Archiv

Posts Tagged ‘Tatort’

TV-Kritik: Tatort – Schwarzer Afghane

Eines gleich vorweg: In dem „Tatort – Schwarzer Afghane“ fällt kein einziger Schuss. Und gleichwohl ist er spannend, streckenweise sogar witzig. Was vor allem an der guten Leistung von Martin Wuttke liegt, der sich endlich mal in einem Leipziger-„Tatort“ schlecht gelaunt in den Vordergrund spielen darf und auch modisch mit lässiger Schiebermütze eine lustige Figur abgibt. Und schwarzhumorig geht’s auch gleich los. Zwei Jugendliche, die gerade genüsslich einen Joint kreisen lassen, beobachten morgens um sechs Uhr einen Mann. Er kommt aus einem Waldstück, läuft über eine Wiese. Und als einer der Jugendlichen scherzhaft mit dem Joint auf den Fremden zielt, geht der Fremde tatsächlich in Flammen auf und verkohlt bis zur Unkenntlichkeit.

Ein Schock natürlich für die jungen Kiffer und ein Fall für die Leipziger Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Wuttke), denen der Zuschauer nun eine Zeitlang bei ihrer akribischen Ermittlungsarbeit über die Schulter schauen darf. Dabei kommt heraus, dass es sich bei dem Toten höchstwahrscheinlich um Arian Bakhtari (Kostja Ullmann) handelt, einem afghanischen Studenten aus Leipzig. Und ausgelöst hat den tödlichen Zwischenfall weißer Phosphor, eine Chemikalie, die sich in der Luft entzündet und die vermutlich auch zu dem Brand in der nur ein paar hundert Meter entfernten Halle eines deutsch-afghanischen Freundschaftsverein geführt hat.

Wie die weiteren Ermittlungen ergeben, besteht ganz offensichtlich ein Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen. Zudem ist in der abgebrannten Halle gut eine Tonne Haschisch der Sorte „Schwarzer Afghane“ Opfer des Feuers geworden. Und verdächtig sind viele – beispielsweise ein Speditionsunternehmer (Sylvester Groth), der die Halle vermietet hat und dort womöglich das geschmuggelte Rauschgift versteckt hat, aber auch die Tante des Toten oder sein afghanischer Freund, der plötzlich abgetaucht ist.

Mehr darf an dieser Stelle wirklich nicht verraten werden, weil der Krimi besonders von seinen überraschenden Wendungen lebt. Erwähnt werden muss aber, dass auch in diesem „Tatort“ mit dem militärischen Engagement Deutschlands in Afghanistan mal wieder ein Globalisierungsthema behandelt wird. Es zeichnet ihn jedoch aus, dass diese Problematik zwar recht ausführlich erklärt wird, aber nie auf penetrant pädagogische Art. Außerdem macht es richtig Spaß den im Film gerade aus dem Urlaub zurückgekehrten Keppler bei seiner schwierigen Arbeit zuzuschauen. Sein erstes Opfer ist gleich ein schnöseliger Zollbeamter namens Zöllner, der sein Gepäck am Flughafen filzen will. Dann folgen Zeugen, die er mit ganz kurzen Bemerkungen zur Schnecke macht, während er dagegen mit seiner Kollegin Saalfeld erstaunlich charmant zu flirten weiß.

Inszeniert hat den Krimi – nach einem Drehbuch von Holger Jancke – Thomas Jahn, der schon 1997 bei seiner ersten Regiearbeit fürs Kino, „Knockin’ on Heaven’s Door“, viel komödiantisches Gespür bewiesen hat. Danach aber mit „Kai Rabe gegen die Vatikankiller“ einen so fulminanten Flop inszeniert hat, dass er sich seitdem mit Fernseharbeiten und Werbefilmen übers Wasser halten muss. Dass er immer noch sein Metier beherrscht, beweist er mit diesem „Tatort“.

