Tolle Erfindungen

Oktober 23, 2014 1 Kommentar

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TV-Kritik: Momentversagen

Für den Kölner Staatsanwalt Manuel Bacher ist die Welt wohlgeordnet: Er ist mit einer hübschen Frau (Lisa Wagner) verheiratet, die gerade ein Kind erwartet. Er lebt mit ihr in einem repräsentativen, wenn auch ziemlich protzigen neuen Haus. Nun ist er auch noch befördert worden und wird auf der kleinen Party zu diesem Anlass von seinem Chef gelobt als ein Mann, der den Unterschied zwischen Recht und Moral noch kenne. Und dann droht schlagartig seine geordnete Welt zusammenzubrechen durch ein von ihm selbst zu verantwortendes „Momentversagen“ – so auch der treffende Titel dieses kriminalistischen Dramas, das der „Weissensee“-Regisseur und –Mitautor Friedemann Fromm nach einem Drehbuch von Norbert Ehry inszeniert hat.
Schuld an dem sich nun rasant entwickelnden Desaster haben Gier und Geilheit, haben Ängste und vor allem Aggressionen, die eben auch in einem Kopfmenschen wie dem Biedermann Bacher schlummern. Und die Fallhöhe kann extrem hoch sein, wenn bei einem gutsituierten Menschen wie ihm die Existenz zu zerbrechen droht. Das führt dieser Film anschaulich und psychologisch einfühlsam vor. Der Regisseur geht dabei so geschickt vor, dass man sogar zunehmend Mitleid mit dem traurigen Helden Bacher empfindet. Auch wenn er sich bisweilen dümmer verhält, als es die Staatsanwaltschaft eigentlich erlaubt. Aber Felix Klare, der Stuttgarter-„Tatort“-Kommissar, spielt diese Figur und ihre Wandlung so glaubhaft, dass man ihm fast alles abnimmt.
Und so nimmt das Unheil also seinen Verlauf: Nach der anfangs erwähnten alkoholseligen Beförderungsparty begleitet Bacher seine attraktive Kollegin Caroline von Studt (Julia Thurnau) nach Hause. Dort haben die beiden schnellen und ziemlich harten Sex. Als er anschließend noch in der Nacht zerknirscht, weil schuldbewusst den Ort seines Seitensprungs wieder verlässt, wird er in einem Park Zeuge einer handfesten Auseinandersetzung, bei dem ein junger Mann eine Frau bedroht und körperlich bedrängt. Bacher geht, wie es sich ja für einen pflichtbewussten Bürger gehört, dazwischen und verliert bei der Auseinandersetzung plötzlich die Beherrschung. Er schlägt mehrmals mit einer Flasche zu, sein Widersacher bricht blutüberströmt zusammen und verschwindet bald darauf im dunklen Park. Und Bacher überlegt kurz, ob er die Polizei deswegen benachrichtigen sollte. Er zögert und lässt es schließlich sein: Wie sollte er denn auch erklären, wo er gerade hergekommen ist.
Als am folgenden Tag die bös zerschundene Leiche des Mannes im Park gefunden wird, ist das für Bacher ein richtiger Schock. Plötzlich erscheint dann auch noch bei ihm zuhause die ehemalige Drogenabhängige Joy (Lili Zahawi), die behauptet, Zeugin des nächtlichen Vorfalls zu sein. Zudem ist sie Freundin des dafür fälschlich Verdächtigten, einem Junkie, der bereits festgenommen worden ist und in Untersuchungshaft sitzt. Und durch das Erscheinen dieser jungen Frau wird die Geschichte für unseren Staatsanwalt erst richtig kompliziert, auch weil die ermittelnden Staatsanwältin, ausgerechnet sein One Night Stand, ihn in Verdacht hat.
Besonders gelungen ist dann der Schluss des Films, bei dem Bachers Frau eine wichtige Rolle spielt. Und bei dem vieles nur angedeutet und sehr vieles raffiniert offen gelassen wird. Aber eines scheint zumindest klar, wer sich mit einer werdenden Mutter anlegt, der kämpft meistens auf verlorenem Posten. Vor allem wenn sie gerade ihr „Nest“ baut.

