ihm die bisweilen wunderbar gemeinen Dialoge, die kleinen vielsagenden Blicke und Gesten, die sich gleich mehrmals am teuren Esstisch, bekanntlich dem Schlachtfeld vieler Beziehungskrisen, abspielen. Und vor allem wird dies alles von dem kleinen hochkarätigen Starensemble glaubhaft verkörpert.

Dabei spielen Auer und Brandt bereits zum wiederholten Mal ein Paar, entdecken dabei aber offenbar immer neue darstellerische Reibungspunkte. Während Ferch überzeugend einen Erfolgstypen verkörpert, für den wirklich alles machbar ist und Moral keine Rolle mehr spielt. Und Riemann gibt eine herrlich zynische Frau, die von ihrem scheinbar alles dominierenden Mann jedoch gelernt hat, sich gut in Szene zu setzen.

Arte, 15.03.2013, 20:15 Uhr 
Arte, 17.03.2013, 01:50 Uhr / ARD, 20.03.2013, 20:15 Uhr
ARD, 21.03.2013, 00:20 Uhr / Eins Festival, 23.03.2013, 20:15 Uhr

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