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TV-Kritik: Meine Frau, ihr Traummann und ich

Schlecht gelaunt und sichtbar gestresst steigt ein Mann am Münchner Flughafen in ein Taxi. „Zum Amtsgericht,“ knurrt er. „Heute lassen wir uns scheiden.“ Wir, das sind in dem ZDF-Film „Meine Frau, ihr Traummann und ich“ Charlotte (Ulrike Kriener) und Richard (Axel Milberg), ein Ehepaar kurz vor der Silberhochzeit. Ihr gehört eine Boutique für Brautmoden, er arbeitet mit eher mäßigem Erfolg als Werbefotograf, Spezialgebiet: Lebensmittel. Besonders Leberwurst, wie er gern ironisch anmerkt. – Als Richard schließlich beim Amtsgericht angekommen ist, hat er es plötzlich nicht mehr eilig. Ausführlich erzählt er bei einer von seiner Reise mitgebrachten Flasche Ouzo seinem griechischen Taxifahrer, wie es zur jetzt drohenden Scheidung gekommen ist. Eine ziemlich ungewöhnliche Geschichte, an deren Ende das Taxameter bei mehr als 150 Euro steht. Der Fahrer inzwischen eingeschlafen ist und der TV-Zuschauer 90 Minuten lang trotz des geschilderten Beziehungsknatsches eine heitere romantische Komödie erlebt hat.
Angefangen, erfährt er dabei in einer langen Rückblende, hat das Unheil nach dem Auszug des erwachsenen Sohnes. Plötzlich ist das alte Paar wieder allein gewesen, allein zu zweit. „Eigentlich“, witzelt Richard, „könnten wir jetzt durch die ganze Wohnung vögeln und laut schreien“. Aber nur eigentlich. Die böse Realität sieht nun einmal leider etwas anders aus, wie die „erste Nacht allein“ zeigt: Er schnarcht trotz Zahnschiene, sie kann daraufhin nicht schlafen, steht schließlich frühmorgens auf und geht in ihr Geschäft. Genau dort nimmt das Verhängnis dann seinen Lauf.
In der Boutique trifft Charlotte ihre langjährige Mitarbeiterin, die bereits vorm Computer hockt, auf den Netzseiten einer Dating-Agentur auf Partnersuche ist. Und ihre Chefin erfolgreich überredet, es doch auch einmal aus Spaß damit zu versuchen. Das hat dann schnell Folgen. Charlotte erhält 162 Anfragen, darunter ist ein Mann mit „98-prozentiger Übereinstimmung“. Der Vergleich mit ihrem lieben Gatten ergibt dagegen bescheidene 14 Prozent. So etwas macht natürlich neugierig, vor allem weil Richard, tolerant wie er ist, Charlotte überredet, sich mal mit diesem Traummann zu verabreden. Eine Gefahr sieht er darin nicht, schließlich ist dieser Typ ausgerechnet Lehrer. Und so einer, da ist er sich ganz sicher, kann seine Langzeit-Ehe nicht gefährden.
Doch das entpuppt sich natürlich schnell als Irrtum. Charlotte trifft sich also mit ihrem Internet-Traummann, und aus dem ersten Treffen entwickelt sich eine feste Beziehung, allerdings bleibt sie lange Zeit rein platonisch. Und als Richard die drohende Gefahr erkennt, auf die ihn erst sein „Partner“ aus seiner zweiten „alten Ehe“, sein bester und einziger Freund Stefan (August Zirner), hinweist, ist es fast schon zu spät. Besonders als er nach einem Opernbesuch das Tête-à-Tête des Dating-Paares in einem feinen Restaurant mit laut gesungenen Mozart-Arien stört. Ein von Milberg wunderbar gespielter Auftritt, weil er ungemein komisch und gleichzeitig schön jämmerlich ist. Und als eine einige Zeit später dann auch ein letzter Versöhnungsversuch dramatisch scheitert, reicht Charlotte die Scheidung ein.
Inszeniert hat diese betont leise Komödie über die Irrungen und Wirrungen eines älteren Ehepaares der Schweizer Regisseur Walter Weber. Das vorzügliche Drehbuch stammt von einem persönlich betroffenen Experten: von Georg Weber, der seit langem mit Ulrike Kriener verheiratet ist. Die von ihm hier entwickelte Geschichte lebt gekonnt von ihrer nie aufdringlichen Situationskomik und ihrem exzellent eingesetzten Wortwitz. Doch besonders überzeugen die beiden Hautdarsteller, die stets den richtigen Ton treffen und wunderbar lebensecht ein gut eingespieltes Ehepaar verkörpern. Dass es zwischen diesen beiden zur Trennung kommt, kann man sich daher als Zuschauer trotz aller Probleme kaum vorstellen. Und genau das wird dann am Schluss zum Glück auch in einer tollen Slapsticknummer ausgerechnet vor dem Amtsrichter bestätigt. Alles andere wäre auch wirklich schade gewesen.
ZDF, 15.12.2014, 20:15 Uhr

Kategorien:Uncategorized Schlagwörter: , , ,
  1. Dezember 15, 2014 um 6:02 pm

    Danke für den Tipp🙂

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