ARD, 17.03.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 17.03.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 17.03.2013, 23:45 Uhr
Eins Festival, 19.03.2013, 00:35 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , ,

Kritik: Tatort – Zwischen den Fronten

Februar 16, 2013 1 Kommentar

Für Freunde von gepflegten Verschwörungstheorien ist dieser ORF-„Tatort“ ein rechter Augenschmaus. Dabei scheint der Fall anfangs eindeutig zu sein: Am Rande einer UN-Konferenz in Wien explodiert eine Bombe. Der Anschlag hat offenbar einem amerikanischen Diplomaten gegolten, der jedoch unverletzt bleibt. Getötet werden dagegen ein Polizist und der vermeintliche Täter. Ein junger Österreicher irakischer Abstammung und Aktivist einer radikalen Internet-Bürgerrechtsorganisation, der als Gast auf der Konferenz hat sprechen sollen und in dessen Auto die angeblich von ihm gezündete Bombe versteckt gewesen ist. Und der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei dem Attentat um einen Selbstmordanschlag mit – natürlich! – islamistischem Hintergrund gehandelt hat.

Dieser Meinung ist auch schnell die eigens gegründete Task Force, die gebildet worden ist aus Beamten des österreichischen Bundeskriminalamtes (BKA) und des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Geleitet wird diese Spezialeinheit von dem hohen BVT-Mann Fred Michalski (gespielt wird dieser „Herr Magister“ von dem bekannten Wiener Kabarettisten Alfred Dorfer) sowie der Majorin Melanie Warig (Susanne Wuest). Und da der Fall ja klar zu sein scheint, hofft man die Ermittlungen schnell abschließen zu können.

Doch der BKA-Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und seine Assistentin Bibi Fellner (Adele Neuhauser), die in untergeordneter Position der Task Force angehören, sind völlig anderer Meinung. Besonders Eisner vermutet, dass die wahren Gründe des Anschlags in einem Eifersuchtsdrama liegen. Und zudem spielt für ihn der BVT-Mann und strammrechte Hardliner Michalski eine zwielichtige Rolle. Dieser will offenbar das Attentat für eigene politische Ambitionen nutzen und wird dabei von einflussreichen  Kreisen unterstützt, die sich gerade für verschärfte Sicherheitsgesetze einsetzen. Irgendetwas ist also faul an der ganzen Geschichte – zumindest für Eisner.

Und tatsächlich wird in dem „Tatort – Zwischen den Fronten“ ein richtig pralles Verschwörungsszenario entwickelt, das anfangs für den Zuschauer zwar etwas arg verwirrend ist, aber dann von dem Regisseur Harald Sicheritz spannend aufgedröselt wird. Außerdem hat er die Geschichte (Drehbuch: Verena Kurth) selbst zum Glück nicht bierernst genommen und entsprechend dann inszeniert. So wirkt der eigentliche Komplott übertrieben abstrus, die dafür Verantwortlichen sind herrlich überzeichnet, ja bisweilen haben sie etwas von finsteren Bilderbuch-Verschwörern. Und das sich im Film entwickelnde Kompetenzgerangel zwischen BKA und BVT wird komisch auf die Spitze getrieben. So läuft beispielsweise in den vermutlich verwanzten Diensträumen Eisners stets extrem laut ein Radio, um dadurch das Abhören zu erschweren. Oder Einsatzbesprechungen werden gleich auf dem Dach des BKA-Gebäudes geführt.

Doch besonders unterhaltsam ist das Auftreten von Eisner und Fellner. Lange hat es nicht einen so grantigen TV-Kommissar zu sehen gegeben, der diesmal sogar einen schrecklich unsympathischen Verdächtigen mit der Faust niederstreckt. Angesichts dieses handgreiflichen Wiener Schmähs bleiben seiner Assistentin, die immer noch den komischen schwarzen Pontiac Firebird ihres Freundes Inkasso-Heinzi fährt, oft nur noch sarkastische Kommentare: „Na, heut kannst du’s aber mit den Frauen“. Und beide Ermittler sind inzwischen so gut aufeinander eingespielt, dass man als Zuschauer nur begrüßen kann, dass sie zukünftig statt wie bisher vier fünf TV-Fälle in zwei Jahren bearbeiten dürfen.

ARD, 17.02.2013, 20:15 Uhr 
ARD, 19.02.2013, 00:35 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , ,

Kritik: Tatort – Die schöne Mona ist tot

Wenn alle Träume wie Seifenblasen zerplatzt sind, dann bleibt oft nur graue Tristesse. Diese Erfahrung haben die drei Hauptfiguren in Ed Herzogs „Tatort – Die schöne Mona ist tot“ schmerzhaft machen müssen: Der versoffene Fritz (Ronald Zehrfeld) hat einst von einer Fußballerkarriere geträumt, später viel Geld bei Spekulationen verloren und arbeitet heute in seiner kleinen Gemeinde am Bodensee als Versicherungsvertreter. Der Intellektuelle Christian (Sylvester Groth) hat früher als Journalist viel beachtete Artikel für überregionale Zeitschriften verfasst und verdingt sich nun in der Provinz frustriert als Lokaljournalist. Und seine Frau Mona (Silke Bodenbender) ist in ihrer Jugend ein lebenslustiges Model gewesen und möchte jetzt ein Nagelstudio eröffnen.

