Archiv

Posts Tagged ‘ZDF’

Kritik: Mandy will ans Meer

November 26, 2012 2 Kommentare

Einen ernsten Stoff unterhaltsam im Fernsehen zu erzählen, ist kein leichtes Unterfangen. Den Machern des ZDF-Fernsehfilms um Regisseur Tim Trageser ist das jedoch gelungen. Und selbst Zuschauer, die bei einem deprimierenden Thema wie Kinderarmut reflexartig um- oder abschalten, werden „Mandy will ans Meer“ wohl bis zum Ende aufmerksam verfolgen. Dabei arbeiten Regisseur und Drehbuchautor Christian Pfannenschmidt mit einem geschickten Trick. Anfangs erzählt ihr Film scheinbar ein reines Frauenschicksal. Er konzentriert sich fast ausschließlich auf eine echte Powerfrau, auf die Berliner Sterneköchin Ida. In ihrer Küche in einem Berliner Nobelhotel führt sie sich auf wie eine Furie. Sie hat dort eindeutig das Sagen, Widerspruch ist nicht erlaubt und notfalls fliegen auch schon mal die Küchenmesser. Was beim Zuschauen dennoch durchaus amüsant ist.

Doch privat schaut es bei dieser Erfolgsfrau eher mau aus. Wenn sie nach getaner Arbeit nachts in ihr Luxusappartement zurückgekehrt, ist nie eine Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter. Offenbar hat sie keine Freunde. Und auch die sich im Verlauf des Films zögerlich anbahnende Beziehung zu dem Fahrer Tercan (Erhan Emre) ist arg kompliziert. Sie habe, sagt sie, einfach Angst, enttäuscht zu werden – von Freunden, Kollegen und überhaupt. Dies alles erfährt der Zuschauer in der ersten Hälfte des Films, der bis dahin eine reine Charakterstudie einer erfolgreichen Frau ist.

Doch dann lernt Ida zufällig die elfjährige Mandy kennen. Das Mädchen verkehrt in der „Barke“, einer Einrichtung für Kinder aus sozial schwachen Familien, die mit den „Resten“ aus Idas Restaurant versorgt wird. Irgendwie fühlt die Köchin sich spontan zu diesem recht garstigen Kind hingezogen. Ja, sie scheint sich offenbar an ihre eigene Kindheit erinnert zu fühlen. Und trotz aller Schwierigkeiten und trotz aller Widerstände werden beide schließlich Freundinnen. Gleichzeitig zu diesem glaubhaft geschilderten, wenn auch ein wenig märchenhaften Annäherungsprozess erfährt Ida immer mehr über Mandys schwieriges Leben. Die Kleine wohnt mit ihren zwei jüngeren Geschwistern in einer völlig heruntergekommenen Wohnung, ihr gewalttätiger Vater ist Alkoholiker, die Mutter kränkelt, wirkt depressiv und scheint sich um nichts mehr zu kümmern. Und in diesem familiären Chaos spielt die völlig überforderte Mandy die Ersatzmutter. Als die Kleine dann eines Tages mal wieder von ihrem Vater zusammengeschlagen wird, beschließt Ida zu handeln. Sie wendet sich ans Jugendamt.

Das schwere Thema Kinderarmut, von dem nach Schätzungen etwa 1,5 Millionen Kinder in Deutschland betroffen sind, wird in deutschen Fernsehfilmen ansonsten ja fast ausschließlich in Krimis behandelt. Hier jedoch steht es also im Mittelpunkt eines über weite Strecken unterhaltsamen Films, der sogar auf ein richtig schönes, wenn auch ein bisschen kitschiges Happyend hinausläuft. „Ich wollte den Zuschauer ‚von hinten durch die Brust ins Auge’ mit der traurigen Kindheit von Mandy konfrontieren. Und dadurch vor allem Zuschauer ansprechen, die sich einen Film über Kinderarmut eher nicht ansehen“, sagt dazu Tim Trageser.

Das ist dem Regisseur und seinem Drehbuchautor überzeugend gelungen, obwohl das Thema beinahe in seiner ganzen Vielschichtigkeit gezeigt wird. Wobei dankenswerterweise auf zu platte Schwarzweißmalerei verzichtet wird. Dabei werden gleich mehrere interessante Fragen aufgeworfen, die der Zuschauer dann jedoch selbst beantworten muss. Dass man diesen Film trotz seiner harten Problematik richtig gern sieht, liegt aber nicht zuletzt auch an den beiden Hauptdarstellerinnen: der 11-jährigen Hanna Müller, die hier zum ersten Mal vor der Kamera steht und mit ihrer nassforschen Natürlichkeit überzeugt. Und Anna Loos als Köchin Ida, die wie immer stark aufspielt, herrlich zornig blicken kann und dennoch so verletzbar wirkt.

ZDF, 26.11.2012, 20:15 Uhr

Advertisements
Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , ,

TV-Kritik: Eine Frau verschwindet

Holland und Schweden kann man nicht verwechseln? Welch ein Irrtum! Anfangs schaut in „Eine Frau verschwindet“ nämlich alles aus wie in einem Schweden-Krimi. Der Tatort Amsterdam ist grau und triste wie das so gern abgefilmte Stockholm. Der Mordfall grausam und bizarr. Die handelnden Personen wirken durchweg ziemlich schlecht gelaunt. Und der leitende Kommissar Bruno van Leeuwen wird von dem Schweden Peter Haber verkörpert, der schon in der schwedisch-deutschen Krimiserie „Kommissar Beck“ den gleichnamigen Ermittler gespielt hat. Der auch in dieser Rolle wieder ungemein viel Ruhe ausstrahlt, fast emotionslos wirkt, dabei stets äußerst konzentriert ermittelt und eine Spürnase hat wie ein holländischer Sherlock Holmes. Und der übrigens dank eines deutschen Vaters sehr gut Deutsch spricht.

