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Fernsehkritik: Ein Schnitzel für drei

ARD, 2. Juni, 20.15 Uhr

Für herzhafte Vollkorn-Komödien ist das Ruhrgebiet einfach ein stimmungsvoller Schauplatz. Allein schon der kernig bodenständige Menschenschlag, der dort zwischen Rhein und Ruhr lebt, sorgt meist für beste Unterhaltung. Und auch die alte überlebte Industriekulisse ist immer noch sehenswert. – Genau das findet man nun auch in dem Fernsehfilm „Ein Schnitzel für drei“, den Regie-Routinier Manfred Stelzer inszeniert hat. Und den der verantwortliche WDR zur Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 beisteuert – samt Uraufführung auf einer Großleinwand im Dortmunder Fußballstadion. Doch wer sich die Themen anschaut, die dieser Film anreißt, erwartet eigentlich ein Sozialdrama der zähen depressiven Art. Schließlich geht es unter anderen um Altersdemenz, um Dauerarbeitslosigkeit und um die Vereinsamung in kalten Hochhaussiedlungen. Und trotz dieser schweren Problematiken ist das Ergebnis eine hinreißende Komödie mit tollen Figuren.

Im Mittelpunkt stehen die Langzeitarbeitslosen Günther (Armin Rohde) und Wolfgang (Ludger Pistor). Die beiden bilden, wie es sich für eine Komödie gehört, ein ungleiches Paar, das dennoch wunderbar zusammenpasst. Der breitschultrige prollige Günther hat sein Leben lang als Tierpfleger im Zoo gearbeitet, zuletzt bei seinen geliebten Robben, wurde dann eingespart und lebt nun mehr schlecht als recht von Hartz IV und führt einen Kleinkrieg mit der zuständigen Dame von der Arbeitsagentur, die sich dann zu seinem Erstaunen als liebevolle Großmutter entpuppt. Wolfgang dagegen ist ein spleeniger, fast britischer Typ, der in der Herrenoberbekleidung eines Geschäfts gearbeitet, ja fast gelebt hat, der sofort die Konfektionsgrößen seiner Mitmenschen erkennt und pflichtbewusst all die Fortbildungen absolviert, die ihm die Arbeitsagentur aufdrückt. Allerdings kaum noch eine Chance auf einen Job hat. Und während sein langjähriger Freund Günther allein mit seinen geliebten Aquariumsfischen lebt, kümmert er sich aufopfernd, aber zunehmend frustriert als Hausmann um Frau (Therese Hämer) und Tochter.

Als Günther, der gerade notgedrungen in eine Hochhauswohnung gezogen ist, sich von seinem demenzkranken und alleinstehenden Nachbarn Hermann (Branko Samarovski) einen Werkzeugkasten ausleiht, macht er eine wundersame Entdeckung. In dem Kasten findet er nämlich eine beachtliche Geldsumme, die der Alte offenbar längst vergessen hat. Er beschließt sofort das Geld mit seinem Freund Wolfgang zu teilen. Doch schnell bekommen die beiden Gelegenheitsdiebe schwerste Gewissensbisse. Daher kümmern sie sich von nun an gleichsam als Entschädigung verstärkt um den alten Nachbarn, putzen seine Wohnung, kaufen für ihn ein und kochen für ihn. Aber dann hat Günther den Verdacht, dass das Geld womöglich aus einem Bankraub stammt, den seine geheimnisvolle Nachbarin (Caroline Peters, „Mord mit Aussicht“) begangen hat. Und die Folge sind einige heftige Turbulenzen.

Diese Geschichte sorgt trotz ihres ernsten Hintergrundes für allerbeste Unterhaltung. Und lebt dabei allein schon von dem sehenswerten Paar Rohde und Pistor, das hier zum ersten Mal zusammenspielt und nach Rohdes Worten zusammenpasst „wie Faust aufs Auge oder Arsch auf Eimer“. Auch die Dialoge sind intelligent und punktgenau. Und mit welcher Leichtigkeit hier ernste und durchaus traurige Themen behandelt werden, dass ist wahrlich vorbildlich. Also auf keinen Fall verpassen!

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