Polizeiruf 110 – Smoke on the Water

Ganz konventionell, wenn auch sehr drastisch in Szene gesetzt, beginnt dieser „Polizeiruf 110“: In einer Münchner Wohnung wird eine junge Frau tot aufgefunden. Das Opfer, die Journalistin Anna Ten Hoff, ist brutal erschlagen worden. Ihr Blut hat bis zur Zimmerdecke gespritzt. Und für den zuständigen Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) scheinen alle Spuren für einen Affektmord zu sprechen. Auch der vermeintliche Täter ist verdächtig schnell ermittelt. Dabei handelt es sich um den fast mittellosen Jazz-Musiker Mischa Eigner (Marek Harloff), der offenbar eine Affäre mit der Toten gehabt hat und der diesen angeblichen Mord aus Leidenschaft dann auch im Verhör mit von Meuffels gesteht.
Doch für den Kommissar ist das alles viel zu eindeutig. So ermittelt er weiter, unter anderem im Münchener Englischen Garten, wo unter dem Motto „Allein unter Nackten“ eine der lustigsten Szenen von „Smoke on the Water“ spielt. Schließlich findet von Meuffels heraus, dass der geständige Musiker für die Tatzeit ein perfektes Alibi besitzt. Zudem lernt er die lesbische Lebensgefährtin (Judith Bohle) der Ermordeten kennen, die ihm unbedingt bei seinen weiteren Nachforschungen unterstützen möchte. Und bei ihrem ersten Gespräch, und jetzt wird es skurril, zeigen die zwei sich tatsächlich gegenseitig die Narben, die ihnen das Leben so körperlich zugefügt hat. Das mag erotisch gemeint sein, wirkt aber stattdessen eher albern.
Nach dieser Szene gehen dem Drehbuchautor Günter Schütter und Regisseur Dominik Graf („Im Angesicht des Verbrechens“), dem die deutsche TV-Kritik fast unisono sogar völlig missratene Filme verzeiht wie zuletzt den Münchner-„Tatort: Aus der Tiefe der Zeit“ (2013), dann endgültig die Pferde durch. Entwickelt wird von ihnen ein Verschwörungsszenario, das so hanebüchen ist, dass man sich beim Zuschauen richtig veräppelt fühlt. Dabei treten sogar Polizisten auf, die sich origineller Weise als Polizisten verkleidet haben und vermutlich im Nebenerwerb als sadistische Killer verdingen. Unserem Kommissar wird zwischendurch ein Mini-Sender heimtückisch unter die Haut verpflanzt, um ihn so besser orten zu können. Einer der Hauptverdächtigen ist ein adliger Lustmolch und aufstrebender EU-Politiker, Joachim von Cadenbach (Ken Duken), bei dem wohl jeder unweigerlich sofort an einen ehemaligen deutschen von und zu Verteidigungsminister denken muss. Und natürlich darf bei soviel angerichteten, leider wenig komischen Unfug auch ein finsterer Oberschurke nicht fehlen, der dann ausgerechnet McAllister heißt und aus dem schönen Britannien stammt.
Nun muss ein Verschwörungs-Krimi ja nicht unbedingt plausibel sein, aber ein bisschen Sinn und Verstand sollte man dennoch von der erzählten Geschichte erwarten. Beides fehlt hier völlig. Oder man inszeniert ihn gleich als freche Parodie. Dafür jedoch spricht dieser Film viel zu ernsthaft durchaus ernsthafte Probleme an wie die allgegenwärtige Überwachung, die Korruption und das skrupellose Geschäft mit der militärischen Rüstung. Dinge, die hier leider so übertrieben dargestellt werden, dass man sie nie ernst nehmen kann. Aber immerhin taugen sie zumindest für einen netten Running Gag, bei dem von Meuffels genervt feststellen muss, dass kein Handy auch keine Lösung ist.
Einigermaßen erträglich ist das Ganze nur durch die gewohnt souveräne Leistung von Matthias Brandt, der zwischendurch immer mal wieder einen wunderbaren selbstironischen Auftritt hat, stets irgendwie weiß, als norddeutscher Adliger unter bayrischen Barbaren auch in schlimmsten Situationen die Contenance zu wahren, dem aber dennoch nicht das Kunststück gelingt, diesen missglückten Krimi zu retten.

ARD, 19.10.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 19.10.2014, 21:45 Uhr / Eins Festival, 19.10.2014, 23:45 Uhr
ARD, 21.10.2014, 00:35 Uhr

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