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Tatort – Am Ende des Flurs

Obwohl Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) schon 23 Dienstjahre auf dem Buckel haben, ist ihr Münchner-„Tatort“ immer mal wieder für eine positive Überraschung gut. Dabei ist der heimliche Star in ihrem überaus sehenswerten 67. Fall „Am Ende des Flurs“ eine Tote: Lisa Brenner (Fanny Risberg), die nur in kurzen Rückblenden zu sehen ist. Sie wird eines Morgens vor ihrem Hochhaus tot aufgefunden und ist offensichtlich vom Balkon ihrer Wohnung im 12. Stock gestürzt. Ob freiwillig oder ob jemand dabei heimtückisch nachgeholfen hat, ist jedoch anfangs keineswegs klar. Und daher ein Fall für die beiden bayrischen Hauptkommissare.

Wie sich schnell herausstellt, hat die bildhübsche Lisa als Prostituierte gearbeitet. Und ist in ihrem Beruf so hochtalentiert gewesen, dass ihre Kunden sie aufrichtig geliebt, verehrt und vergöttert haben. Sie hat ihnen das Gefühl vermittelt, jeweils der Einzige zu sein. Hat ihnen als Projektionsfläche ihrer Wünsche und Begierden gedient. Und ihr Tod, das zeigen die Verhöre, hinterlässt bei den Betroffenen eine tiefe Wunde. Zu ihnen zählt auch Leitmayr, der vor Jahren eine längere Beziehung mit Lisa gehabt hat. Und da er dies anfangs bei den Ermittlungen seinem Kollegen Batic verschweigt, wird er von seinem nicht ganz zu Unrecht darüber aufgebrachten Vorgesetzten vom Dienst suspendiert. – Doch das hat noch nie einen „Tatort“-Kommissar davon abgehalten, auf eigene Faust zu ermitteln. Auch nicht Leitmayr.

Aus dieser für einen Krimi gar nicht so ungewöhnlichen Ausgangssituation entwickelt sich dann ein klassischer „Wer war der Täter?“-Fall, bei dem der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Autor und Regisseur Max Färberböck („Aimée und Jaguar“, „Bella Block“) beweist, wie spannend ein solcher „Whodunit“ sein kann. Aber nicht nur das: Dank der stimmigen Atmosphäre und der aussagekräftigen Bilder, die zuweilen das Geschehen eindrucksvoll konterkarieren, ist er zudem schön anzuschauen. Der im Film immer wieder angespielte melancholisch zärtliche Country-Song, Waylon Jennings‘ „Dreaming my Dreams with you“, ist ein wahrer Ohrwurm. Und dann ist da noch Franz Xaver Kroetz, der als Wiesn-Wirt einen fulminanten Gastauftritt hinlegt.

Kurzum: Es stimmt fast alles an diesem wunderbaren „Tatort“. Und auch die Entscheidung, dem in Ehren sichtbar ergrauten Ermittlerpaar zwei Neue zur Seite zu stellen, ist geglückt und bringt frischen Wind in diese Serie: Als ehrgeiziger Assistent Kalli ist von nun an der Schauspielschüler Ferdinand Hofer zu sehen. Und die Fall-Analytikerin Christine Lerche wird von der stets kecken Lisa Wagner gespielt, die vor kurzem im ZDF erfolgreich als „Kommissarin Heller“ debütierte.

ARD, 04.05.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 04.05.2014, 21:45 Uhr / Eins Festival, 04.05.2014, 23:45 Uhr
Eins Festival, 06.05.2014, 00:35 Uhr

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Tatort – Allmächtig

Ein bisschen Medienschelte kann ja nie schaden. Vor allem wenn es um den sogenannten Sensationsjournalismus geht, dessen schmutzigste Spielart im Internet anzutreffen ist. Dort werden in Videoclips Menschen bloß gestellt, gedemütigt und der Lächerlichkeit preisgegeben. Und das Schlimmste ist, diese Filmchen finden leider ein Massenpublikum. Mit diesem Phänomen, das es unter dem Etikett „Reality TV“ etwas abgeschwächt auch bei privaten Fernsehsendern gibt, beschäftigt sich nun der neuste Münchner „Tatort – Allmächtig“.

Der Star („heute-show“-Reporter: Alexander Schubert) einer kleinen bayrischen Internet-Firma ist spurlos verschwunden. Die Spezialität des Mannes, der sich selber Anast (Anagramm für „Satan“) nennt, sind professionell gemachte Filmberichte, in denen er Leute auf vermeintlich lustige Weise an den Pranger stellt. Dafür liebt ihn seine große Fan-Gemeinde. Andere hassen ihn jedoch so heftig, dass seine Mitarbeiter befürchten, dass ein Anschlag auf ihn ausgeübt worden sei. Ein Fall also für die beiden Münchner Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec), die bei ihren Ermittlungen mit Anasts Opfer konfrontiert werden, aber auch mit einem Priester (Ernst Stötzner), der sich engagiert, um sie gekümmert hat. Als sie dann sein letztes Opfer, eine psychisch gestörte Finanzbeamtin, befragen wollen, finden sie die als „Messie-Marie“ Diffamierte tot in ihrer Wohnung.

Obwohl der Zuschauer recht schnell die Hintergründe des Falls ahnt, ist der Film nie langweilig. Dafür ist er einfach zu gut erzählt und von Jochen Alexander Freydank, der 2009 für einen Kurzfilm mit einem Oscar ausgezeichnet worden ist, auch optisch zu überzeugend inszeniert. Sogar die in Krimis sonst fast schon üblichen Klischees beim Thema Internet werden geschickt umgangen. Lediglich gegen Ende erliegt der Regisseur zu sehr seiner offensichtlichen Schwäche für amerikanische Action-Serien. Und die Auflösung des Falls wirkt doch arg dämonisch vermurkst.

ARD, 22.12.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 22.12.2013, 21:50 Uhr / Eins Festival, 22.12.2013, 23:50 Uhr
ARD, 24.12.2013, 00:35 Uhr

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