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Kritik: Womb

Die Geschichte, die in „Womb“ (deutsch: Gebärmutter) erzählt wird, ist zutiefst verstörend, trägt aber auch märchenhafte Züge und lässt den Zuschauer so schnell nicht mehr los. Dabei beginnt in einer nicht fernen Zukunft alles ganz harmlos mit einer schönen Kinderliebe zwischen Rebecca, die ihren Großvater am Meer besucht, und dem dort lebenden Jungen Tommy. Doch viel zu schnell muss das Mädchen wieder zurück zu ihrer Mutter, die gerade einen neuen Job in Tokio antritt. Und der Abschied der Kinder ist wahrlich rührend.

Nach 12 Jahren kehrt Rebecca (Eva Green) zurück ins Haus ihres mittlerweile verstorbenen Großvaters, verliebt sich erneut in Tommy (Matt Smith), der dann jedoch tödlich verunglückt. Ein schmerzhafter Verlust, den Rebecca aber nicht hinnehmen will. Kurzerhand lässt sie den verstorbenen Geliebten klonen, gegen den Willen seiner leiblichen Mutter, und bringt diesen Klon dann selber zur Welt. Sie zieht ihn liebevoll auf wie ihr eigenes Kind. Doch nachdem sich im Dorf herumspricht, dass ihr Tommy ein sogenannter Repli (nach „Replikat“) ist, werden sie gemieden und leben nun völlig zurückgezogen in einem kleinen Stelzenhaus direkt am Meer.

Doch das ist noch längst nicht alles. Rebecca hat nämlich zu dem heranwachsenden Tommy nicht nur mütterliche Gefühle, sondern sieht in ihm eben auch und zunehmend ihren früheren Geliebten. Und so entwickelt sich langsam eine vor allem von ihr betriebene inzestuöse Beziehung mit wirklich allem was dazugehört: mit erst scheuen dann zunehmend zärtlichen Berührungen und mit Eifersuchtsszenen gegenüber Tommys gleichaltrigen Freundinnen. Und vieles spielt sich dabei ausschließlich in der Fantasie des Zuschauers ab, der nicht weiß, ob er auf dieses ungewöhnliche Liebesspiel mit Ablehnung oder wohlwollender Faszination reagieren soll.

Aber faszinierend sind auch die stilisierten und gut durchkomponierten Bilder, in denen der ungarische Regisseur Benedek Fliegauf diese tragische Liebesgeschichte erzählt. Zudem spielt der Film in der wunderbar entrückt wirkenden Landschaft Norddeutschlands. Schauplatz sind die einsamen, Nebel verhangenen Strände von Sylt und St. Peter Ording. Oft überdecken diese Bilder sogar oder lenken ein wenig ab von der geübten Kritik an den Möglichkeiten der Gentechnik, die hier exemplarisch an einem extremen Beispiel durchgespielt werden. Und auch beeindruckend ist das ausdrucksstarke Spiel der Hauptdarstellerin, dem ehemaligen Bond-Girl Eva Green („Casino Royal“), mit dem ihr männlicher Partner Matt Smith leider überhaupt nicht mithalten kann.

 

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