Doch was gleich zu Anfang von „Eine Frau verschwindet“ geschieht, hat selbst van Leeuwen noch nie zuvor gesehen: Ein 13-jähriger Junge wird tot aufgefunden. Und der Täter hat ihm ein Loch in den Gaumen geschlagen, um so das Gehirn zu entfernen. Eine unglaubliche Tat! Als die Ermittler einen Bambussplitter am Tatort finden, hat van Leeuwen den Verdacht, dass es sich womöglich um einen Ritualmord handelt. Und er nimmt Kontakt auf zu einem Spezialisten für solche exotischen Fälle, zu dem Anthropologen Josef Pieters (Tobias Moretti), der über das menschliche Gehirn forscht.

Letzteres interessiert den Kommissar auch aus persönlichen Gründen. Seine Frau Simone (Maja Maranow) leidet an Alzheimer in einem fortgeschrittenen Stadium. Um sie kümmert sich tagsüber eine Pflegerin (Johanna Gastdorf). Und bisher weigert sich van Leeuwen seine Frau, die er immer noch liebt, in ein Heim zu geben. Verzweifelt sucht er stattdessen nach Anzeichen einer Besserung ihrer Krankheit. Und er erhofft sich nun von Pieters, der eben auch über Creutzfeld-Jakob und Alzheimer forscht, Rat und Tat. Der jedoch kann oder will ihm nicht helfen. Gleichzeitig verwickelt er sich jedoch in der Befragung zum vermeintlichen Ritualmord in seltsame Widersprüche.

Erzählt werden in diesem vom Grimme-Preisträger Matti Geschonneck einfühlsam inszenierten Krimidrama gleich zwei Geschichten: der bizarre Kriminalfall und die tragische Erkrankung der Ehefrau des Kommissars, die dann über eine weite Strecke sogar im Mittelpunkt des Films steht. Es ist wirklich anrührend zu sehen, wie liebevoll sich van Leeuwen um seine gleichsam zu verschwinden drohende Lebenspartnerin kümmert, wie er verzweifelt versucht, bei ihr ausgelöschte Erinnerungen wieder wachzurufen. Oder wie er ein letztes Mal mit ihr am Meer spazieren geht. Und trotz der Krankheit reagiert er plötzlich eifersüchtig wie ein Teenager, als er alte Liebesbriefe seine Frau findet, die von einem früheren Geliebten geschrieben wurden. Von dessen Existenz van Leeuwen bisher nichts wusste.

Spannend neben diesem menschlichen Drama ist aber auch der Fall des ermordeten Jungen, den van Leeuwen schließlich mit einer unglaublichen Kombinationskraft löst. Wobei er von einem sympathischen Team (Jasmin Gerat, Marcel Hensema, Patrick Abozen) unterstützt wird. Die Romanvorlage, „Und vergib uns unsere Schuld“, für diesen sehenswerten Film stammt von Claus Cornelius Fischer, einem 61-jährigen Schriftsteller, Übersetzer und Drehbuchautor, der noch drei weitere van-Leeuwen-Krimis geschrieben hat. Und eine weitere Verfilmung soll sogar bereits in Vorbereitung sein. Hoffen wir also auf neue Schweden-Krimis aus Holland.

ZDF, 15.10.2012, 20:15 Uhr

Kurzkritik: Deutschland von oben

Von oben betrachtet ist Deutschland vor allem eins: wunderschön. Und selbst eigentlich hässliche Flecken oder Vorgänge wie der Landschaft zerstörende Braunkohletagebau in der Lausitz oder ein elend langer Stau auf der Autobahn bei München wirken aus diesem Blickwinkel zumindest optisch interessant. – Das kann man nun im Kino nachprüfen in „Deutschland von oben“. Eine fast zweistündige Dokumentation, die auf der gleichnamigen „Terra X“-Reihe des ZDF beruht, die der Sender 2010 und 2011 in zwei Staffeln ausstrahlte und deren Folgen von jeweils bis zu 4,6 Millionen Zuschauer gesehen wurden. Für den Kinofilm wurden jedoch 30 Prozent der Szenen neu gefilmt, meist vom Hubschrauber aus.

Folgt man dem Film, den die Regisseure und Autoren Petra Höfer und Freddie Röckenhaus aus mehr als 300 Stunden Filmmaterial zusammengefügt haben, ist unser Land nicht nur märchenhaft schön, sondern für einen Industriestaat ungewöhnlich grün und sogar ein kleines Paradies für seltene Tiere, beispielsweise für Steinböcke, Adler und Robben. Und mit den Steinböcken in den Allgäuer Hochalpen beginnt und endet auch dieser 12-teilige Reigen, der den Jahreszeiten folgt und nach den Monaten gegliedert ist. Dabei begibt sich der Zuschauer auf eine durchaus beeindruckende Reise quer durch Deutschland und trifft dabei auf Bekanntes und Neues aus einer trotz eines populären Dienstes wie Google Earth immer noch aufregenden Perspektive.

Was jedoch ein wenig stört, sind die arg feierliche bis süßliche Musikuntermalung. Und der von Benjamin Völz, der deutschen Synchron-Stimme von Charlie Sheen und Keenu Reeves, gesprochene Kommentar. Ein Text, der sich leider viel zu oft in Klischees und ausgelutschten Bildern ergeht.

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: ,

Auf die Pausen kommt es an

Mai 23, 2010 1 Kommentar

dazu Telepolis: „ZDF-Programmchef schützt Lobbyisten

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , ,
%d Bloggern gefällt das: