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Tatort: Borowski und der brennende Mann

Beim zuständigen NDR arbeiten offenbar Sadisten: Da ist man als Fernsehzuschauer schließlich heilfroh, dass nach einem nicht enden wollenden Winter endlich Frühling ist, und dann spielt am zweiten Mai-Sonntag dieser Kieler „Tatort“ ausgerechnet kurz vor Weihnachten im (echt!) verschneiten Schleswig-Holstein!! Dass man beim Zuschauen nicht fröstelnd sofort erneut einer späten Winter-Depression verfällt, verhindert dann nur der starke Auftritt einer wirklich (Pardon:) süßen Dänin, der Schleswiger Kommissarin Frau Einigsen (gespielt von der Schwedin: Lisa Werlinder). Und selbst der ansonsten ja so knurrige Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) wird von der guten Laune dieser lebensfroh witzigen und auch noch attraktiven Frau so angesteckt, dass sich der einsame Wolf von der Kieler Förde fast in sie verliebt. Was dann für ein paar herrlich komische Momente ausgelassenen norddeutschen Humors sorgt, die allein schon das Einschalten lohnen.

Der Film beginnt jedoch erst einmal mit einer Weihnachtsfeier samt Wichteln im Kieler Mordkommissariat, bei der Borowskis Vorgesetzter, Kriminalrat Schladitz (Thomas Kügel), plötzlich überstürzt aufbricht. Er hat einen ominösen Brief mit einer Einladung zum Lucia-Fest an einer dänischen Schule in Schleswig erhalten, wo er dann wenig später Zeuge eines grausamen Verbrechens wird. Während die Schüler und Eltern gerade dieses vorweihnachtliche Lichterfest feiern, steht plötzlich ein Mann in Flammen: Michael Eckart, Schulleiter und Mitglied der dänischen Minderheit. Für ihn kommt alle Hilfe zu spät. Und das ist nur Auftakt einer kleinen Mordserie.

Die zuständige Kommissarin ist die schon erwähnte „Frau Einigsen“ (so wird sie im Film nur genannt). Da es jedoch ihr erster Mordfall ist, bittet sie ihren erfahrenen Kollegen Borowski samt Assistentin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) um Amtshilfe. Bei den Ermittlungen verhält sich Schladitz, mit dem Borowski eigentlich eine alte Männerfreundschaft verbindet, äußerst seltsam, ja ihm gegenüber sogar abweisend. Und dann überschlagen sich die Ereignisse. Schladitz, der offenbar mehr über die Hintergründe des Verbrechens weiß, aber nicht darüber sprechen will, erleidet zusammen mit Sarah Brandt einen schweren Verkehrsunfall. Und Borowski hat den Verdacht, dass seine Assistentin den verunglückten Wagen gelenkt hat. Obwohl sie ihm versprochen hat wegen ihrer Epilepsie nicht mehr Auto zu fahren.

In „Borowski und der brennende Mann“ geht es neben der üblichen kriminalistischen Arbeit also auch um Vertrauen unter Kollegen und Freunden. Und unser Kieler Kommissar wirkt bisweilen ziemlich ratlos und sogar gekränkt, weil er einfach nicht mehr weiß, ob er sich auf seinen Chef und seine Assistentin noch verlassen kann. Eine interessante, weil psychologisch ziemlich komplizierte Situation, die im Film spannend entwickelt wird. Diese eher privaten Probleme sind zudem geschickt verknüpft mit einer klassisch anmutenden Rachegeschichte, bei der es um Schuld und Sühne, aber auch um einen kaum noch bekannten Fall von Fremdenfeindlichkeit aus der frühen deutschen Nachkriegsgeschichte geht. Auch das ist sehenswert.

Inszeniert hat den Film nach einem Drehbuch von Daniel Nocke der Regisseur Lars Kraume, der bisher vor allem für den Frankfurter-„Tatort“ gearbeitet hat. Aber selbst er hat offenbar nicht auf eine für diese Krimi-Reihe übliche Macke verzichten wollen: Wenn eine kleine Nebenrolle mit einem ungewöhnlich prominenten Darsteller besetzt ist, dann ist er in 99 Prozent aller Fälle der Täter. Und genau das ist leider auch hier der Fall.

(Eine recht eigenwillig gekürzte Fassung dieses Textes ist in der Hannoverschen Allgemeinen erschienen)

ARD, 12.05.2013, 20:15 Uhr 
Eins Festival, 12.05.2013, 21:45 Uhr / Eins Festival, 12.05.2013, 23:45 Uhr
ARD, 14.05.2013, 00:35 Uhr

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