ARD, 22.10.2014, 20:15 Uhr
ARD, 23.10.2014, 00:20 Uhr / Eins Festival, 25.10.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 26.10.2014, 12:45 Uhr / Eins Festival, 29.10.2014, 18:30 Uhr
Eins Festival, 30.10.2014, 07:00 Uhr / Eins Festival, 30.10.2014, 12:30 Uhr

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Rosa Ribas, Sabine Hofmann: Das Flüstern der Stadt

Eine unterhaltsame, bisweilen auch sehr spannende Reise in Spaniens jüngste Vergangenheit bietet der Krimi „Das Flüstern der Stadt“. Schauplatz des Romans ist Barcelona im Jahre 1952, also zur Zeit der Franco-Diktatur, die bis in die siebziger Jahre in dem Land geherrscht hat. Und den in Frankfurt lebenden deutsch-spanischen Autorinnen und Literaturwissenschaftlerinnen Rosa Ribas und Sabine Hofmann gelingt es vorzüglich, den Zeitgeist dieser Jahre zu schildern, vor allem die herrschende Unterdrückung und die allgegenwärtige Angst vor Repressalien.
Im Mittelpunkt steht die junge Journalist Ana, die bei ihrer Tageszeitung eigentlich für Klatsch und Mode zuständig ist. Doch als der Polizeireporter einige Zeit ausfällt, bekommt sie eine ungewöhnliche Chance. Sie soll über einen grausigen Mordfall berichten, der sich in den sogenannten besseren Kreisen der Stadt zugetragen hat. Wobei die Berichterstattung nicht aus journalistischem Interesse geschieht, sondern weil sie von den Machthabern angeordnet worden ist. Dabei erweist sich die Journalistin als weniger pflegeleicht und lenkbar, als von den staatlichen Stellen erhofft. Sie stellt unangenehme Fragen, beginnt zusammen mit ihrer Cousine, einer von einem Berufsverbot betroffenen Sprachwissenschaftlerin, eigene Nachforschungen, kommt bald einem Komplott auf die Spur, an dem einflussreichste Bürger der Stadt beteiligt sind. Und gerät dadurch schließlich selbst in höchste Gefahr.
Zwar beginnt die erzählte Geschichte etwas schleppend, da anfangs vielleicht ein bisschen zu langatmig die beteiligten Personen ausführlich vorgestellt werden. Doch dann nimmt sie immer mehr Fahrt auf, ist locker, auf hohem sprachlichen Niveau erzählt. Und endet in einem gut ausgetüftelten Showdown. Zudem haben die Autorinnen mit ihrer Ana eine Figur geschaffen, die so erfrischend sympathisch ist, dass man sich auch als männlicher Leser gern mit ihr identifiziert. So machen Zeitreisen wirklich Spaß.
Rosa Ribas, Sabine Hofmann. Das Flüstern der Stadt, Kindler, 512 Seiten, 19,95 Euro.

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Festnetz

Oktober 22, 2014 3 Kommentare

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Polizeiruf 110 – Smoke on the Water