Eines Sonntags, als Mona mal wieder abends im Vereinsheim des lokalen Fußballklubs feiert, kommt es zur Katastrophe. Nach einem Streit mit ihrer Jugendliebe Fritz, dem sie ihre ganzen Ersparnisse anvertraut hat, wird sie auf dem Nachhauseweg in ihrem Kleinwagen von einem Pickup von der Straße gedrängt. Ihr Auto stürzt eine tiefe Böschung hinunter, landet direkt am Ufer des Sees. Doch als die Polizei am Morgen danach den Unfall aufnimmt, fehlt von der wahrscheinlich toten Mona jegliche Spur. Ein Fall für die Konstanzer-Ermittler Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel), die recht akribisch diesen Mord ohne Leiche untersuchen und dabei gleich auf mehrere Verdächtige stoßen.

Erzählt wird also ein klassischer „Wer ist der Täter?“-Fall, was angesichts der neuen Vorliebe der ARD für Quatsch-Comedy-„Tatorte“ allein schon recht angenehm ist. Auch die Figuren sind interessant gezeichnet. Und die Ermittlungen erweisen sich dank einiger überraschender Wendungen als spannend. Was diesem Lebenskrisen-Krimi (Buch: Wolfgang Stauch) allerdings völlig fehlt, ist der Witz, auch in den Dialogen. So bleibt nur graue Tristesse.

ARD, 03.02.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 03.02.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 03.02.2013, 23:45 Uhr
ARD, 05.02.2013, 00:35 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , ,

Kritik: Tatort – Machtlos

Januar 5, 2013 1 Kommentar

Die Männerwoche im ARD-„Tatort“ geht weiter: Nach dem Münchener-Duo am vergangenen Sonntag, dem Kölner Ermittlerpaar am Neujahrsabend ermitteln nun die beiden Berliner Kommissare Till Ritter (Dominic Raake) und Felix Stark (Boris Aljinovic). Und die zwei, die sonst leider für eher mäßig aufregende Krimifälle bekannt sind, überraschen in „Machtlos“ mit einem erstaunlich starken TV-Auftritt.

Dabei kommt der Fall ohne die obligatorische Eröffnungsleiche aus, auf Actionszenen wird völlig verzichtet, offensichtliche Brutalitäten bleiben den Zuschauern erspart, stattdessen steht im Mittelpunkt dieses Krimi-Kammerspiels ein spannendes und emotional aufrührendes Psychoduell. Mit einem der interessantesten Täter, der in den letzten Jahren im „Tatort“ zu sehen gewesen ist. Gespielt wird er von Edgar Selge, der hier auch zum ersten Mal gemeinsam mit seinem Sohn, dem Theaterschauspieler Jakob Walser, vor der Kamera steht.

Geschildert wird in dem Film ein Entführungsfall. Der neunjährige Sohn einer Bankiersfamilie wird in der Wohnung seines Musiklehrers von einem Unbekannten entführt. Ritter und Stark kümmern sich als Kontaktpersonen der Eltern um den Fall. Nach einem Tag zermürbenden Wartens stellt der Entführer (Selge) endlich eine erste Forderung. Er verlangt zunächst 500000 Euro, die ihm am Berliner Alex überreicht werden sollen. Nach der Geldübergabe verhält sich der Täter dann jedoch äußerst ungewöhnlich. Vor den Augen der alles überwachenden Polizei verteilt er in Seelenruhe das ergaunerte Geld an Menschen, die ihm am Alex zufällig begegnen. Und er lässt sich auch noch ohne jeglichen Widerstand festnehmen.

Doch bei den nun folgenden Verhören, aus denen der Film gekonnt seine Spannung bezieht, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der Entführer verlangt jetzt weitere zehn Millionen Euro und freies Geleit. Andernfalls, so droht er, werde der entführte Junge in seinem Versteck verdursten. Wie sich im Verlauf der Ermittlungen herausstellt, handelt es sich bei dem Täter um Uwe Braun. Ein früherer Unternehmer, dessen Firma durch die Mitschuld des Vaters des entführten Jungen vor Jahren in den Ruin getrieben worden ist. Und der sich jetzt mit dieser Tat nicht persönlich bereichern, sondern, wie er gegenüber seinem Sohn (Walser) sagt, „ein Zeichen“ setzen möchte. Ein Vorhaben, das er mit erschreckend wirkender Ernsthaftigkeit, ja mit eiskaltem Fanatismus umsetzt. Und bei dem er scheinbar auch den Tod seines kindlichen Opfers in Kauf nimmt.

Obwohl diese Tat und ihre Umstände abscheulich sind, bleiben die beiden Kommissare bei den folgenden Verhören fast unmenschlich ruhig und extrem konzentriert. Es gelingt ihnen tatsächlich, Emotionen völlig auszublenden. Es wird weder geschrien, noch werden Türen geknallt oder wird gar mit Gewalt gedroht. Und Raake und Aljinovic, die sich wie der Regisseur und Autor Klaus Krämer für diese Szenen vom Berliner LKA intensiv beraten ließen, spielen dieses alles richtig gut. Eine tolle Leistung, genau wie die von Selge, dem es gelingt, seine Rolle so vielschichtig anzulegen, dass der Zuschauer zwischendurch sogar unweigerlich Verständnis für ihn empfindet.

Kurzum: Im Vergleich mit ihren Kölner und Münchener Kollegen gelingt den Berlinern mit diesem Film ein überraschender Punktsieg.

ARD, 06.01.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 06.01.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 06.01.2013, 23:45 Uhr
ARD, 08.01.2013, 00:35 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , , ,

Kritik: Tatort – Tote Erde

Oktober 20, 2012 1 Kommentar

Wenn alle nur das Gute wollen, dann kann auch das bisweilen böse enden. Das beweist anschaulich der neue Stuttgarter-„Tatort – Tote Erde“, den Regisseur Thomas Freundner routiniert in Szene gesetzt hat. Und Krimi-Freunde mit einem genussvollen sonntäglichen Hang zum Bösen müssen jetzt angesichts all des Guten mal richtig stark sein. Jedenfalls verfolgen in dem Film fast alle hehre Ziele: Zwei gutmeinende Studenten kämpfen auch mit illegalen Mitteln für eine gesunde Umwelt. Auch ihre Freundin (Paula Kalenberg) tritt dafür ein, aber legal in einer Firma. Eine reiche Erbin (Katharina Heyer) unterstützt die jungen Leute mit ihrem Geld und plant die Gründung einer Stiftung. Selbst ein industrieller Umweltsünder (Max Waschke) meint es eigentlich eher gut. Die Staatsanwältin Henrike Habermas (neu im Team: Natalia Wörner) kümmert sich derweil als einzige in einer Hochdeutsch sprechenden Umwelt um die schwäbische Mundart, was ja auch was Feines ist, und ist ansonsten schwer verliebt.

Und das ist noch längst nicht alles: Auch die beiden Kommissare menscheln so heftig, dass es auf keine schwäbische Kuhhaut mehr passt: So kümmert sich Sebastian Bootz (Felix Klare) liebevoll um seine schwer erkrankte Frau und will sich ihretwegen auf einen ruhigeren Posten im Innendienst versetzen lassen. Und sein Chef Thorsten Lannert (Richy Müller), der bisher stets kantig und meist unwirsch agierte, ist nicht nur richtig nett, sondern plötzlich so weichgespült sympathisch, dass sogar sein alter Porsche wie eine PS-zahme Familienkutsche erscheint.

Doch wenn einem soviel Gutes widerfährt, dann ist das schon einen bösen Mord wert – dachten sich bestimmt die Drehbuchautoren Wolf Jakoby und Freundner. So wird auch dieser „Tatort“ gleich am Anfang natürlich von einem Tötungsdelikt eröffnet. Opfer ist der junge Umweltaktivist Lukas, der beim Freiklettern an einem ehemaligen Brückenpfeiler regelrecht mit einem Luftgewehr abgeschossen wird. Bei der folgenden Obduktion stellt sich heraus, dass sein Körper hochgradig mit Schwermetallen vergiftet worden ist. Wie später ermittelt wird, hat er kurz zuvor auf einem Recyclinghof Bodenproben genommen, offenbar von stark verseuchter Erde. Die Proben sind jedoch verschwunden. Genau wie Lukas’ Mitstreiter Timo (Philipp Quest), der sich der Befragung durch die Polizei durch Flucht entzieht. Und dadurch nun zum Hauptverdächtigen wird. Aber auch ein eigentlich netter Industrieller hat offenbar Dreck am Stecken.