Ganz konventionell, wenn auch sehr drastisch in Szene gesetzt, beginnt dieser „Polizeiruf 110“: In einer Münchner Wohnung wird eine junge Frau tot aufgefunden. Das Opfer, die Journalistin Anna Ten Hoff, ist brutal erschlagen worden. Ihr Blut hat bis zur Zimmerdecke gespritzt. Und für den zuständigen Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) scheinen alle Spuren für einen Affektmord zu sprechen. Auch der vermeintliche Täter ist verdächtig schnell ermittelt. Dabei handelt es sich um den fast mittellosen Jazz-Musiker Mischa Eigner (Marek Harloff), der offenbar eine Affäre mit der Toten gehabt hat und der diesen angeblichen Mord aus Leidenschaft dann auch im Verhör mit von Meuffels gesteht.
Doch für den Kommissar ist das alles viel zu eindeutig. So ermittelt er weiter, unter anderem im Münchener Englischen Garten, wo unter dem Motto „Allein unter Nackten“ eine der lustigsten Szenen von „Smoke on the Water“ spielt. Schließlich findet von Meuffels heraus, dass der geständige Musiker für die Tatzeit ein perfektes Alibi besitzt. Zudem lernt er die lesbische Lebensgefährtin (Judith Bohle) der Ermordeten kennen, die ihm unbedingt bei seinen weiteren Nachforschungen unterstützen möchte. Und bei ihrem ersten Gespräch, und jetzt wird es skurril, zeigen die zwei sich tatsächlich gegenseitig die Narben, die ihnen das Leben so körperlich zugefügt hat. Das mag erotisch gemeint sein, wirkt aber stattdessen eher albern.
Nach dieser Szene gehen dem Drehbuchautor Günter Schütter und Regisseur Dominik Graf („Im Angesicht des Verbrechens“), dem die deutsche TV-Kritik fast unisono sogar völlig missratene Filme verzeiht wie zuletzt den Münchner-„Tatort: Aus der Tiefe der Zeit“ (2013), dann endgültig die Pferde durch. Entwickelt wird von ihnen ein Verschwörungsszenario, das so hanebüchen ist, dass man sich beim Zuschauen richtig veräppelt fühlt. Dabei treten sogar Polizisten auf, die sich origineller Weise als Polizisten verkleidet haben und vermutlich im Nebenerwerb als sadistische Killer verdingen. Unserem Kommissar wird zwischendurch ein Mini-Sender heimtückisch unter die Haut verpflanzt, um ihn so besser orten zu können. Einer der Hauptverdächtigen ist ein adliger Lustmolch und aufstrebender EU-Politiker, Joachim von Cadenbach (Ken Duken), bei dem wohl jeder unweigerlich sofort an einen ehemaligen deutschen von und zu Verteidigungsminister denken muss. Und natürlich darf bei soviel angerichteten, leider wenig komischen Unfug auch ein finsterer Oberschurke nicht fehlen, der dann ausgerechnet McAllister heißt und aus dem schönen Britannien stammt.
Nun muss ein Verschwörungs-Krimi ja nicht unbedingt plausibel sein, aber ein bisschen Sinn und Verstand sollte man dennoch von der erzählten Geschichte erwarten. Beides fehlt hier völlig. Oder man inszeniert ihn gleich als freche Parodie. Dafür jedoch spricht dieser Film viel zu ernsthaft durchaus ernsthafte Probleme an wie die allgegenwärtige Überwachung, die Korruption und das skrupellose Geschäft mit der militärischen Rüstung. Dinge, die hier leider so übertrieben dargestellt werden, dass man sie nie ernst nehmen kann. Aber immerhin taugen sie zumindest für einen netten Running Gag, bei dem von Meuffels genervt feststellen muss, dass kein Handy auch keine Lösung ist.
Einigermaßen erträglich ist das Ganze nur durch die gewohnt souveräne Leistung von Matthias Brandt, der zwischendurch immer mal wieder einen wunderbaren selbstironischen Auftritt hat, stets irgendwie weiß, als norddeutscher Adliger unter bayrischen Barbaren auch in schlimmsten Situationen die Contenance zu wahren, dem aber dennoch nicht das Kunststück gelingt, diesen missglückten Krimi zu retten.

ARD, 19.10.2014, 20:15 Uhr
Eins Festival, 19.10.2014, 21:45 Uhr / Eins Festival, 19.10.2014, 23:45 Uhr
ARD, 21.10.2014, 00:35 Uhr

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Sonneborn stellt eine Frage

Oktober 16, 2014 1 Kommentar

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Deutsche Ingenieurskunst

Oktober 15, 2014 2 Kommentare

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