Die Ermittlungen in diesem Film erweisen sich jedenfalls als schwierig. Und es gelingt dabei dem Regisseur die Zuschauer geschickt auf eine völlig falsche Fährte zu locken. Die Auflösung des Falls ist jedenfalls höchst überraschend. Leider ist alles andere jedoch eher Mittelmaß, wenn auch durchaus unterhaltsam. Die Dialoge sind also wenig originell. Filmisch hat der Krimi auch nicht viel zu bieten, außer ein paar halbherzig inszenierte Action-Einlagen. Und insgesamt wirkt das Ganze sehr schwäbisch hausbacken – trotz exzellenter Darsteller wie Wörner und Waschke. Was beweist: Viel Gutes ergibt leider noch keinen guten Film.

ARD, 21.10.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 21.10.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 21.10.2012, 23:45 Uhr
ARD, 23.10.2012, 00:35 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: ,

Tatort: Fette Hunde

September 1, 2012 3 Kommentare

Lissy, die frühere Assistentin der beiden Kommissare, ist plötzlich wieder da. Und eingefleischte „Tatort“-Fans werden sich bestimmt an sie erinnern. In den Anfangsjahren des Kölner Duos Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) hat Anne Loos diese Lissy gespielt, bis sie 2007 dann den Dienst quittiert hat. In „Fette Hunde“ kehrt Loos nun in diese Rolle zurück, allerdings als Ehefrau eines Afghanistan-Soldaten. Dennoch haben, wie der Film behauptet, Ballauf und Schenk die Jahre über weiterhin Kontakt zu ihrer ehemaligen Kollegin gehalten und sich um sie, wenn nötig, gekümmert. – Dies jedoch ist tatsächlich die einzige frohe Botschaft in diesem „Tatort“. Und auch Loos’ Engagement soll ein Einzelfall bleiben.

Die Geschichte, die Atmosphäre und auch die Bilder in dieser Folge sind für die beliebte Krimi-Reihe ungewöhnlich düster und triste. Die sonst üblichen Kabbeleien zwischen den beiden Ermittlern sind auf ein Minimum reduziert. Verzichtet wird auch auf die für die Kölner Kommissare sonst typischen moralinsauren Dialoge. Die Handlung spricht ja in diesem Fall tatsächlich für sich. Und selbst auf den obligatorischen Anfangsmord muss der Zuschauer einige Zeit warten. Doch dann wird es gleich sehr heftig.

In Köln wird ein Afghane ermordet aufgefunden, der gerade in Begleitung seiner Schwester (Maryam Zaree) aus seiner Heimat nach Deutschland gekommen ist. Als die Kommissare am Tatort erscheinen, werden sie mit furchtbaren Details konfrontiert. Der Tote ist nicht nur erschossen, sondern er ist regelrecht ausgeweidet wurden. Offenbar ist er ein sogenannter Bodypacker gewesen, der Heroin in Kondome verpackt in seinem Körper transportiert hat. Genau wie seine Schwester, die jedoch spurlos verschwunden ist. Die junge Frau ist daher in größter Lebensgefahr, auch durch das geschluckte Rauschgift. Und dieser Tatbestand sorgt von Anbeginn an für ein hohes Tempo, wie man es selten in deutschen Fernsehkrimis erlebt. Da ist für überflüssige Dialoge und genauso überflüssige Erläuterungen einfach mal keine Zeit.

Und die Spur führt schließlich zu einer Gruppe Soldaten, die ebenfalls gerade aus Afghanistan zurückgekehrt ist. Darunter der Dolmetscher Sebastian Brandt (Roeland Wiesnekker), Ehemann von Lissy. Gezeigt werden in einer Parallelhandlung dann die Schwierigkeiten dieser Männer, sich in ihrer Heimat und in ihren Familien wieder zurechtzufinden. Ja, einzelne Soldaten sind sogar traumatisiert, entwurzelt und völlig perspektivlos. Gezeigt wird dies in Szenen, die trotz einiger Klischees auf den Zuschauer bedrückend wirken. Und auch die beiden Kommissare haben Probleme in diesem Milieu gewohnt nassforsch zu ermitteln.

Doch bei aller Tristesse, dieser Fall ist formal wie inhaltlich einer der besten Kölner-„Tatorte“ der letzten Jahre, der auch mit wunderbaren Bilder beeindruckt, beispielsweise von der einsamen Ermittlungsarbeit im nächtlichen Kommissariat. Ein Kompliment daher an Regisseur und Adolf-Grimme-Preisträger Andreas Kleinert sowie seinen Drehbuchautor André Georgi! Und hoffentlich macht dieser Fall Schule, nicht nur in Köln.

ARD, 02.09.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 02.09.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 02.09.2012, 23:45 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , ,

Tatort: Hanglage mit Aussicht

August 24, 2012 1 Kommentar

Der Termin ist geschickt gewählt. Nach der langen Sommerpause der „Tatort“-Reihe ist der Zuschauer schließlich froh, dass von diesem Sonntag an endlich wieder neue Fälle gezeigt werden. Und da der von Sabine Boss inszenierte Film bei vielen durch schöne Natur- und Landschaftsaufnahmen bestimmt hoffentlich angenehme Urlaubserinnerungen wachrufen wird, ist man beim Betrachten dieses Luzerner-„Tatorts“ (Drehbuch: Felix Benesch) eher gnädig gestimmt. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass der gezeigte Film für die beliebte Reihe von unterdurchschnittlicher Qualität ist, formal wie inhaltlich.

Schauplatz ist die auch real vorhandene Wissifluh oberhalb des Vierwaldstättersees. Eine „Hanglage mit Aussicht“, auf der sich der alte Gasthof der Familie Arnold befindet Am 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, findet dort wie jedes Jahr ein kleines Fest statt. Dazu reist auch der Investor Gross an – mit einem Hubschrauber, der nicht nur mächtig Staub aufwirbelt. In seiner Begleitung ist der wichtige Lokalpolitiker Mattmann (Jean-Pierre Cornu), der im Lauf des Abends in einer kleinen Rede seine Zuhörer ermahnt: „Die Schweiz gehört uns allen“. Doch zu diesem Zeitpunkt liegt Gross bereits tot an der Seilbahnstrecke.

Als Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) und seine Assistentin Liz Ritschard (Delia Mayer) am nächsten Morgen die Ermittlungen aufnehmen, ist schnell klar: Gross ist aus der Seilbahn gestoßen wurden. Hauptverdächtiger ist der aufbrausende Rolf Arnold (Peter Freiburghaus), der den Investor schon kurz nach seiner Ankunft als Lumpenhund und Spekulant beschimpft hat. Auch ein Motiv hat der alte Gastwirt und Bergbauer: Seine Tochter (Sarah Sophia Meyer) hat mit dem wesentlich älteren Mann ein von ihm unerwünschtes Verhältnis gehabt. Außerdem bestanden offenbar Pläne, den hoch verschuldeten Gasthof für viel Geld umzubauen. Obwohl die Indizienlage gegen Arnold spricht, glaubt der Kommissar nicht an dessen Schuld und ermittelt weiter. Dabei stößt er bald auf eine Spur, die üble Machenschaften erahnen lässt zwischen Politikern, einer Bank und Immobilienhändlern. Ist Arnold also das Opfer einer Verschwörung? Und wer hat dann Gross aus der Seilbahn gestoßen?

Erzählt wird hier ein klassischer „Wer war es“-Fall, dem jedoch überraschende Wendungen und aufregende Szenen fehlen. Schon der Titel, der an Immobilienanzeigen erinnert, deutet ja bereits an, wo der Täter vermutlich zu suchen ist. Zudem sind die Dialoge meist recht banal. Sie erläutern bisweilen sogar überflüssigerweise Dinge, die der Zuschauer eh gleich im Bild sieht: „Jetzt müssen wir Gas geben, Mattmann wartet schon“. Und auf diese Art hat man bereits in den siebziger Jahren Krimis gedreht. Ein Stilelement, das heute jedoch nur noch angestaubt und auf den Zuschauer entsprechend narkotisierend wirkt.

Einziger Lichtblick ist Kommissar Flückiger, der in seinem dritten „Tatort“-Fall bärbeißige Einzelgänger-Fähigkeiten – allerdings mit angezogener eidgenössischer Handbremse – entwickelt, sich dabei ganz unterhaltsam mit Lokalgrößen und Vorgesetzten anlegt. Und sich auch mit seiner Assistentin ein paar nette Nickligkeiten gönnt. Doch bei aller Kritik, einer zumindest wird von diesem Krimi profitieren: der Wirt von der echten Wissifluh, der bestimmt neue Gäste begrüßen wird. Ihm sei das zwar aufrichtig gegönnt, aber muss man deswegen gleich einen 90minütigen Film drehen?

ARD, 26.08.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 26.08.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 26.08.2012, 23:45 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , ,

Tatort: Klingt doch viel besser

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: ,

Tatort – Es ist böse

April 21, 2012 1 Kommentar

„Es ist böse.“ Mit diesen Worten begrüßt Hauptkommissar Frank Steier (Joachim Król) seine Kollegin Conny Mey (Nina Kunzendorf) am Tatort in der Frankfurter Innenstadt. Und in der Tat: Das Opfer, eine Prostituierte, wurde bestialisch in ihrer Wohnung ermodert, mit Dutzenden von Messerstichen samt eines postmortalen Kehlkopfschnitts. Da keine Spermaspuren gefunden werden, das Bargeld der Toten jedoch verschwunden ist, schaut alles anfangs nach einem Raubmord aus. Doch dann bekommt Steiers Kollege Seidel (Peter Kurth), der nach einer Korruptionsaffäre von seinem Vorgesetzten (Gerd Wameling) eine zweite Chance erhalten hat, einen Tipp von dem zwielichtigen Polizeireporter Kurt Eggers (Martin Kiefer). Vor gut einem halben Jahr, erzählt dieser, sei in Offenbach bereits schon einmal eine Prostituierte nach ganz ähnlicher Machart ermordet worden. Und womöglich sind die beiden grausamen Morde die Taten eines Serienmörders.

Schon die ersten Bilder des hessischen „Tatorts – Es ist böse“ sind für den Fernsehzuschauer harte Kost, auch wenn er vor allem dank skandinavischer Krimis mittlerweile an TV-Serienmörder gewöhnt ist. Doch das ist nur der Anfang. Auch im Verlauf des Films, den Stefan Kornatz inszeniert hat, gibt es allen Grund sich zu Gruseln. Und ganz nebenbei lernt man dabei eine neue Vokabel kennen: übertöten. Ein anderes Wort für Blutrausch, den in diesem dritten Fall des Ermittlerduos Steier und Mey tatsächlich ein Killer blutig auslebt.

Besonders nah gehen einem die hier gezeigten Morde, weil die Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert. Das Drehbuch schrieb Lars Kraume nach einem Fall aus der als Buch erschienenen Sammlung „Auf der Spur des Bösen“, die der Bremer Kommissar und Profiler Axel Petermann veröffentlicht hat. Und die sich offenbar zu einer Fundgrube für Krimi-Drehbuchautoren entwickelt. So beruhte bereits der letzte Frankfurter Fall „Die Tote im Nachtzug“ (Drehbuch ebenfalls Kraume) auf dieser Sammlung genau wie die beiden nächsten, die auf „Es ist böse“ folgen. Das Leben schreibt offenbar auch die schlimmsten Geschichten.

Und schlimm geht es in diesem Krimi weiter. Weitere blutige Frauenmorde folgen. Und die Spur, die vor allem Mey anfangs verfolgt, stellt sich als Sackgasse heraus. Schlimmer noch: der von ihr Verdächtigte wird durch ihre Ermittlungen nicht nur in seiner bürgerlichen Existenz gefährdet. Nein, auch seine Lebensgefährtin verlässt ihn deswegen. Eine Schuld, mit der die Kommissarin nur schwer zurechtkommt, unter der sie spürbar auch körperlich leidet. Genau wie unter den brutalen Frauenmorden. Selbst Steiers Warnung, sie solle sich emotional nicht zu sehr engagieren, hilft da wenig.

Für die üblichen Kollegen-Kabbeleien und für Privates ist in diesem sehr gut gespielten „Tatort“ mit wenigen Ausnahmen kein Platz. Zu nah, zu verstörend ist der geschilderte Fall, der, obwohl man den Täter schnell zu kennen weiß, bis zum Schluss spannend bleibt. Und auch die Auflösung dieser in düsteren Bildern und mit einer unheimlich nahen Kamera erzählten Geschichte hat es fürwahr in sich.

Tatort – Alles hat seinen Preis

März 31, 2012 2 Kommentare

Alles fließt. Oder steht im Stau. Denn in Berlin, dem Schauplatz des „Tatorts – Alles hat seinen Preis“ schlägt nun einmal der Puls der modernen Zeit gar heftig, und der hat eben meist vier Räder. Damit das auch der allerletzte Fernsehzuschauer beispielsweise im verkehrsberuhigten Bayrischen Wald oder im strukturschwächsten Ostfriesland versteht, zeigt der Film in Zwischenschnitten häufig den Berliner Straßenverkehr, also große Kreuzungen, die Blechlawinen zur Rush Hour. Und die beiden Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) liefern sich zudem gleich mehrfach einen Wettstreit um die Frage, wer in diesem pulsierenden großstädtischen Verkehrsgetümmel wohl schneller vorankommt: Ritter per PKW oder Stark per Fahrrad.

Die Antwort ist natürlich ganz einfach und, wie beinahe alles an diesem Krimi, überaus pädagogisch wertvoll: Stark und sein Zweirad sind letztlich schneller. Und die Begründung liefert seltsamerweise ausgerechnet der Autofahrer Ritter, der zwischendurch mal anmerkt, dass in Berlin auf drei Millionen Einwohner zwei Millionen Autos kommen. Da sind natürlich Probleme im herkömmlichen Individualverkehr alles andere als überraschend. Oder, wie es gern fälschlicherweise heißt, „vorprogrammiert“.

Aber der „Tatort“ beschäftigt sich zum Glück nicht nur mit Berliner Verkehrsproblemen. Obwohl das bestimmt ganz spannend sein könnte. Nein, auch für Bankiers oder Banker kommt’s dicke. Doch gleich zu Anfang gibt es natürlich erst einmal den obligatorischen Toten, auch er ein mobiler Vertreter der Verkehrsbranche. In seinem Büro wird der alte Taxiunternehmer und Miethausbesitzer Herbert Klemke erschlagen aufgefunden. Bei ihren Ermittlungen werden Ritter und Stark gleich mit mehreren Verdächtigen konfrontiert, die alle auf irgendeine Weise ein Geldproblem mit dem Ermordeten hatten. Allen voran ein ehemaliger türkischer Fahrer (Oktay Özdemir) der kleinen Firma. Dann die nach Australien ausgewanderte und in Berlin gerade zu Besuch weilende Tochter des Opfers (Nicolette Krebitz), zwei jüngere Ladenbesitzer aus dem Kiez (Alwara Höfels, Christian Blümel), die Bankberaterin des Firmenchefs (Tatjana Blacher). Und nicht zuletzt dessen langjährige Sekretärin (Renate Krößner), die einzige übrigens die zumindest auf den ersten Blick kein finanzielles Problem hat.

Aus dieser Ausgangskonstellation heraus entwickeln Regisseur Florian Kern und die Drehbuchautoren Michael Gantenberg und Hartmut Block gleich mehrere menschliche Dramen, die jedoch so aufdringlich sozialkritisch daherkommen, dass sie den Zuschauer kaum anrühren. Ziemlich plakativ gezeigt wird nämlich an ihrem Fall, wie ein Kiez langsam und konsequent zerstört wird. Wie originelle kleine Läden plattgemacht werden, weil an ihrer Stelle Filialen von Ladenketten eröffnen wollen. Wie eine Großbank dabei die Fäden zieht, in dem sie sich aus purer Profitgier beispielsweise weigert, Kleinunternehmern Kredite zu geben. Wie durch dieses Streben nach immer mehr Geld der Stadtteil anonymisiert wird und die Kommunikation zwischen den Menschen letzten Endes verlorengeht. Und wie all das – zumindest in diesem Film – in einem Mord endet.

Und die Moral von der Geschicht’? Geld regiert die Welt. Oder eleganter ausgedrückt mit einem Brecht-Zitat, das Hauptdarsteller Aljinovic in einem Interview zum „Tatort“ wie folgt abgewandelt hat: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen einen guten Posten in der Bank?“ Da mag zwar auch ziemlich viel dran sein, aber der eigentliche Mordfall wird bei alldem viel zu sehr vernachlässigt, die Tätersuche fast schon zur spannungslosen Nebensache und selbst die Auflösung ist fürchterlich banal. Während Berlin auch weiterhin im Stau steht.

ARD, 01.04.2012, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 01.04.2012, 21:45 Uhr / Eins Festival, 01.04.2012, 23:45 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , ,
%d Bloggern gefällt das: